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An den Rand gedrängt: Beliebte Glühweinpyramide muss weichen

Die Glühweinpyramide muss weg. Sie wandert an den Kö-Graben Höhe Grünstraße. Weit weg vom alten Standort an der Flinger Straße. Düsseldorf Tourismus nennt den neuen Standort im Internet nicht.

Der Düsseldorfer Weihnachtsmarkt verliert (ein Stück) Identität. Mit der Entscheidung der Düsseldorf Tourismus GmbH (DT), keine Gastronomie an der Flinger Straße in der Altstadt aufzustellen, verschwindet nach über 30 Jahren die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Glühweinpyramide der Schaustellerfamilie Schmelter.

Jahrzehntelang bildeten drei Stände das typische Bild und Entree zur Düsseldorfer Altstadt. Die Glühweinpyramide mit lustigen Figuren berühmter Düsseldorfer wie Beuys, Heine und Heino, Crepes und Apfelpfannkuchen gleich nebenan in der Weihnachtsbäckerei und die bekannten Mandeln in ungewöhnlichen Variationen der Familie Simon. Entweder war an der Ecke Hunsrücken-/Flinger Straße der Auftakt zum Weihnachtsshopping oder zuweilen auch das Finale. Noch ein Glühwein, ein Crepes oder ein paar Mandeln – weit über drei Jahrzehnte war besonders die Glühweinpyramide der Familie Schmelter ein Altstadtanker und Postkartenmotiv – sie schaffte Identität am Eingang zur Altstadt. Denn egal welches Geschäft nebenan umfirmierte, die Pyramide blieb in der Vorweihnachtszeit wie ein Fels in der Brandung. Doch damit ist jetzt Schluss.

Einen neuen Platz finden die drei Stände und weitere nun auf der Kö an der Grabenseite am Übergang von der Grün- zur Bastionstraße. Zur Info, dass ist an der letzten Bücke über den Kö-Graben, noch hinter der Galerie. „Wir haben ein Erlebnis am Rand geschaffen“, sagte Sibel Şen von der DT auf Nachfrage zu dieser Versetzung, verwies auf Corona und Maßnahmen für mehr Raum und Abstand, was angesichts der „Aufstockung“ eines anderen Angebots in zentraler Lage auf eine zweite Etage als äußerst fragwürdiges Argument erscheint.

Keine Verbindung zu anderen Märkten

Am „Rand“ ohne Verbindung zu den anderen Märkten und den Laufwegen eines Weihnachtsmarktbesuchers liest sich angesichts des Platzes ehrlicher, auch wenn der Standort als „Kö-Lichter-Markt“ aufgepimpt und vermarktet wird. Eine Glühbirne verweist auf den DT-Seiten im Internet auf die Budenzeile weitab von den traditionellen Laufwegen eines Weihnachtsmarktbesuchers hin. Kurzum: Schwer zu finden. Zumal die Düsseldorf Tourismus anscheinend selber nicht weiß, wo es den Glühwein zu trinken gibt. Auf den DT-Seiten im Internet heißt es nämlich: „Verkaufsstand, Glühwein am Kö-Lichter-Markt, Burgplatz, 40213 Düsseldorf“. Ein möglicher Hinweis auf die Wertigkeit dieser Budenzeile seitens der DT?

Seitens der betroffenen Familien mochte sich niemand zu diesem Umzug an die Stelle weitab vom innerstädtischen Weihnachtsmarkttrubel äußern. Zu groß erscheint die Angst davor, generell nicht mehr an den alten Standort zurückkehren zu dürfen oder ganz aus dem Angebot der DT herauszufallen. Nachvollziehbar, da für jeden Schausteller der Weihnachtsmarkt 2021 die letzte Hoffnung vor der Insolvenz ist und überhaupt diese Veranstaltung einen sehr großen Anteil an den Jahreseinnahmen generiert.

Warteschlangen an der Eislaufbahn – Abstände fehlten

Menschenansammlungen vermeiden, deswegen sollen Gastroangebote aus der Flingerstraße verschwinden – deswegen auch der Auszug der bekannten Stände an die Kö. Was die Mitnahmeware wie Mandeln und Crepes von Süßwaren und Christstollen (die gibt´s nämlich in der Flinger Straße zu kaufen) unterscheidet, erscheint dagegen geheimnisvoll, weil in den DT-Mitteilungen unbeantwortet. Übrigens: wer Warteschlangen und Menschenansammlungen vor Buden oder eng zusammenstehende Glühweinfans als begehrtes Fotomotiv erhaschen wollte, war an diesem Wochenende an der Eislaufbahn sehr gut aufgehoben.

Ob die Pyramide als jahrzehntelange Landmarke im kommenden Jahr wieder an alter Stelle stehen wird, ließ Sibel Şen von Düsseldorf Tourismus offen und bat um Verständnis, da man sich „in diesem besonderen Jahr auf dieses Jahr konzentrieren“ wolle. Klare Bekenntnisse hören sich anders an.

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