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  • 26.04.2011, 22:24 Uhr
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  • Rodenkirchen/Esenshamm
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25 Jahre Tschernobyl

Woodstock in der Wesermarsch

Anlässlich des 25. Jahrestages der verheerenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, hatte die Anti-Atomkraft-Bewegung bundesweit zu insgesamt 12 dezentralen Umzingelungungen von Atomkraftwerken und Atomanlagen aufgerufen. Zehntausende Menschen kamen. Auch in der Wesermarsch rund um das Atomkraftwerk Esenshamm wehte ein Hauch von Woodstock.

Obwohl die Ostermärsche am vorangegangenen Ostersamstag in diesem Jahr nur verhaltene Resonanz erfuhren, fanden im Schatten der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im Nordwesten etliche tausend Menschen - darunter auch viele Familien - den Weg zu den Reaktorstandorten Esenshamm, Grohnde und der Atomanreicherungsanlage im westfälischen Gronau.

Während man in Esenshamm über 5.000 Teilnehmer zählte, sprachen die  Verantwortlichen in Grohnde und in Gronau von ca. 15.000 Kundgebungsteilnehmern. Auch wenn die Polizei die Zahlen im Hinblick auf eigene Zählungen etwas relativierte, hatten alleine im Nordwesten Zehntausende den Weg zu den Kundgebungsorten gefunden.

Einzelne Anti-Atom-Gruppen wie in Oldenburg hatten u.a. Fahrradtouren zum Atomkraftwerk Unterweser im Landkreis Wesermarsch aufgerufen, in Bremen konnten Atomkraft-Gegner mit dem Passagierschiff MS Oceanis für 13 Euro auf der Weser gen Esenshamm reisen. Wiederum andere Teilnehmer reisten - traditionell - mit kreativ gestalteten Traktorkonvois an. Etliche Sonderbusse brachten am Ostermontag darüber hinaus an allen Standorten viele tausend Menschen zu den Kundgebungsorten. 

AKW-Umzingelung auch zu Wasser

Nach der zentralenm Kundgebung in Esenshamm umstellten Teilnehmer das AKW Unterweser getreu ihres Mottos "Esenshamm umzingeln" den reaktor. Während ein als Vogelschutzgebiet ausgewiesener Teil des umliegenden Geländes ausgelassen wurde, setzte sich die "Umzingelung" zu Wasser fort: dort hatten Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood die selbst gestalteten Segel auf der Kogge "Roland von Bremen" gehisst und bezogen so tatsächlich mit Windkraft Stellung gegen Atomkraft. Unter den wachsamen Augen der Besatzung eines großen Küstenschutzbootes drehte in der Nähe ein Schlauchboot mit Greenpeace-Anhängern gemeinsam mit Kanuten seine Runden über die Weser. Auch das Passagierschiff MS Oceanis nahm an der wasserseitigen Umzingelung teil.

Anders als die fröhliche Szenerie vermuten lässt, hat der Protest der Atomkraftgegner aber einen durchaus ernsten Hintergrund. Am 26. April 1986 war es im Atomreaktor von Tschernobyl im Zuge eines Experiments zu einem schweren Atomunfall gekommen, durch den große Mengen Radioaktivität in die Umwelt freigesetzt worden sind. Eine radioaktive Wolke bewegte sich daraufhin über den gesamten europäischen Kontinent und verseuchte ganze Landstriche radioaktiv. In Deutschland wurden in der Folge u.a. Spielplätze gesperrt und Sandkästen entleert. Auch Feldfrüchte mussten auf Äckern untergepflügt werden. Der Verzeher von Pilzen und Wild ist in einigen Regionen Deutschlands bis heute noch mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Woodstock ist noch nicht vorbei

Angesichts der Reaktorkatatstrophe im japanischen Fukushima hat das zuweilen verdrängte Thema Tschernobyl allerdings mehr denn je an Aktualität gewonnen. Atomkraftgegner fordern aktuell den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft. Technische Probleme und konkurrierende Interessenlagen von Energiewirtschaft und Politik behindern aber derzeit noch einen Atomausstieg. Im Zuge des Atommoratoriums der Bundesregierung und der Stilllegung mehrerer älterer Atomkraftwerke im Bundesgebiet, wird darüber hinaus derzeit Atomstrom aus dem Ausland importiert, was Manager deutscher Kraftwerksbetreiber zuweilen mit Unmut beobachten.

Die zahlreichen Atomkraftgegner gaben am Ostermontag allerdings mit einem Meer von gelben Fahnen zu verstehen, wo die Reise hingehen soll. Darauf zu sehen: die Anti-Atom-Sonne - bereits seit vielen Jahrzehnten ein Symbol der Bewegung. Zwar ist Strom ohne Atomkraft bislang nur eine vage Vision. Mit Träumen beginne die Realität, sagte allerdings mal der Buchautor und Automobilmanager Daniel Goeudevert.  Tatsächlich sind Windräder und Solaranlagen im Laufe der Jahrzehnte mit steigender Leistung zu Land wie zu Wasser bereits Alltag geworden. Nicht zuletzt auf Drängen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Nur die Speicherung der schwankenden Strommengen aus Wind und Sonne erfordert womöglich noch das ein oder andere Woodstock.

(Red. / oy)


 


 

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