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“Kapitalismus ist und bleibt pervers”

Wieso sich am weltweiten System der Ausbeutung kaum etwas verändert hat. Ein Interview mit Verdi­Geschäftsführer Daniel Kolle.

Kristina Malik / talwaerts.de

Herr Kolle, immer wieder hört und liest man von Berichten, dass arme Menschen in Ländern wie Bangladesch, Indien und China unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Gibt es dagegen eigentlich keine Gesetze wie bei uns? Kolle: Natürlich gibt es internationale Richtlinien. Es sind die Kernarbeitsnormen, die von der ILO, der Internationalen Labour Organisation, entwickelt wurden. Darin sind die Arbeitsbedingungen gesetzlich geregelt. Es ähnelt dem deutschen Arbeitsrecht sehr, wird aber meist nicht vollständig ratifiziert.

Billiglöhne

Warum werden diese Gesetzt dann so häufig folgenlos von den Produzenten ignoriert? Kolle: Es gibt dort keinen Mindestlohn und keine gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherung. Die global tätigen Unternehmen lassen ihre Textilien dort produzieren, wo die Arbeitskraft am billigsten ist. Aber auch in Osturopa existiert eine Ausbeutungsindustrie, die ähnlich aussieht. Wenn etwas schief läuft wie beispielsweise ein schwerer Unfall oder eine Umweltkatastrophe, so wälzen das die Textilunternehmer auf die Lieferanten ab. Sie sagen, sie hätten von den entwürdigenden Arbeitsbedingungen nichts gewusst und geben sich selbst betroffen.  

Perverser Kapitalismus

Warum werden die Unternehmer dafür nicht zur Rechenschaft gezogen? Kolle: Weil sie eine starke Lobby haben und weil sie in ihren Verträgen die rechtliche Verantwortung ganz auf die Produzenten und Lieferanten abwälzen. Sie sind so gestaltet, dass beispielsweise die Bauvorschriften der Fabrikgelände von den Produzenten selbst geprüft werden müssen. Wenn diese das dann unterlassen, um Zeit und Kosten zu sparen, wird der Einkäufer nicht belangt.

Der Kapitalismus ist und bleibt pervers.

Tropfen auf den heißen Stein

Warum unternehmen Politiker nichts gegen diese Verhältnisse? Kolle: Weil sie zum einen Teil des Systems sind und andererseits an ihren Bemühungen, sich gegen die Lobbyistengruppe der Unternehmen durchzusetzen, scheitern. Der derzeitige Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, hat versucht, erst einmal für die dreißig der größten Arbeitgeber der Textilindustrie Selbstverpflichtungsbedingungen für ethische Mindeststandards durchzusetzen zu vereinbaren. Mehr waren dazu nicht bereit.

Gekürzte Fassung. Den vollständigen Artikel finden Sie in der Wuppertaler Wochenzeitung talwaerts. Immer freitags für 1,90 Euro überall, wo es Zeitschriften gibt und für 8,90 Euro im Monatsabo: www.talwaerts-zeitung.de 

 

Esther Brandt

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