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PR-Schlacht

Wiesenhof wehrt sich mit einstweiliger Verfügung gegen Boykottaufrufe

Über seine Kommunikationsagentur in Gauting bei München ließ das Unternehmen Wiesenhof (PHW-Gruppe) aus Rechterfeld (Landkreis Vechta) nun mitteilen, dass man gegenüber der Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) mit Sitz in Deutschland eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg erwirkt habe. Hintergrund sind neben der Kritik der Tierrechtsorganisation insbesondere Boykottaufrufe beim Handel.

Konkret wehrt sich das Unternehmen mit dem einstweiligen Rechtsschutz dagegen, dass die Organisation PETA gegenüber den Medien die Behauptung aufstellt, bei Wiesenhof herrschten extrem tierquälerische Zustände und dies die Art und Weise sei, wie das Unternehmen generell geführt werde. Die Tierschützer hatten vor Wochen ein Video von einer Farm des Unternehmens in Twistringen (landkreis Diepholz) verbreitet, in dem die gezeigten Hühner von Mitarbeitern und Impftrupps in Kisten geworfen und selbst die Kisten getreten und geworfen wurden. 

Gemeinsamer Protest

Während sich der Deutsche Tierschutzbund im Februar 2009 gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" noch dahingehend äußerte, dass der Senior-Chef  der PHW-Gruppe, (Paul-Heinz Wesjohann),  "keiner der Schlimmen" sei und sich zumindest an Standards halte, stellen sich die Tierschützer aktuell hinter die Kollegen der Organisation PETA und haben parallel eine eigene Kampagen gegen die Intensivhaltung von Masthühnern gestartet. Gemeinsamkeit beider Organsationen. Die Kampagnen gegen Wiesenhof wurde im zeitlichen Umfeld der Internationalen Grünen Woche, der größten Agrarmesse der Welt, gestartet. Folge: Man wurde samt der Aktion zum Messegespräch.

Tierschützer kommunizieren professionell

Professionelle PR - zuvor eigentlich eine Domäne der Wirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr auch von Nichtregierungsorganisationen in in Beschlag genommen worden. Ähnlich wie beim Absatz von Schokoriegeln und Autos geht es bei den gemeinnützigen Organisationen aber häufig um den Absatz eines Ideals. Zwar wird kaum ein Bundesbürger behaupten, nach dem aktuellen Skandal den Radikalwandel hin zum Veganer vollziehen zu wollen, wie es beispielsweise PETA fordert, jedoch konnte die Organisation einen medialen Konsens darüber schaffen, dass die Praktiken in der gezeigten Aufnahmen aus der Twistringer Hühnerfarm verwerflich sind. 

Problematisch dürfte für Wiesenhof vor allem sein, dass sich die Kommunikation der Tierschützer soweit professionalisiert hat, dass man - einmal abgesehen von verbalen Entgleisungen - pr-technisch kaum etwas dagegen ausrichten kann, wie einst gegen Einzelpersonen oder Bürgerinitiativen, die weitestgehend von Idealismus geprägt waren, aber nicht gegen die PR-Maschinerie der großen Unternehmen ankamen.

Zwar gab es von Seiten der PHW-Gruppe Vorwürfe, dass Morddrohungen bei den Wiesenhof/PHW-Inhabern eingegangen seien, jedoch entwertete PETA kurz darauf die Vorwürfe, indem es die Klagen über Morddrohungen als PR-Abwehrstrategie der PHW-Gruppe  einordnete, um Wiesenhof öffentlich als Opfer darzustellen und Sympathien zu gewinnen. Der große Aufschrei zu Gunsten von PHW blieb aus.

Unternehmen geht juristisch gegen Boykottaufruf vor

Auch hatte PETA offensichtlich Unternehmen angeschrieben, die zu Wiesenhof/PHW Geschäftsbeziehungen unterhalten und ihnen nahe gelegt, ihre Verbindungen zum Unternehmen zu überprüfen. Damit hatten die Tierschützer allerdings den Bogen überspannt und handelten sich eine einstweilige Verfügung ein, die es den Tierschützern vorläufig verbietet, direkt oder indirekt zum Boykott der Wiesenhof-Produkte aufzurufen. Beide Seiten überziehen sich mit Klagen. Wiesenhof fühlt sich zu unrecht als "extrem tierquälerisch" (O-Ton PETA-Erklärung) dargestellt.

Veganer, Massentierhaltung und Neuland-Haltung

Dass der Konsument selbst durch sein Kaufverhalten Massentierhaltung begünstigt, ist dabei nur ein Nebenaspekt. Schließlich ist die PHW-Gruppe aus Rechterfeld nicht durch mangelnden Absatz groß geworden. Beim Unternehmen werden in jedem Jahr Hühner in dreistelligem Millionenumfang geschlachtet, um den Markt zu bedienen. Und das sind Millionen Menschen. Eine Massentierhaltung ist damit Teil des Betriebsablaufs.

Bislang blieb das Unternehmen aber von Fleischskandalen verschont und konnte mit der Marke Wiesenhof ein vertrauensvolles Verhältnis zu Endkunden und dem Einzelhandel aufbauen. Das gelingt nicht jedem Unternehmen. Angesichts der aktuellen Kampagne machen die  Tierschutzorganisationen dennoch in eigener Sache Stimmung für Alternativen: Sie fordern den Kauf von Fleisch aus artgerechter "Neuland"-Haltung.

Derweil sollen die Mitarbeiter, die die Hühner in konventionellen Mastbetrieben einfangen, nachgeschult werden. Auch ein Treffen im Landwirtschaftsministerium in Hannover hat es gegeben. Wiesenhof/PHW bleibt deshalb aktuell gar nichts anders übrig, als neue Maßstäbe für die gesamte Branche zu setzen. 

(Redaktion)


 


 

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2 Kommentare

von Bindu
17.02.10 15:58 Uhr
Wiesenhof

Ob Wiesenhof oder andere Namen...alles eine einzige Fleischmafia!
Hier wird mit dem Leid der Tiere nur Geld verdient! Und den Richtern ist das sowieso egal!

von Antonietta
18.02.10 11:48 Uhr
Größer - schneller - billger:

Nur fünf Wochen Lebenszeit werden einem Masthähnchen zugestanden. Ein Quadratmeter ist der gesamte Lebensraum für 25 Tiere. Bis zu 8 Prozent, das sind jährlich rund 3 Millionen Tiere, sterben bereits während der Mast. Die Schlachtung bei völlig unzureichender Betäubung im Elektrobad beendet ein elendes Leben voller Qualen.

 

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