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Lokale Wirtschaft

Das Rheinland ist mit Paris und London auf Augenhöhe

Das Rheinland mit seinen rund 8,6 Mio. Bewohnern verfügt über eine überdurchschnittlich hohe Kauf- und eine enorme Wirtschaftskraft, einzigartige kulturelle Schätze und ein besonderes Lebensgefühl.

MRR

Um die vielfältigen Kräfte zu bündeln, das Rheinland als Wohn- und Wirtschaftsstandort noch attraktiver zu gestalten und seine Wahrnehmung als Metropolregion international zu stärken, wurde vor einem Jahr der Metropolregion Rheinland e.V. (MRR) gegründet. Gründungsmitglieder sind 23 Kreise und kreisfreie Städte sowie die Städteregion Aachen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln, darüber hinaus die sieben Industrie- und Handelskammern und drei Handwerkskammern des Rheinlands und der Landschaftsverband Rheinland.

Geschäftsführer ist seit dem 1.11.2017 der frühere Chempark-Leiter Dr. Ernst Grigat. Für business-on sprach Julie Edelmann-Veith mit ihm über die Metropolregion, ihre Zielsetzung, Perspektiven und Chancen.

business-on: Herr Dr. Grigat, auf der Homepage des Metropolregion Rheinland e.V. heißt es: „Das Rheinland hat die Chance, als Metropolregion im globalen Wettbewerb. eine herausragende Rolle zu spielen.“ Dürfen die Rheinländer darauf hoffen, zukünftig in einem Atemzug mit Metropolregionen wie Paris oder London genannt zu werden?

Im Prinzip ja. Das braucht natürlich ein bisschen Zeit. Aber das Rheinland ist, was Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl angeht, mit London oder Paris auf Augenhöhe, wobei jede dieser Regionen ihre spezifische Ausprägung hat. Der wesentliche Unterschied ist die polyzentrische Ausprägung des Rheinlands, denn die typische Metropolregion besteht für gewöhnlich aus einer Stadt und ihrem Umland. Das Rheinland ist der Wirtschaftsmotor Deutschlands und spielt als Metropolregion in dieser Liga.

Beim Verkehrswegeplan auf dem richtigen Weg

Der Verein feiert gerade seinen ersten Geburtstag. Konnten Sie in diesem Jahr schon etwas für das Rheinland und seine Menschen bewegen und bewirken?

Ja, es sind schon Erfolge erzielt worden. Beispielsweise wurde zum Bundesverkehrswegeplan 2030 eine gemeinsame Stellungnahme eingereicht, die starke Berücksichtigung fand, weil die Mitglieder hier gemeinsam auftraten. Das klingt formal, ist aber von hoher Relevanz für die Bürger.

Der Verein will sich auf die vier großen Themenfelder Verkehr/Infrastruktur, Bildung/Forschung, Standortmarketing sowie Tourismus/Kultur fokussieren. Es gibt bereits Arbeitskreise und erste Projekte. Wie schnell kommen die voran?

Die genannte Stellungnahme ist das Resultat eines dieser Arbeitskreise. Die übrigen arbeiten ebenfalls an ihren Themen. Beispielsweise werden wir als Metropolregion Rheinland auf großen Messen sichtbar werden. Auch hier gilt: Das Auftreten als Gemeinschaft bringt ein höheres Gewicht auf die Waage als einzelne Auftritte.

Wie schnell laufen die Entscheidungsprozesse im Verein ab? Immerhin gibt es gewichtige 35 Mitglieder, die sich einbringen wollen.

Die Entscheidungen laufen über Gremien, und das ist auch gut so. Aber wenn es drauf ankommt, können wir sehr schnell zu Entscheidungen kommen.

Das Rheinland soll „als Wohn- und Wirtschaftsstandort noch attraktiver“ gestaltet werden. Köln, Düsseldorf, Bonn sind doch schon heute so attraktiv, dass Wohnraum knapp und Gewerbeflächen rar sind. Soll also das Umland gefördert werden?

Eine hohe Attraktivität des gesamten Rheinlands ist sowohl für die Städte als auch für das Umland förderlich. Dazu gehört die bessere Verbindung zwischen ländlichen und städtischen Gebieten, und dazu gehören auch lokale Projekte, die wir uns genau ansehen, ob sie für das gesamte Rheinland skalierbar sind und eine Adaption sinnvoll ist. Je nach Lage der Dinge profitieren mal die Städte und mal das Umland stärker von der Metropolregion.

Natürlich nutzen uns beim Marketing auch die großen Namen. Wir möchten, dass zum Beispiel Ansiedelungs-Anfragen von Investoren in der Metropolregion bleiben und nicht woandershin abwandern.

Vorstandsvorsitzender des Vereins ist der Düsseldorfer OB Geisel, Sitz des Vereins ist Köln. Macht sich die traditionelle Rivalität der beiden Städte in der Zusammenarbeit bemerkbar?

Diese Rivalität ist ein schönes Brauchtum, das sich sehr gut im Karneval macht, aber in der Praxis erleben wir sie glücklicherweise nicht. Wir erleben eine sehr intensive Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Die beiden Regierungspräsidentinnen haben sich sehr engagiert, um den Verein da hinzubringen, wo er heute steht.

Stichwort Gewerbesteuereinnahmen. Endet das Zusammengehörigkeitsgefühl zur Metropolregion Rheinland nicht spätestens dann, wenn es konkret um Steuereinnahmen aus den Ansiedlungen geht?

Wenn es um konkrete Projekte geht, sind die Wirtschaftsförderungen untereinander Wettbewerber, ohne wenn und aber. Das wird sich auch nicht ändern, solange das heutige Gewerbesteuersystem gilt. Unser Ziel ist es, die Marke Rheinland so zu stärken, dass der gesamte Kuchen für alle größer wird.

Die Metropolregion Rheinland ist nicht nur ein wirtschaftlicher Zusammenschluss, auch Kunst, Kultur, Wissenschaft, Soziales, Sport gehören dazu. Wo liegt dabei der Schwerpunkt?

Der Schwerpunkt liegt auf der Sichtbarkeit der Metropolregion nach innen und außen. Dabei gibt es verschiedene Einzelthemen, wie zum Beispiel die Mobilität für Personen und den Güterverkehr, wobei „Mobilität“ konzeptionell über die Themen Infrastruktur und Verkehr hinausgeht. Weiter geht es wie erwähnt um die Vermarktung des Rheinlands. Und natürlich ist das Thema Kultur im Rheinland immer präsent. Wir haben dazu das Format des „Rheinischen KulturSommers“ übernommen, das vom „Region Köln-Bonn e.V.“ erarbeitet und uns übergeben worden ist. Diese vielfältige Sammlung kultureller Aktivitäten führen wir jetzt rheinlandübergreifend weiter und machen so das Thema Kultur sichtbar. Desweiteren beschäftigt sich der zuständige Arbeitskreis zur Zeit intensiv mit einem Wissenschaftsatlas und Kompetenzzentren.

Die Arbeit vieler Initiativen und Vereinigungen fließt in die Metropolregion ein

Es gibt ja bereits eine Vielzahl von Initiativen, die ähnliche Ziele wie Ihr Verein haben, so z.B. der „Region Köln-Bonn e.V.“, „Das Bergische RheinLand“ oder die „IHK-Initiative Rheinland“. Werden diese Aktivitäten auf den MRR e.V. übertragen, so wie beim „KulturSommer“?

Unser Verein ist gerade mal ein Jahr alt. Die anderen Initiativen und auch die Arbeitskreise haben teilweise schon deutlich früher mit ihrer Arbeit begonnen und nicht erst auf unsere Vereinsgründung gewartet. Zum Beispiel die IHK-Initiative, die bereits wichtige Dokumentationen erarbeitet hat. Oder wie erwähnt, der Rheinische KulturSommer. Da, wo es Sinn macht, werden die Aktivitäten sukzessive der MRR übergeben.

Darüber hinaus gibt es im Rheinland verschiedenste Vereinigungen, die lokale Arbeit leisten, sich um regionale Förderprojekte kümmern, und wo es auch sinnvoll ist, dass diese das weiterhin tun. Hier ist dann klar die Schnittstelle, so dass die lokalen Projekte nicht gedoppelt werden. Wir bilden das Dach darüber und übernehmen die übergreifenden Aufgaben, wie z.B. die Mitgliedschaft in der IKM, der Vereinigung deutscher Metropolregionen, die bisher kommissarisch von „Region Köln-Bonn“ wahrgenommen wurde.

Wie finanziert sich Ihr Verein, mit welchem Budget?

Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, längerfristig werden wir uns sicherlich auch nach Fördergeldern umsehen. Das Startbudget reicht aus, um jetzt erst mal ans Arbeiten zu kommen.

Wie groß ist das Team des MRR?

Als Startaufstellung der Geschäftsstelle ist ein halbes Dutzend Mitarbeiter vorgesehen. Auch die Arbeitskreise erarbeiten Inhalte für die Metropolregion. Insofern ist das Team über das Netzwerk deutlich größer als das in der Geschäftsstelle.

Das Rheinland ist auch ein „Gefühl“. Gibt es Botschafter, also Menschen, die stellvertretend für die Metropolregion Rheinland stehen, die dieses Gefühl nach außen sichtbar machen?

Natürlich denken wir auch in diese Richtung; das kann Teil des Marketingkonzepts sein, an dem wir gerade arbeiten.

Werden Sie eines Tages im Urlaub auf die Frage, wo Sie herkommen, sagen: Ich wohne in der Metropolregion Rheinland!?

Da ich in mehreren Städten des Rheinlands sozialisiert wurde, sage ich heute schon: Ich komme aus dem Rheinland. Diese Formulierung trifft den Kern und ich werde gerne dabei bleiben.

 

Das Interview führte Julie Edelmann-Veith

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