Connect with us

Hi, what are you looking for?

Aktuell

In NRW Potenzial für 310.000 neue Arbeitsplätze

Bis 2020 könnten in Nordrhein-Westfalen etwa 310.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Verwirklicht werden könne dies durch planmäßige Industrieinitiativen, wie aus einer Studie von McKinsey & Company hervorgeht.

Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / pixelio.de

Unter dem Titel „NRW 2020. Unser Land – unsere Zukunft“ veröffentlichte die Unternehmensberatung McKinsey & Company am Montag ihre Studie, die sie auf eigene Initiative erstellt hat. Das zentrale Ergebnis ist, dass das Bruttoinlandsprodukt des Landes NRW in sieben Jahren um rund 27. Mrd. Euro zusätzlich wachsen könnte und über 300.000 neue Arbeitsplätze erschaffen werden könnten. Als Wirtschaftsstandort kann NRW deutlich gestärkt werden, wenn sich die Rahmenbedingungen insbesondere in der Investitionspolitik, im Verkehrswegebau und bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen verbessern.

Problem ist Produktivität

Die Wirtschaft in NRW fällt der Studie zufolge seit 1980 im Vergleich zu den anderen sieben alten Flächenbundesländern immer weiter zurück. Der Strukturwandel früherer Jahre sei jedoch nicht mehr verantwortlich für diese Wachstumsschwäche, erläuterte McKinsey-Direktor Jürgen Schröder. Tatsächlich weise NRW insgesamt einen ähnlichen Branchenmix auf wie etwa Bayern. Entscheidendes Problem sei, dass einzelne Sektoren wie beispielsweise das verarbeitende Gewerbe, die Finanz- und Versicherungswirtschaft oder das Grundstücks- und Wohnungswesen eine weit unterdurchschnittliche Produktivität erzielten. Einzig im Dienstleistungssektor zeige NRW in einigen Branchen wie Handel, Gastgewerbe und Kommunikation eine höhere Produktivität als Bayern.

Im Bundesvergleich unterdurchschnittlich sind der Studie zufolge auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung: Der Anteil am NRW-BIP liegt 41% unter dem Bundesdurchschnitt. Die Ausgaben für neue Anlagen in NRWs Privatwirtschaft bleiben mit 18% des BIP ebenfalls hinter denen in Bayern oder Baden-Württemberg zurück. Würde die Lücke halbiert, entspräche dies zusätzlichen Neuanlageninvestitionen von 8 Mrd. Euro und zusätzlichen F&E-Ausgaben von 2,5 Mrd. Euro. 87.000 neue Arbeitsplätze könnten allein hierdurch entstehen.

Stärkung in drei Bereichen vonnöten

Der öffentliche Sektor kann nach der Studie den Standort in drei Bereichen stärken: Erstens müsste die Wirtschaftsförderung in erhöhtem Maße auf Wachstumsbereiche fokussiert und das Geld besser eingesetzt werden. Zweitens sollte die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöht werden. Die Tatsache, dass der Anteil weiblicher Beschäftigter mit 63,4% deutlich unter dem Bundes-durchschnitt von 67,7% liegt, bremst die Wirtschaftsdynamik in NRW. Zum Vergleich: In Bayern und Baden-Württemberg sind mehr als 70% der Frauen im erwerbsfähigen Alter berufstätig.

Zudem liegt die Teilzeitquote von Frauen in NRW um ca. drei Prozentpunkte über dem Bundesschnitt von 45,7%. „Wenn NRW zur Quote von Bayern aufschließen würde, stünden dem hiesigen Arbeitsmarkt 130.000 zusätzliche weibliche Fachkräfte bis 2020 zur Verfügung“, so Schröder. Dass Frauen in NRW nicht erwerbstätig sind oder nur in geringer Teilzeit arbeiten, hat viele Gründe. Deshalb sieht die McKinsey-Studie nicht nur Land und Kommunen mit dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung in der Verantwortung. Auch die Unternehmen müssten ihre weiblichen Fachkräfte stärker unterstützen, etwa durch Rückkehrprogramme nach der Elternzeit, Betreuungs- und Familiendienstleistungen und flexiblere Arbeitszeiten und -organisations-formen. Drittens ließen sich bis zu 185 Mio. Euro zusätzliche Investitionen im Straßenbau bei gleich bleibendem Budget mit Hilfe eines effizienteren Verkehrswegebaus ermöglichen. Internationale Referenzprojekte beweisen, dass dies realistisch ist.

Vier potenzielle Wachstumsfelder

Um privatwirtschaftliche Initiativen für mehr Beschäftigung in NRW anzuregen, wurden vier potenzielle Wachstumsfelder identifiziert:

  • Kreislaufwirtschaft. Der Markt für Elektronikschrott in Europa wird sich der Studie zufolge bis 2020 mehr als verdoppeln. Hier ergebe sich für NRW ein hohes Wertschöpfungspotenzial. Die zentrale Lage in Europa, am Rhein und entlang der Nord-Süd-Bahnachse sei optimal. Zudem sei das relevante Know-how durch zahlreiche spezialisierte Unternehmen in NRW bereits vorhanden. Als Kerninitiative schlägt McKinsey den Aufbau einer großen Recyclinganlage für Elektronikschrott vor. Insgesamt könnten so bis 2020 rund 35.000 neue Arbeitsplätze und 3,4 Mrd. Euro zusätzliches BIP entstehen.
  • Logistik. Durch eine intelligente Vernetzung der Verkehrswege und neue Logistikkonzepte für die Versorgung von Großstädten können in NRW weitere 15.000 Arbeitsplätze entstehen mit einem zusätzlichen BIP von 1,6 Mrd. Euro. Thomas Netzer, Leiter des Sektors Travel, Transport & Logistics bei McKinsey, schlug ein koordiniertes Logistiksystem vor, wie es bereits zum Teil im niederländischen Utrecht aufgebaut wurde. Das System verringere die Staus durch Konsolidierung und zeitliche Steuerung des Güterverkehrs in den Innenstädten. NRW dürfe auch beim Thema Elektromobilität nicht den Anschluss verlieren. Die Kernregionen Rheinland und Ruhrgebiet böten mit ihrer Dichte an Einwohnern und Infrastruktur eine ideale Basis für den Aufbau funktionsfähiger Elektrofahrzeugflotten. Als vorbildliches Beispiel nannte er eine entsprechende Initiative der Deutschen Post mit dem in Aachen entwickelten StreetScooter.
  • Handel. NRWs Handelsunternehmen repräsentieren bereits heute 38% des deutschen Markts. „Der Trend zum Kauf regionaler Produkte, Online-Services sowie moderne Absatzkanäle sind Zukunftsfelder für den ‚Neuen Handel’“, sagte McKinsey-Partner Jürgen Meffert. Potenzial böten branchenübergreifende Kooperationen, z.B. mit Telekommunikations-anbietern aus NRW, um gemeinsam mobile Zahlungssysteme zu etablieren. Insgesamt könnten solche Geschäftsmodelle 25.000 neue Arbeitsplätze mit 1,4 Mrd. Euro Umsatz erschließen, erläuterte der Telekommunikationsexperte.
  • Pflege. Die Zahl der Pflegepersonen in NRW muss um 25.000 bis 45.000 Vollzeitkräfte wachsen, um den Bedarf 2020 zu decken. Diese Lücke kann laut Studie durch den Einsatz moderner, auf mobilen Technologien basierender Gesundheitslösungen (mHealth) verringert werden. Dies gehe nicht auf Kosten des Patientenkontakts, sondern entlaste bei administrativen Aufgaben, betonte McKinsey-Gesundheitsexperte Axel Baur. „Aufgabe des Landes wird es aber bleiben, die Gewinnung zusätzlicher Pflegekräfte mit Kampagnen zu unterstützen.“ Eine solche Qualitäts- und Attraktivitätsoffensive sei bereits im Polizeidienst realisiert worden. Gelänge dies auch in der Pflege, könnten über 30.000 neue Arbeitsplätze besetzt und ein zusätzliches BIP von 1 Mrd. Euro realisiert werden.

Nach Berechnung von McKinsey können darüber hinaus 120.000 weitere Arbeitsplätze in NRW bis 2020 im Umfeld dieser Wachstumsinitiativen entstehen („induzierter Effekt“): u.a. durch den Konsum und die Kaufkraft der zusätzlichen Arbeitnehmer.

 

Weitere Beiträge

Aktuell

Sauberkeit und Hygiene sind die beste Prävention, um Patienten, Besucher und Mitarbeiter vor Keimen, Sporen, Viren und Bakterien zu schützen. Das Helios Klinikum Niederberg...

News

Mit neuem Ausrüster, einem starken Partnerkonzept und einem Topteam überzeugt der Bergische HC in der aktuellen Saison.

Unternehmen

Die PR- und Kommunikationsagentur Michael Tobias Content Marketing (MTCM) ist ausgezeichnet worden. Die Agentur erhielt den Kreativpreis in Gold für die Umgestaltung des Beatmungspflegeportals,...

Aktuell

In Wuppertal gab es Urkunden, Meisterbriefe und Zeugnisse für 83 Frauen und Männer aus dem Bergischen und ganz Deutschland.

Send this to a friend