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Digitale Infrastrukturen: Berliner Verwaltung mit Start-ups nicht auf Augenhöhe

Im April wird Berlin zum Zentrum der Tech-Welt: Am 10. und 11. April diskutieren auf der hub.berlin Digital Natives, Entscheider und Experten die Technologien für die Stadt der Zukunft. Zeit für eine Bestandsaufnahme der digitalen Landschaft Berlins.

Im April wird Berlin zum Zentrum der Tech-Welt: Am 10. und 11. April diskutieren auf der hub.berlin Digital Natives, Entscheider und Experten die Technologien für die Stadt der Zukunft. Zeit für eine Bestandsaufnahme der digitalen Landschaft Berlins.


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Es ist das erklärte Ziel der Berliner Senatsverwaltung: Berlin soll nicht nur die Hauptstadt innovativer Unternehmensgründungen sein, vielmehr beansprucht das Land Berlin selbst die Leadership in Sachen Digitalisierung. Berlin möchte die Rahmenbedingungen schaffen, die Start-ups und global agierende Unternehmen brauchen, um ihre Geschäftsziele zu erreichen. Geplant ist deshalb unter anderem die möglichst zeitnahe Einführung des Mobilstandards 5G – zunächst testweise in einigen Gebieten, später in der ganzen Stadt. Weitere Projekte befinden sich in der Planungsphase, andere wie das Leistungszentrum Digitale Vernetzung oder das Förderprogramm Mittelstand 4.0 sind bereits an den Start gegangen.

Berlin braucht digitale Infrastruktur als Standortvorteil

Solche infrastrukturellen Maßnahmen sind in der Hauptstadt auch dringend notwendig. Denn Berlin ist mangels Industrie darauf angewiesen, sich einen Ruf als attraktiver Standort für Digital-Firmen aus dem In- und Ausland zu erarbeiten. Was die Firmenneugründungen angeht, ist Berlin auch tatsächlich sehr erfolgreich: Mit Hotspots wie Tel Aviv kann die Stadt zwar nicht mithalten, im europäischen Vergleich spielt Berlin aber auf einem der vorderen Plätze mit. Von der Innovationskraft Berlins sind auch die Investoren überzeugt: Im 1. Halbjahr 2018 flossen mehr als 1.600 Millionen Euro in Berliner Start-ups; nur noch London hat erfolgreicher Kapital eingeworben.

Berlin kann also zurecht von sich behaupten, das deutsche Zentrum für digitale Technologien zu sein. Dass sich in der Hauptstadt Experten in Schlüsseltechnologien wie Big Data, AI und IoT auf Konferenzen wie der hub.berlin versammeln, um aktuell relevante Themen der Digitalwirtschaft zu diskutieren, unterstreicht diesen Anspruch.

Die Administration: Eine Schwäche des Digitalstandorts Berlin?

Doch es gibt eine Kehrseite. Das dunkle Hinterzimmer zum Prachtsaal der innovativen Start-ups und Think Tanks ist die Berliner Administration. Sie hinkt dem Stand der Technologie nicht nur hinterher, sondern erweist sich geradezu als Hemmnis für den Unternehmensstandort Berlin.

Das ITDZ, das IT-Dienstleistungszentrum für die Berliner Verwaltung, agiert bereits jetzt am Rande seiner räumlichen und personellen Kapazitäten. Um seine Aufgaben – die Sicherstellung und Modernisierung der Technik in der Berliner Verwaltung – weiterhin erfüllen zu können, braucht das ITDZ dringend IT-Nachwuchs; doch um die begehrten IT-Experten konkurriert das Land Berlin nicht nur mit den Bundesbehörden, sondern auch mit der Privatwirtschaft. Zu tun hat das ITDZ mehr als genug. Noch immer sind viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst nicht ausreichend in Digitalkompetenzen geschult, und noch immer arbeiten viele Berliner Behörden mit ihrer hauseigenen Software. So stellte das ITDZ im Rahmen einer Erhebung fest, dass berlinweit insgesamt 8.000 verschiedene Lösungen in Betrieb sind.

Integrierte Softwarelösungen bisher hauptsächlich in der Privatwirtschaft

Angesichts dieser Zahl ist an Datenintegration noch nicht einmal zu denken, was zur Folge hat, dass die meisten behördlichen Dienstleistungen nach wie vor analog beantragt und bearbeitet werden müssen. Schon für Privatpersonen bedeutet dies eine Erschwernis ihres Alltags, doch für Unternehmen, die sich in Berlin gründen oder niederlassen wollen, potenzieren sich die Herausforderungen geradezu. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bringen es mit sich, dass Unternehmen mit vielen Behörden interagieren müssen: dem Finanzamt, dem Gewerbeamt, dem Arbeitsamt, dem Bauamt, den branchenspezifischen Kammern und Verbänden – diese Liste ist keineswegs abschließend. Start-up-Gründer und internationale Unternehmen, die mit Big Data und AI arbeiten – um nur einige Beispiele der digitalen Transformation zu nennen –, nutzen selbstverständlich eine Softwarelösung, mit der sich ihre gesamte Wertschöpfungskette abbilden lässt: Relevante Informationen sind dank Datenintegration auch aus unterschiedlichen Anwendungen jederzeit und abteilungsübergreifend verfügbar. Unternehmen, die die Vorteile eines solchen „Digital Enterprise“ kennen, ist es kaum zu vermitteln, dass sie für zahlreiche Bewilligungen persönlich vorstellig werden müssen oder viele Dokumente nur auf dem Postweg zustellbar sind.

Doch Berlin macht seine Hausaufgaben. Über ein Servicekonto werden die Berliner Bürger bald Dienstleistungen online beantragen und erhalten können, zunächst zwar nur den Gutschein für die Kita, Gewerbeanmeldungen und die Parkvignette für Anwohner. In Aussicht gestellt sind aber über 100 Dienstleistungen – und dies ist dann sicherlich eine Größenordnung, die auch für Unternehmen relevant ist und eine erhebliche Beschleunigung vieler Genehmigungsverfahren bedeuten wird.

 

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