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Wilhelmshaven

Marke für Region als Schlüssel zum Erfolg

Lies fordert von Wirtschaft interkommunale Wirtschafts-förderung für Region - 350 AWV-Mitgliedsunternehmen fordern vom Land Masterstudiengang Wirtschaft im Wilhelmshaven

Im Zeichen des wenige Stunden zuvor entschiedenen Brexits trafen sich der Vorstand samt Hauptgeschäftsführung des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes Jade e.V. zu einem Austausch mit Olaf Lies, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Ohne die ersten Reaktionen, wie Kursstürze an den Börsen überbewerten zu wollen, erschien es schwer möglich, die sich aus dem Brexit tatsächlich eintretenden Folgen abschließend abzusehen. Vorstandsmitglied Stefan Flenker (Premium Aerotec) wies auf die in seinem Konzern mit zwei Werken in Großbritannien nun wartenden Herausforderungen hin, die es zu sondieren gelte. Olaf Lies stellte klar, dass es Alternativinstrumentarien zur EU-Mitgliedschaft von Großbritannien gäbe, um die Handels- und Reisebeziehungen weitgehend auf jetzigem Stand zu halten. In Betracht kämen Freihandelsabkommen, wie sie schon zu Norwegen oder der Schweiz bestünden. Lies warnte jedoch davor zu schnell zu diesen den Austritt quasi noch belohnenden Möglichkeiten zu greifen, um sowohl Großbritannien, aber auch generellen Europakritikern die Folgen eines EU-Austritt deutlich vor Augen zu führen. Bei allem Verständnis gerade für die Wirtschaft und deren Bedürfnis nach schnellst möglicher Planungssicherheit warb Lies für Geduld. Politik brauche nun Zeit, um die außen- und europapolitischen Gestaltungsmöglichkeiten sorgfältig nutzen zu können – ohne rasanten Handlungsdruck aus der Wirtschaft. AWV-Präsident Tom Nietiedt brachte ebenfalls sein Bedauern über die Entscheidung der Engländer zum Ausdruck, bewertete die sich für den regionalen Mittelstand einstellenden Folgen als überschaubar ein. Jedoch würde es definitiv eine Veränderung der Rahmenbedingungen für exportintensive Unternehmen geben, abhängig von dem zukünftigen EURO-Kurs bzw. sofern relevant, vom Wert des englischen Pfunds.

Lies und Nietiedt waren sich mit den Anwesenden einig, dass in Anbetracht der zunehmend einflussnehmenden Globalisierung es entscheidend für die hiesigen Unternehmen und Region sei, sich zukunftsorientiert und attraktiv darzustellen. Zwar würden in der Region hervorragende Ansiedlungsbedingungen, wie der Jade-Weser-Port samt hervorragender Verkehrsinfrastruktur, im internationalen Vergleich sehr große und ausreichend verfügbare Ansiedlungsflächen vorhanden sein, eingebettet in einer Region, die Lebensraum dort bietet, wo andere Urlaub machen. Darüber hinaus habe man eine innovative Jade-Hochschule. Gleichzeitig fehle es nach wie vor an einer diese Merkmale ganzheitlich umfassenden Marke für die Region. Vor allem aber mangele es an einer kompetenten regionalen Wirtschaftsförderung, die in der Lage sei die Region zu vermarkten und internationalen Investoren auf „Augenhöhe“ zu begegnen und bei Ansiedlungswillig zum Erfolg zu führen. Die in diesem Zusammenhang – auch innerhalb der Jadebay – geführten Diskussionen der verantwortlichen Akteure würden in Anbetracht der Globalisierung als kirchturmorientierte Kommunalfolklore, innerhalb derer vor allem keiner etwas abgeben wollte, anmuten, die nur Einheimische als „normal“ bewerten würde. Lies motivierte die anwesenden einen von der Politik unabhängigen Vorschlag zu unternehmen und verwies auf den Erfolg der EMS-ACHSE, die von der Wirtschaft und losgelöst von der Politik initiiert worden sei.

Als ebenfalls für die Region von zentraler Bedeutung wurde mit dem als kooptiertes Vorstandsmitglied auch anwesenden Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des Sozialausschusses, Holger Ansmann die Situation der regionalen Gesundheitsinfrastruktur, insbesondere der Krankenhäuser diskutiert. Ansmann verwies auf die erfolgreich ins Leben gerufene Gesundheitsregion und wies mit Blick auf die Wilhelmshavener Krankenhausneubaupläne auf die sehr gute finanzielle Situation hin, die sich durch die zusätzlich vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel ergeben hätte. In Anbetracht der Neubaukosten von aktuell rund 160 Mio. EURO wäre der Anteil von 100 Mio., den das Land zu übernehmen bereit sei, somit gesichert. Den sich daraus ergebenden Eigenanteil von 60 Mio. für die Stadt Wilhelmshaven nahmen die anwesenden Unternehmer zum Anlass, um ihre Forderung nach einer verbindlichen Versorgungsabstimmung der Krankenhäuser Wilhelmshaven und Sanderbusch/ Varel wiederholt zu bekräftigen. „60 Mio. zzgl. weiterer millionenschwerer Infrastrukturmaßnahmen, die im Zuge des Neubaus erforderlich sein werden, summieren sich schnell zu einem erheblichen Gesamtbetrag, den unsere Stadt Wilhelmshaven aus eigener Kraft stemmen muss. Um dieses Investment zum Erfolg für die Stadt und Region zu führen, benötigen wir einen belastbaren Business Case. Dieser setzt aber eine verbindliche Abstimmung mit den umliegenden Krankenhäusern voraus, um jedwede Form von Verdrängungswettbewerb schon im Keim auszuschließen. Da wir ausschließlich über Steuergelder sprechen, gebietet dies schon die volkswirtschaftliche Verantwortlichkeit.“, so AWV-Präsident Tom Nietiedt. „Uns als Unternehmer werden bei Zuschüssen verbindliche Auflagen gemacht, an die wir uns halten. Gleiches erwarten wir bei dem Krankenhausneubau.“ so Nietiedt weiter. Die sich aufdrängende Frage, wie es um die bisherige Abstimmung zwischen dem Klinikum Wilhelmshaven und Sanderbusch/ Varel bestellt sei, beantwortete AWV-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch, Frank Germeroth dahingehend, dass es bislang an der auch von der Sozialministerin Rundt geforderten Abstimmung mangele. Gleichzeitig betonte Germeroth, dass er zu Gesprächen mit den Wilhelmshavenern jeder Zeit zur Verfügung stünde. Als anzustrebende Zukunftsvision für die Region bezeichneten die AWV-Vertreter eine Zusammenführung vom Klinikum Wilhelmshaven und Sanderbusch/ Varel unter dem Dach einer gemeinsamen Holding.

Abschließend waren sich Minister Lies und AWV-Vertreter einig, welche besondere Bedeutung der Jade-Hochschule als regionalem Leuchtturm zukäme. Als unerträglich bezeichneten AWV-Vorstand und Hauptgeschäftsführung, dass es nach wie vor an den Masterstudiengängen „Strategische Management“ und „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ im Fachbereich Wirtschaft am Standort Wilhelmshaven fehle. „Dies schreckt viele interessierte Studierende ab, die aktuell nur ihren Bachelor hier in Wilhelmshaven machen können. Selbst wenn sich die Studierenden entschließen hier in Wilhelmshaven ihr Studium zu beginnen, zwingen wir sie zum Wechsel an einen anderen Studienort, um dort ihrem Master zu machen und verlieren sie als wichtige Fachkräfte für unsere Region.“, so AWV-Präsident Nietiedt wörtlich. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen überreichte AWV-Präsident Tom Nietiedt dem Wirtschaftsminister nachrichtlich einen Letter of Intent, indem die Mitwirkungsbereitschaft an der Etablierung eines Masterstudienganges manifestiert wird, stellvertretend für den rund 350 AWV-Mitgliedsunternehmen der Region.

Wirtschaftsminister Lies und der AWV vereinbarten sich zukünftig halbjährlich auszutauschen

(Redaktion)


 


 

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