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Ist der Mittelstand ein Sorgenkind bei der Digitalisierung?

In Zeiten der Digitalisierung wird Transformationsfähigkeit für mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Nur so können sie ihre Geschäftsmodelle an die neuen Erfordernisse anpassen. Immer wichtiger werden dabei auch Startups. Wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit aussehen könnte, diskutierten Vertreter alteingesessener und junger Unternehmen auf der Veranstaltung „Deutschland deine Gründer – Exit oder neuer Mittelstand?“

vege / Fotolia.com

Verschlafen mittelständische Unternehmen die Digitalisierung

Auf der Veranstaltung von politik-neu-denken.de wurden Fragen erörtert wie „Ist der Mittelstand das Sorgenkind bei Innovation und Digitalisierung?“ und „Warum ist die Gründermentalität in Deutschland gerade einmal ein wenig mehr ausgeprägt als in Pakistan?“ Als einer der Hauptgründe wurde festgehalten, dass etablierte Firmen und Gründer nur selten zusammenarbeiten. Von einer Institutionalisierung könne man erst recht nicht sprechen. Auf beiden Seiten gebe es noch große Vorbehalte und Zweifel.

Diese müssen zuallererst abgebaut und neu gedacht werden, so Startup-Experte Christopher Meyer-Mölleringhof, der die Diskussionsrunde der Veranstaltung organisiert und zwischen beiden Parteien vermittelte. Mit dabei war auch Johannes Bischof, der Deutschland-Chef von Konica Minolta, der mit Kameras zuletzt auf einen Massenmarkt gesetzt hatte und heute auch viele andere Geschäftsfelder bedient.

Zu viel Fokus auf alte Kunden

Als Hauptgründe für die zögerliche Weiterentwicklung der alteingesessenen Unternehmen nennt Bischof die starke Konzentration auf etablierte Kunden. Es werden schlicht zu wenig Zeit und Ressourcen eingesetzt, um neue Kunden zu erschließen. Ein weiteres großes Problem sind laut Bischof Routinen in der Organisation, die die Unternehmen schwerfällig machen. Als Beispiel wurde dabei der ehemalige Marktführer Kodak genannt, der 2012 Insolvenz anmelden musste, weil die Zeit der analogen Filme vorbei war. Auch hier bestand das Hauptproblem darin, dass das Management die Entscheidung getroffen hatte, keine Gelder für die Erschließung neuer digitaler Technologien bereitzustellen.

Als positives Gegenbeispiel wurde Konica Minolta genannt. Hier trennte man sich 2007 vom Foto- und Kamera-Geschäft und verfolgte eine konsequente Neuausrichtung. Heute konzentriert man sich vor allem auf die Bereiche Sensorik und Automation und ist damit sehr erfolgreich.

Kooperation, aber kein Ersatz

Daran, dass Startups in Zukunft der neue Mittelstand werden, glaubt Johannes Bischof nicht, wohl aber an eine fruchtbare Zusammenarbeit. So liege es an den Startups, starre Strukturen eingesessener Unternehmen aufzubrechen und neue Ideen einzubringen, während sich die großen Unternehmen für neue Ideen öffnen und ihre Strukturen und Prozesse offen für Neuerungen halten sollen. Der beiderseitige Vorteil ist dabei klar: Die Startups können auf stabile Strukturen zugreifen und den Cash Flow der Großen nutzen. Der Mittelstand auf der anderen Seite kann neue Perspektiven aufnehmen.

Um dies zu gewährleisten, brauche man laut Thomas Sattelberger, Ex-DAX-Personalvorstand und Bundestagskandidat, vor allem Freiheitszonen. Es müsse Orte geben, an denen Kreative, Gründer, Tüftler und Unternehmen zusammenkommen können. Dabei seien Förder- sinnvoller als Steuerprogramme. Weiterhin müsse wieder ein neuer Geist der Begeisterung entwickelt werden, anstatt sich nur auf Technologien und Skalierung zu konzentrieren.

 

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