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  • 06.08.2009, 09:58 Uhr
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  • Herzogenrath/Oldenburg
Schalke-Hymne

Zentralrat ruft zum Lachen mit dem Propheten auf

Nach der Aufregung um das Fanlied des Fußballvereins FC Schalke 04, die nach der Mordtat von Dresden auf eine Muslimin auch einen ernsten Anlass hat, positionierte sich der Zentralrat der Muslime (ZMD) nun deutlich gegenüber den Scharfmachern: Das Schalke-Fanlied sei weder Blasphemie noch stelle es eine Verhöhung des Propheten Mohammed dar.

Viele Muslime seien seit dem Mord an der Muslima Marwa El-Scherbini in Dresden schlichtweg verunsichert und bei einigen lägen die Nerven dementsprechen blank, heißt es seitens des ZMD. Scharfmacher hätten deshalb leichtes Spiel und instrumentaliserten nun das Schalke-Lied. Innerlich koche dann zusätzlich die Verägerung darüber hoch, dass man im Alltag nicht wirklich respektiert und wie Aussätzige behandelt werde. Da käme die Hymne im verkehrten Licht betrachtet einigen gerade recht, erklärt Aiman A. Mazyek vom ZMD. Diese Vorgehensweise werde jedoch dem Opfer in Dresden nicht gerecht und rechtfertige auch nicht die Sommerloch-Posse auf Schalke

ZMD: Prophet lebte tatsächlich vor der Erfindung des Fußballs

"Wir sollen unseren Humor bei all dem nicht verlieren: Eine Fußballhymne, die auch aus muslimischer Sicht nichts Falsches widergibt: Sie erwähnt den muslimischen Propheten, und dass er vom Fußball nichts verstehen konnte, liegt in der Natur der Sache. Er lebte nämlich lange vor der Erfindung des Fußballs. Der Prophet hätte darüber wahrscheinlich zustimmend gelacht", so Aiman A. Mazyek vom ZMD.

Fußballverein soll Gespräch mit Muslimen suchen

Dennoch solle die Schalker Führung das Gespräch mit den Muslimen suchen, so Mazyek weiter. Nicht zuletzt, um die Spannung aus der Sache zu nehmen und im Interesse tausender türkischer Fans und aktiven Spieler. Auf Schalke werde seit Jahren erfolgreich Integrationsarbeit geleistet, hebt der ZMD ausdrücklich hervor. Schalkes Führung könne also auf die Irritation, die sich nicht zuletzt durch manch schiefe Berichterstattung in den Medien und durch die Polemik einiger muslimischer Blogger ergeben habe, selbstbewusst eingehen.

„Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht, doch aus all der schönen Farbenpracht, hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.”
(Passage aus dem Schalke-Fanlied von 1963)

Leiter des Islam-Archivs bekennt sich: ich habe mitgesungen

Salim Abdullah, Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland in Soest, und nach eigenen Angaben selbst begeisterter Schalke-Fan, hat gegenüber dem Online-Portal "islam.de" erklärt, dass er das Schalke-Lied auch selbst häufig mitgesungen habe. Für Abdullah sei dies kein Grund zur Aufregung - im Gegenteil: „Mir geht das Herz auf, wenn ich höre, wie der Prophet aus 30.000 Kehlen gelobt wird.”, erklärte er kürzlich in einer Zeitung.

Schalke-Hymne geht auf Jägerlied von 1797 zurück

Die Schalke-Hymne geht nach Angaben des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg auf das Jägerlied "Lob der grünen Farbe" zurück, das Ludwig Karl Eberhard Heinrich von Wildungen bereits 1797 geschrieben hatte. Da heißt es in der vierten und fünften Strophe: "Mahomed ist mein Patron! / Aechte Schönheit kannt' er schon; / Er, dem aus der Farbenschaar / Nur die grüne heilig war. // Leben soll er, Herr Prophet, / Der auf Farben sich versteht! ..." "In dem Lied wird alles Grüne gelobt, auch der heilige Prophet Mohammed, dessen Farbe Grün ist", erläutert Barbara Boock vom Deutschen Volksliedarchiv. Wildungens Lied sei bis heute sehr beliebt und wurde über die Jahre hinweg immer wieder umgetextet, auch von vielen Schützen- und Fußballvereinen, darunter Schalke 1963. Ein Fußballverein singt heute übrigens noch die (richtige) Originalstrophe, dies sei der SV DJK Unterspiesheim e. V.

(Redaktion)


 


 

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