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Marion Lemper-Pychlau: Selbstmotivierung hat ihre Grenzen

Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen erkennen, dass beständiges Motivieren der Qualität der Arbeit im Wege steht

Marion lemper-Pychlau

Wohl niemand freut sich sonntags darauf, dass das Wochenende bald zu Ende geht und am Montagmorgen die Arbeit ruft. Warum aber ist das so? Warum müssen sich die meisten Menschen aus dem Bett quälen, wenn der Wecker klingelt, anstatt gut gelaunt und voller Tatendrang in den neuen Tag zu starten? Arbeit scheint etwas zu sein, zu dem man sich regelmäßig motivieren muss. Selbstmotivation aber ist nicht immer die beste Lösung, wenn es darum geht, gute Leistungen zu bringen: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen endlich erkennen, dass Selbstmotivation ihre Grenzen hat und der Qualität der Arbeit mitunter sogar im Wege steht.

Selbstmotivierung gehört zu den großen Selbstverständlichkeiten im beruflichen Alltag. Die meisten Menschen sind inzwischen so gut darin geübt, sich selbst anzutreiben, dass sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, wie häufig sie sich im Laufe eines Tages zusammenreißen müssen. Sie tun es ganz automatisch – einfach, weil sie es so gewohnt sind, weil es vernünftig erscheint und im Job wohl auch erwartet wird. Selbstmotivierung gehört für viele einfach zum Leben dazu. 

Aber macht sie auch immer Sinn? Den meisten Menschen ist wahrscheinlich nicht einmal bewusst, warum sie sich in einer gegebenen Situation überhaupt so bereitwillig zu einer bestimmten Handlung überwinden. Die täglichen Herausforderungen werden nicht selten als Schinderei empfunden, aber trotzdem nicht hinterfragt. So passiert es mitunter, dass man sich den ganzen Tag hindurch von einer Tätigkeit zur nächsten motiviert – nur, um abends völlig erschöpft auf dem Sofa zu sitzen. Welche Beweggründe sind es, die einen dazu antreiben, sich selbst derart zu peitschen? Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: In erster Linie ist es Angst, die die Menschen tatsächlich motiviert. Sie ist es, die hinter all der Selbstüberwindung und der mühseligen Selbstmotivierung steckt.

Wer im Job nicht funktioniert, wie es von ihm erwartet wird, zieht sich nicht nur den Unmut seiner Umgebung zu – er könnte schlimmstenfalls sogar seine Arbeit verlieren. Wer sich nicht brav anpasst, fällt unangenehm auf und handelt sich mitunter Ärger mit seinem Vorgesetzten ein. Im beruflichen Alltag motivieren sich die Menschen also im Laufe des Tages sehr oft, um ungeliebte Dinge tun zu können, weil sie ganz einfach Angst haben vor dem, was andernfalls passieren könnte. Angst aber darf nicht zum wichtigsten Motor des Handelns werden. Gedankenlose Selbstüberwindung stellt eine äußerst fragwürdige Gewohnheit dar – auch, weil die Fähigkeit zur Selbstmotivation insgesamt nur begrenzt zur Verfügung steht. Ist die Kraft einmal verbraucht, übernimmt der innere Schweinehund die Regie. Sobald das passiert, werden wir zum Spielball unserer Impulse und haben uns selbst nicht mehr im Griff.

Die Fähigkeit, sich selbst zu ungeliebten Tätigkeiten zu motivieren, ist also eine begrenzte Ressource. Willenskraft steht uns nur in beschränktem Umfang zur Verfügung, was wiederum bedeutet, dass wir sehr bewusst damit umgehen sollten. Man sollte sich also nicht zu bereitwillig zu Dingen motivieren, die man im Grunde nicht tun will – und schon gar nicht zu solchen, die man generell für unsinnig erachtet.

Niemand kann es sich leisten, seine Willenskraft an Tätigkeiten zu verschwenden, die es nicht wert sind – auch, wenn er damit vielleicht eine Diskussion mit seinem Vorgesetzten provoziert. Ganz im Gegenteil: Ein Gespräch über die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit oder Verbesserungsvorschläge zum Arbeitsablauf sind vielleicht nur ein einziges Mal nötig, um sinnvolle Veränderungen anzustoßen. Tatsächlich gibt es zu viele wirklich bedeutsame Dinge im Leben, die Selbstmotivierung erfordern, als dass man diese verschwenden sollte.
Wer sich bei der Arbeit ständig selbst motivieren und überwinden muss, arbeitet zudem nachgewiesener Weise schlechter. Seine Energie fließt in die Willenskraft, anstatt der Leistung zugute zu kommen. Es kann deshalb nicht im Interesse des Arbeitnehmers liegen, sich zu sehr zu einer Tätigkeit motivieren zu müssen – aber auch nicht im Sinne des Arbeitgebers. Viel klüger wäre es wohl, die Angst, die zur Selbstüberwindung zwingt, durch Arbeitsfreude zu ersetzen.

Wie dies gelingen kann, erklärt die Expertin für Arbeitsfreude Marion Lemper-Pychlau in ihrem neuen Buch „Jeder Job kann glücklich machen“. Weitere Infos zur Autorin und dem Buch gibt es hier.

 

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