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Wirtschaftslexikon

Die Europäische Zentralbank EZB und ihre Funktion in Europa

Die Europäische Zentralbank ist ein supranationales Organ der Europäischen Union und in vielen Aufgabenbereichen die Nachfolgerin der einzelnen Nationalen Zentralbanken wie Deutsche Bundesbank, Banque de France, Bank de Espana usw.

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Die EZB ist verantwortlich für die Überwachung des Bankensystems in der Europäischen Union und reguliert die Geldmenge, die in Umlauf ist. Sie sorgt für eine stabile Währung, eine gleichmäßige Konjunktur, Preisniveaustabilität und eine geringe Inflationsrate. Ihr Sitz ist in Frankfurt am Main im Eurotower, ab dem Jahr 2014 wird die EZB allerdings den Neubau der Europäischen Zentralbank im Ostend beziehen.

Die Entstehung der EZB

Die EZB als europäisches Organ ist tief verwoben mit der Geschichte der Europäischen Union und der allmählichen Angleichung der Geldpolitik in der Eurozone. Nach den beiden Weltkriegen wurde zunächst die Montanunion gegründet, welche die Stahl- und Kohleindustrien zusammenschloss – beides früher kriegswichtig. Mit den Römischen Verträgen fand dann 1957 auch eine Handels- und Agrarunion statt.

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer europäischen Zentralbank wurde jedoch erst 1964 mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft getan. Es folgten 1972 der Europäische Wechselkursverbund und 1979 das Europäische Währungssystem. 1994 begann das Europäische Währungsinstitut (EWI) die europäische Geldpolitik zu koordinieren und das Europäische System der Zentralbanken aufzubauen. Es bereitete damit den Weg für die Währungsunion, die schließlich mit dem Euro umgesetzt wurde. 1998 wurde dann wie geplant die EZB die Nachfolgerin des EWI. Seit 1999 führt sie nun die europäische Geldpolitik durch.

Die Aufgaben der EZB in der Eurozone

Die Hauptaufgabe der EZB ist die Sicherung der Preisniveaustabilität und die gleichmäßige konjunkturelle Entwicklung der Eurozone. Dadurch soll eine Rezession vermieden und die Inflation gering gehalten werden. Die EZB gehört damit zu den wichtigsten Organen in der Europäischen Union.

Der EZB obliegt im einzelnen:

  • Geldpolitik der Eurozone
  • Verwaltung der Geldreserven
  • Versorgung der Eurozone mit Geld
  • Devisengeschäfte der Eurozone
  • Aufsicht über die Kreditinstitute
  • Stabilisierung des Finanzmarktes
  • Genehmigung zur Ausgabe des Papiergeldes

Daneben muss die EZB auch die Kreditinstitute beaufsichtigen und somit für eine Stabilität auf dem Finanzmarkt sorgen. Sie sammelt darüber hinaus auch statistische Daten, die sie zur Wahrnehmung ihre Aufgaben benötigt, und berät nationale Behörden der einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Die genauen Aufgaben der EZB sind im Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft festgelegt worden und dort im Detail erläutert.

Die Organe der EZB

Die Organe der EZB sind das EZB-Direktorium und der EZB-Rat. Zum Rat gehören die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten sowie die Mitglieder des Direktoriums. Hier werden die Richtlinien der Geldpolitik und die Leitzinssätze mit einfacher Mehrheit festgelegt, sowie das Zentralbankgeld bereitgestellt. Sollten der Eurozone einmal mehr als 18 Staaten angehören, wird man beim Abstimmungsrecht zum Rotationsprinzip übergehen. Es wird in der Regel zweimal im Monat getagt.

Das EZB-Direktorium setzt sich aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und vier Mitgliedern mit einer einmaligen Amtszeit von 8 Jahren zusammen. Ein Mitglied wird zum Chefvolkswirt bestimmt. Mitglieder werden von den Teilnehmerstaaten aus der Riege ihrer Finanz- und Wirtschaftsminister empfohlen und vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit gewählt. Das Direktorium ist für die Durchführung der Beschlüsse des Rates verantwortlich und führt die Geschäfte.

Die ausführenden Organe der EZB sind im Endeffekt jedoch die nationalen Zentralbanken der Teilnehmerstaaten.

Die Geldpolitik der EZB

In Zeiten einer wirtschaftlich schlechten Situation betreibt die EZB eine expansive Geldpolitik, indem sie z. B. die Zinsen senkt und Geld an Geschäftsbanken vergibt. So können Banken sich refinanzieren und mehr Kredite vergeben, was den Konsum und Investitionen fördert. Die Gefahr einer Inflation ist dabei gering, weil das Wirtschaftswachstum ebenfalls gering ist. In Zeiten einer Hochkonjunktur, also wenn es der Wirtschaft gut geht, betreibt die EZB dagegen eine restriktive Geldpolitik. Sie erhöht dann die Zinsen und vergibt weniger Geld an die Banken. Dadurch werden weniger Kredite vergeben und Investitionen kostspieliger. Diese Regelung ist notwendig, weil durch eine Hochkonjunktur auch das Risiko einer Inflation steigt.

Die Geldpolitik der EZB zielt also darauf ab, die im EG-Vertrag als Ziel festgesetzte Preisniveaustabilität zu erreichen. Diese wird als Wachstum des HVP-Indexes (harmonisierter Verbraucherpreisindex) in der Eurozone verstanden und soll möglichst bei zwei Prozent pro Jahr liegen. Die EZB verfolgt eine Zwei-Säulen-Strategie, um dieses Inflationsziel sicherzustellen. Die erste Säule ist die wirtschaftliche Analyse, die zweite Säule ist die monetäre Analyse. Im Rahmen der ersten Säule wird die Inflationsentwicklung beobachtet, sowie andere Faktoren, die darauf Einfluss haben können. Dazu gehören z. B. die Zinssätze, die Wechselkursentwicklung, Löhne, Preise und Messgrößen der Wirtschaftstätigkeit.

Als zweite Säule wird ein Referenzwert für eine Geldmengenentwicklung im Bereich M3 veröffentlicht. M3 sind laut EZB Sichteinlagen der Nichtbanken, Bargeldumlauf, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere, Anteile an Geldmarktfonds und Bankschuldverschreibungen. Der Referenzwert wird unter der Annahme festgelegt, dass das reale Inlandsprodukt 2 bis 2,5 % wächst und die Geldumlaufgeschwindigkeit um 0,5 bis 1 % sinkt. Der Referenzwert dient dabei als Information, nicht als Ziel und soll vor einer Destabilisierung des Preisniveaus warnen.

Sowohl am Inflationsziel von 2 % als auch an der Zwei-Säulen-Strategie wird immer wieder Kritik geübt. Die Zwei-Säulen-Strategie wird als zu wenig transparent wahrgenommen, das Inflationsziel halten manche für zu niedrig. Im Rahmen der Finanzkrise wurde die EZB auch dafür kritisiert Staatsanleihen für Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien am Sekundärmarkt erworben zu haben.

Die Instrumente der EZB

Um die Wirtschaft so zu beeinflussen, dass ihre Ziele erreicht werden können, hat die Zentralbank vor allem ein Mittel in der Hand: die Erhöhung oder Senkung der Preise für verliehenes Geld. Der sogenannte Leitzins, der von der EZB festgelegt wird, kann damit Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung und die Inflation in der Eurozone nehmen. Daneben stehen der EZB noch eine Reihe weiterer Instrumente zur Verfügung, wobei die geldpolitischen Instrumente zu den wichtigsten gehören. Die EZB bedient sich auch der Mindestreserve. Dabei müssen Geschäftsbanken bei den nationalen Zentralbanken über Mindestreserven von in einem bestimmten Prozentanteil ihrer Einlagen und Schuldverschreibungen verfügen.

Daneben bedient sich die EZB auch der Devisenmarktintervention, der ständigen Fazilitäten, des Hauptrefinanzierungsinstruments und des Offenmarktgeschäfts.

 

Florian Weis

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