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Asbeck warnt vor Pleitewelle

Marktführer Solarworld rutscht tief in die roten Zahlen

Über der deutschen Solarbranche ziehen sich dunkel Wolken zusammen: Selbst der als besonders krisenfest geltende Marktführer Solarworld schreibt rote Zahlen. Unternehmensgründer Frank Asbeck rechnet wegen der geplanten Subventionskürzungen nun mit einer "Pleitewelle".

Von Erich Reimann

Das von Asbeck gegründete Unternehmen Solarworld gilt als eines der solidesten der Branche. Es macht inzwischen mehr als zwei Drittel seines Umsatzes im Ausland. Dennoch schockierte der Konzern die Anleger am Donnerstagabend mit hohen Verlusten.

Hatte Solarworld 2010 noch ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 193 Millionen Euro erwirtschaftet, so machte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 233 Millionen Euro. Ausschlaggebend seien vor allem Wertberichtigungen auf technologisch überholte Produktionsanlagen in einem Gesamtvolumen von rund 313 Millionen Euro gewesen, teilte das Unternehmen mit. Doch auch bereinigt um diese Sondereffekte brach das operative Ergebnis ( Ebit ) um fast 90 Prozent auf rund 24 Millionen Euro ein.

Der Umsatz des Konzerns sank wegen der globalen Überkapazitäten und des damit verbundenen Preisverfalls um fast 20 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Die Menge der abgesetzten Wafer und Solarmodule schrumpfte um rund drei Prozent auf 794 Megawatt.

Die Solarworld- Aktie verlor angesichts dieser Zahlen bis zum Freitagnachmittag mehr als neun Prozent an Wert. Seit Wochenbeginn summieren sich die Verluste damit auf rund 20 Prozent.

Asbeck sieht Zehntausende Stellen gefährdet

Firmengründer Asbeck befürchtet durch die von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) in dieser Woche angekündigten Subventionskürzungen eine Pleitewelle in der Branche. Der Umfang der geplanten Einschnitte sei viel zu groß, sagte der Solarworld Gründer dem "Handelsblatt". "Wir werden einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen sehen. Zehntausende von Stellen stehen auf dem Spiel", erklärte Asbeck.

Die vorgestellten Kürzungspläne seien nicht nachvollziehbar, sagte der Unternehmer. "Mit dem zu erwartenden Markteinbruch werden 30 Jahre Forschung und 15 Jahre Industriegeschichte ohne Not geopfert." Die Industrie könne die Kosten nicht einfach so um 30 Prozent kürzen. Die Branche haben den Fehler gemacht, aufrichtig zu sagen, welche Kürzungen sie mitgehen können. "Da hat die Politik einen draufgesattelt und versetzt uns jetzt den Todesstoß", sagte Asbeck.

Schützenhilfe bekommt der Unternehmer von der Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert. "Insbesondere die einmaligen Kürzungen sind nicht notwendig, auch macht es wenig Sinn, die vergütete Menge zu begrenzen", sagte sie. Eine Kürzung sei zwar sinnvoll, aber sie komme zu schnell und falle zu hoch aus.

Nach monatelangen Ringen hatten sich Röttgen und Rösler in dieser Woche darauf verständigt, die Förderung der Photovoltaik um fast ein Drittel zu senken. Durch die Anpassung will die Bundesregierung den zuletzt stürmischen Ausbau der Solarenergie in Deutschland bremsen, um die EEG-Umlage für die Stromverbraucher stabil halten zu können.

In der Bundesrepublik gingen nach vorläufigen Berechnungen der Bundesnetzagentur 2011 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von rund 7.500 Megawatt neu ans Netz, so viel wie nie zuvor. Eigentlich sollte sich der Ausbau zwischen 2.500 und 3.500 Megawatt bewegen.

(dapd )


 


 

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