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EZB wird zum Geld-Parkplatz

Zwischen der Zentralbank und den Banken schwappen Milliarden Euro hin und her

Der EZB-Rekordkredit von fast 500 Milliarden Euro für die europäischen Banken kommt bislang nicht in der notleidenden Wirtschaft der Eurozone an. Am Dienstag veröffentlichte Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, dass die Banken das viele Geld derzeit lieber über Nacht bei der Zentralbank parken, als es an Haushalte, Unternehmen oder andere Banken zu verleihen. Das war eigentlich nicht die Absicht, die hinter der Geldschwemme stand.

Von Roman Keßler

Das Geld schwappt hin und her. Über das Weihnachtswochenende hatten die Banken die Rekordsumme von 412 Milliarden Euro auf ihren Konten bei der EZB, die als Bank der Banken fungiert, hinterlegt. Das war deutlich mehr als der bisherige höchste Pegelstand, der mit 384 Milliarden Euro vor eineinhalb Jahren erreicht worden war. Für die Banken ist das fast kostenlos. Sie erhalten zwar nur ein Viertel des EZB-Ausleihesatzes von einem Prozent als Zins zurück - gewinnen damit aber Zeit, weil die Einlage nur wenige Tage läuft, die Rekordausleihe aber bis zu drei Jahre.

"Die Banken müssen sich jetzt erstmal überlegen, was sie mit dem vielen Geld machen", sagte ein Frankfurter Geldhändler. An den ruhigen Tagen zwischen den Jahren werde stark auf die Bilanz geachtet und "unnötige Risiken vermieden". Außerdem sei Urlaubszeit.

Damit die Liquidität wenigstens zwischen den Jahren nicht weiter hin und her gebucht werden muss, hat die EZB den Banken angeboten, das Geld bis zum 4. Januar festzulegen. Rund 100 Banken nahmen dieses Angebot an und platzierten 211 Milliarden Euro. Für die Banken war das Angebot auch deshalb attraktiv, weil sie bei diesem Geschäft durchschnittlich mehr als das Doppelte für die Einlagen bekommen.

Weil die Banken aber langfristig Geschäfte machen wollen, werden sie das Geld im kommenden Jahr zu höheren Zinssätzen verleihen, wie ein weiterer Händler sagte. Dann wäre auch die EZB zufrieden, weil sie mit der Geldschwemme nicht nur die Banken, sondern auch die Realwirtschaft erreichen wollte. Zum Vergleich: Beim Kauf einer Eigentumswohnung in Berlin verlangen die Banken derzeit um die drei Prozent Zinsen.

(dapd )


 


 

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