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Wuppertals bröckelnde Verkehrswege

Täglich spielt man Schlagloch-Bingo und Bauschacht-Yenga. Wer sonst noch so in Wuppertal jongliert und warum 2,1 Millionen Euro doch nur ein schwacher Trost sind.

Johnnes Rothenhagen

Die Hauptverkehrsstraße in Wuppertal – der so genannte Döppersberg – ist seit dem Sommer dieses Jahres gesperrt, ohne Umleitungen und ohne ein Ende in Sicht. Grund für die Sperrung ist die marode Bausubstanz vieler Fassaden, Betonbrückenpfeilern und Straßendecken. Die Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (IHK) warnt, dass der Verfall der Verkehrsinfrastruktur mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen hat, dass der Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen – und damit auch die Wirtschaftsregion Bergisches Städtedreieck – in Gefahr gerät.

Unterfinanzierung

Wie viele andere Städte kann Wuppertal gerade einmal die nötigsten Kosten stemmen, die für Unterhaltung und Erneuerung anfallen. Bis 2030 müssen etwa an 6000 NRW-Brücken schwere Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen vorgenommen werden. Kostenpunkt: 145 Millionen Euro für die 14 Kommunen des Städtetages jährlich – angesichts der Haushaltslage für die meisten eine horrende Summe. Die große Kooperation in Wuppertal hat gerade 2,1 Millionen Euro für Straßensanierungen bewilligt, in Zeiten klammer Haushaltslage ein Balanceakt zwischen anderen dringenden Punkten wie der Schulsozialarbeit und Kulturinvestitionen.

Bereits 2012 hatte die vom Bund beauftragte Daehre-Kommission festgestellt, dass jährlich 7,5 Milliarden Euro in Bund, Ländern und Kommunen für die Instandhaltung der Infrastruktur fehlen.  

Einige Lösungsansätze

  • Wo etwas aufplatzt, wird, wenn es die Kassen zulassen, nur provisorisch und möglichst günstig drüber geklebt. Wenn das Geld fehlt, bleibt oft nur ein Tempolimit als Hilfsmittel gegen zu schnellen Verschleiß.  
  • An der Bergischen Universität wird derweil an einem alternativen Straßenbelag gearbeitet, der genauso teuer, dafür aber langlebiger ist, weil ihm Temperaturschwankungen nichts ausmachen.  
  • Oberbürgermeister Peter Jung und die IHK fordern, Gelder nach Dringlichkeit zu verteilen, und dass alle Möglichkeiten zur Umschichtung im Bundeshaushalt sowie Einsparmöglichkeiten genutzt werden. Der Staat stecke jährlich nur etwa ein Fünftel der vom Kfz-Verkehr durch Steuern eingebrachten Gelder wieder in die Sanierung der Verkehrswege.  
  • Gut befahrbare Verkehrswege sind ein entscheidender Faktor, wenn es um die Standortsuche eines Betriebes geht. Doch es geht längst nicht mehr nur um die Unternehmen: Die gute Infrastruktur sollte Menschen vor allem aus dem reicheren Düsseldorfer Umland nach Wuppertal locken. Interessierte Wunsch-Wuppertaler werden sich nicht von einigen Schlaglöchern abhalten lassen – vielleicht aber von negativer Presse rund um Bauverzögerungen, gesperrte Tunnel und Brücken und Massenstaus rund ums Tal.  
  • Die erfreulichste Nachricht ist die Nordbahntrasse: Anstatt Brachland wuchern zu lassen, wurde eine grüne Ader gezogen, die Stadteile verbindet und Menschen zu Spaziergängen und Sport hervorlockt. 

Doch es ist nur ein Beispiel von Widerstand gegen die Zeit und die bröckelnden Industriemaßnahmen. Was bleibt, ist die Frage, was gegen den Verfall getan wird. Warten wir ab, noch ein Jahr, noch zwei, um dann der Tatsache ins Auge zu sehen, dass nur Löcher im Teppich geflickt werden? Mögliche Lösungsansätze jedenfalls gibt es. Jetzt müssen sie ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Gekürzte Fassung. Den vollständigen Artikel finden Sie in der Wuppertaler Wochenzeitung talwaerts. Immer freitags für 1,90 Euro überall, wo es Zeitschriften gibt und für 8,90 Euro im Monatsabo: www.talwaerts-zeitung.de

 

Esther Brandt

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