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Vorsorge & Versicherung

KFZ-Versicherungsvergleiche: Kein Portal ist unabhängig

40 Millionen Autos in Deutschland sind versichert, doch nur 2 Millionen Halter wechseln pro Jahr die Police. Dabei kann der Wechsel sich wirklich lohnen.

Das unabhängige Verbraucherportal Vergleich.org hat für die Wechselsaison 2015 erneut die fünf größten KFZVersicherungsvergleiche getestet und anhand von 7 Musterprofilen ermittelt, wo Kunden tatsächlich den günstigsten Tarif erhalten.

• Keines der Portale listet wirklich alle Versicherungstarife, auch nicht die Marktführer Check24 und Verivox, denn Versicherer müssen pro vermitteltem Kunden durchschnittlich 77 Euro Provision bezahlen.

• Alle Vergleiche versprechen, das günstigste Angebot zu finden, doch die empfohlenen Tarife waren im Test bis zu 33,3 % teurer als bei anderen Anbietern.

• Testsieger ist Check24 – einfach zu bedienen, schnell, mit zufriedenstellenden Ergebnissen. Dennoch lohnt es sich, zusätzlich die Angebote von wichtigen Versicherern wie HUK24 und Allianz heranzuziehen, die bei Check24 nicht angezeigt werden.

Wer einen Wechsel der KFZ-Versicherung ins Auge fasst, muss sich sputen: Bis zum 30. November 2015 läuft die Frist für fast alle regulären KFZ-Versicherungen. Der beste Weg zum Sparen führt über Online-Vergleichsportale. Wie schon im Vorjahr hat Vergleich.org erneut Check24, Verivox, TopTarif, GELD.de und NAFI-Auto getestet.

Check24 erneut Testsieger – trotz schlechterer Preise

Zum zweiten Mal in Folge schafft es Check24 auf Platz 1 der KFZ-Versicherungsvergleiche. Das Gesamtkonzept stimmt, aber es gibt einen großen Haken: Das beste Angebot findet man hier leider selten, da im Gegensatz zu NAFI-Auto wichtige Versicherer wie HUK24 oder WGV-online in der Ergebnisliste fehlen. „Die vermittelten Tarife sind im Vergleich mit dem jeweils günstigsten Angebot durchschnittlich 9,6 % teurer“, sagt Tobias Gärtner, Versicherungsexperte bei Vergleich.org.

Auf dem zweiten Platz landete Verivox, wobei das Preisniveau sogar weitere 13 % über dem des Testliegers liegt. Einige wichtige Einstellungen – wie die Option der freien Werkstattwahl – sind etwas versteckt. „Hier besteht die Möglichkeit, dass die Nutzer vorschnell abspringen“, kommentiert Gärtner.

Platz 3 ging an TopTarif. Das Portal gehört seit Mitte 2014 zu Verivox, besteht aber weiterhin als eigenständige Marke. Die Ergebnisse sind allerdings fast identisch mit denen von Check24, allerdings werden deutlich weniger Tarife angezeigt. Grund ist ein Kooperationsvertrag beider Portale, an den TopTarif bis Ende 2015 gebunden ist.

GELD.de landete mit deutlich schlechteren Ergebnissen nur auf Platz 5. Wer über das Portal eine neue Versicherung sucht, zahlt im Schnitt 225,89 € pro Jahr drauf.

Fast 1 Stunde dauert die Suche nach dem günstigsten Angebot bei NAFI-Auto

Die günstigsten Tarife im Test fanden sich in sechs von sieben Fällen bei NAFI-Auto. Warum also reicht es nicht für den Testsieg? Das Konzept des Portals unterscheidet sich von dem der anderen Testkandidaten: Statt direkt über die Seite den Vertrag mit dem Versicherer einzugehen, werden nur die Versicherungsangebote gelistet. Um die eigentliche Versicherung abzuschließen, muss der Kunde selbst über die Seite des Versicherungsunternehmens nach den entsprechenden Konditionen suchen. Das ist umständlich und langwierig. Etwa 50 Minuten brauchten die Tester für Suche und Vertragsabschluss – mehr als doppelt so lange wie beim Testsieger. Negativ fiel den Testern zudem auf, dass die bei NAFI-Auto angezeigten Preise nicht aktuell waren. Dennoch: Nur hier werden auch die Anbieter HUK24 und WGV-online mit Preisen gelistet.

Leistungsvergleich von Check24 täuscht über Unvollständigkeit hinweg

Mit dem sogenannten Leistungsvergleich führt Check24 die Nutzer an der Nase herum. Für die Tarife bestimmter Versicherer werden keine Preise angezeigt. Daher erscheinen sie stets am Ende der Ergebnisliste – diese Anzeige nützt dem Kunden absolut nichts. Dass nicht alle Versicherer vollständig gelistet werden, hängt mit dem Provisions-Geschäft der Vergleichsportale zusammen. Im Durchschnitt berechnen die Portale 77 Euro pro abgeschlossener Versicherung, so eine Studie von PriceWaterhouseCoopers. Unabhängig sind die Versicherungsvergleiche daher nicht. „Ob autark oder nicht: Die Vergleiche sind eine große Hilfe. Wirempfehlen jedem Autofahrer, Check24 und NAFI-Auto zusammen zu nutzen“, so Gärtner.

7 Spartipps für Kunden

  1. Schätzen Sie Ihre jährliche Fahrleistung richtig ein. Die Beitragsaufschläge werden stufenweise erhoben. Denn: Je weniger Sie fahren, desto geringer die Gefahr eines Unfalls und desto niedriger die Höhe der Versicherungsprämie. Sie können die Stufengrenzen* ausnutzen, indem Sie die Fahrleistung zunächst zurückhaltend KFZ-Versicherungsvergleiche: Kein Portal ist unabhängig Vergleich.org-Studie, Oktober 2015 schätzen. Sollte sich abzeichnen, dass Sie diese überschreiten werden, melden Sie dies der Versicherung nach. So bleibt der Versicherungsschutz erhalten. *) Die Stufen: 3.000, 6.000, 9.000, 12.000, 15.000, 20.000, 25.000, 30.000 km pro Jahr
  2. Verzichten Sie auf die freie Werkstattwahl. Diese ist nur sinnvoll, wenn der Wagen noch unter die Herstellergarantie fällt oder geleast ist. Bestimmt die Versicherung die Werkstatt, sparen Sie im Schnitt 5,9 %.
  3. Zahlen Sie die Beiträge jährlich. Für die halbjährliche Zahlweise wird ein Aufschlag von 3 – 4 % fällig, für monatliche oder vierteljährliche Zahlungen sind es im Durchschnitt 8 %.
  4. Nehmen Sie sich für die Tarifsuche mindestens 1 Stunde Zeit, um den Vergleich zweimal durchzuführen – am besten Check24 und NAFI-Auto. Das ist zwar etwas aufwändiger, weil Sie alles doppelt eingeben müssen, dafür finden Sie so auch Tarife, die nicht bei allen KFZ-Versicherungsvergleichen gelistet sind.
  5. Fahranfänger lassen ihr Auto als Zweitwagen ihrer Eltern versichern, bei dem sie als Fahrer eingetragen werden. Dadurch starten Sie nicht mit Schadensfreiheitsklasse 0, sondern mindestens mit SF ½. Sind Sie als Fahranfänger bereits über 23, kann auch eine verbesserte Regelung greifen, bei der das Zweit-Auto mit SF 2 eingestuft wird. Auf den Erstwagen der Eltern hat all das keinen Einfluss – weder die Schadensfreiheitsklasse noch die Prämie werden davon berührt.
  6. Nicht immer ist das Angebot an erster Stelle auch das günstigste. Bei Check24 und TopTarif steht dort Werbung. Diese ist zwar farblich hervorgehoben, sonst aber kaum von den anderen Angeboten zu unterscheiden.
  7. Geben Sie bei mehreren Fahrern die Geburtsdaten des jüngsten und des ältesten Fahrers an. Auf die Art wird der Fahrerkreis auf alle Menschen erweitert, deren Geburtsdatum dazwischen fällt. So können auch weitere Personen das Auto problemlos nutzen. Die Höhe der Prämie richtet sich in der Regel nach dem jüngsten Fahrer, unterscheidet sich aber von Versicherung zu Versicherung. Vergleichen Sie also hier verschiedene Angebote!

(Redaktion)


 

 

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2 Kommentare

von Matthieu
26.11.15 14:29 Uhr
Gut!

Ich finde es gut, dass den Vergleichsportalen mal auf den Zahn gefühlt hat, denn so ganz sicher bin ich mir nämlich nicht, ob man denen so blindlings vertrauen kann.

von Andreas
04.12.15 14:37 Uhr

Ja, aber ich würde sowieso immer mehrere Portale miteinander vergleichen - ich denke, damit fährt man dann auch gut!

 

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