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DIW erhöht Wachstumsprognose auf 3,2 Prozent

Die Arbeitnehmer ernten jetzt die Früchte des weiterhin kräftigen Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hob seine Konjunkturprognose am Mittwoch an und erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von 3,2 Prozent, eine halbe Million mehr Erwerbstätige und eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,4 Prozent.

Von Roland Losch

Auch im nächsten Jahr werde die Wirtschaft mit 1,8 Prozent immer noch ordentlich zulegen, und die Arbeitnehmer könnten sogar eine Lohnerhöhung von 2,8 Prozent und damit "endlich mal wieder eine spürbare Reallohnsteigerung" erwarten, sagte der DIW-Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup am Mittwoch in Berlin. Zugleich sinke die Zahl der Arbeitslosen auf 2,97 Millionen in diesem und 2,85 Millionen im nächsten Jahr.

Binnennachfrage wächst

Motor des Aufschwungs blieben die Exporte. "Doch auch von den inländischen Investitionen gehen starke Impulse aus", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. "Die Wachstumsdynamik schwächt sich zwar ab, steht aber auf einer zunehmend breiteren Basis. Denn aufgrund der günstigen Arbeitsmarktlage und steigender Löhne dürfte der Aufschwung mehr und mehr auch beim privaten Konsum ankommen."

Im Mai legte die Inlandsnachfrage um 11,3 Prozent zu - die inländische Nachfrage nach Investitionsgütern schoss sogar um 20 Prozent hoch -, während die Auslandsnachfrage um 5,8 Prozent schrumpfte. Unter dem Strich legten die Aufträge um 1,8 Prozent zu, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Der Aufwärtstrend sei intakt, so dass auch die Perspektiven für die Industrieproduktion günstig blieben.

Den größten Bestellzuwachs verbuchten die Hersteller von Investitionsgütern mit einem Plus von 2,4 Prozent. Die Nachfrage bei den Zulieferern erhöhte sich um 1,6 Prozent. Die Auftragseingänge für Konsumgüter gingen dagegen im Mai um 1,5 Prozent zurück.

Exportindustrie profitiert von Hightech- Kompetenz

Die Abkühlung der Weltwirtschaft werde die deutsche Exportindustrie weniger stark treffen, sagte der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung. Die USA litten zwar zunehmend unter ihren Strukturproblemen, die japanische Wirtschaft schrumpfe, in China gingen die Wachstumsraten auf acht Prozent zurück, Italien und Spanien stagnierten. Aber die deutsche Wirtschaft profitiere von der Spezialisierung auf hochwertige Industriegüter, die von wachstumsstarken Schwellenländern kräftig nachgefragt würden.

Steuersenkungen lehnte das DIW ab. "Jetzt die Steuern zu senken, ist angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung, der Vorgaben der Schuldenbremse, aber auch angesichts zukünftiger Belastungen zum Beispiel für die Euro-Rettung oder die Energiewende kaum zu verantworten", sagte Fichtner. Das öffentliche Defizit werde dieses Jahr zwar auf 1,7 Prozent halbiert und nächstes Jahr auf 0,9 Prozent sinken. Aber "die Verbesserungen des Staatshaushalts sind fast nur der guten Konjunktur zu verdanken. Die Politik hat bisher durch Konsolidierungen nur sehr wenig beigetragen", erklärte Fichtner.

In der Eurozone insgesamt geht der Aufschwung abgeschwächt weiter. Nach einer Gemeinschaftsprognose des Münchner Ifo-Instituts mit dem französischen Insee- und dem italienischen Istat-Institut steigt die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,0 Prozent. Der private Konsum in der Eurozone wachse um 0,9 Prozent, die Investitionen legten um 3,0 Prozent zu.

(dapd )


 


 

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