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Peter Jamin

Corona #18: Opas Krieg gegen das Virus

Heute habe ich mir ein Video der Bundesregierung zum Corona-Lockdown angesehen. Ein ziemlich verschwurbeltes Stück im Weltkrieg II-Erinnerungsslang – Militär light gegen Lockdown light. Durchhalteparolen und Beschönigungen der Wehrmacht-Machart.

Ein total beklopptes Helden-Epos: Ein Opa Lehmann von morgen erzählt ein wenig verworren von sich im heute – mit Corona. Erinnerung als tragend-tragische Haltung. Morgen und Heute durchgemischt. Corona-Schicksal als Heldentum im Grabenkrieg verklärt. So spricht man Jugend nicht an. Die Bundesregierung will mit dem Video die Jugend in Deutschland erreichen. Kann mir nicht vorstellen, dass so Jugendliche oder junge Erwachsene angesprochen werden. Denn da ist von Front und Waffen die Rede.

Die Opas von heute wurden als 20-Jährige von Hitler und seinem Regime in den Krieg geschickt. Man darf unterstellen, dass die meisten mehr oder weniger begeistert mitgemacht haben. Doch Opa Lehmann „tat, was von uns erwartet wurde“.

Opa Lehmann an der Front

Diese Kriegserinnerungsfloskeln will heute niemand hören. Der Krieg gegen Corona ist gänzlich anders. Damals wurden Millionen Juden und Millionen von Hitler zu Kriegsgegnern ernannte Ausländer von den Wehrmachtssoldaten und SS-Schergen ermordet. Der Kampf gegen die Pandemie ist kein Kampf gegen Menschen, sondern ein Kampf gegen ein heimtückisches Virus. Für Opa Lehmann „lag das Schicksal unseres Landes plötzlich in unseren Händen“. Die Lösung der echten Opas von heute war damals ein „totaler Krieg“ und die totale Zerstörung Europas.

Das Schicksal der ganzen Menschheit

Der Historiker Michael Wolffsohn bezeichnet in „Bild“ das Video als „peinlich“ und als „Armutszeugnis“. Es ist erschreckend wie oberflächlich und faktenarm die Bundesregierung in ihrer Werbung mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nazi-Regime umgeht. So verklärt man ein Nazi-Mörderregime und seine Millionen Anhänger zu einer Schicksalsgemeinschaft, die sie nie waren. Richtig ist: die Pandemie und ihre Bewältigung ist das Schicksal der gesamten Menschheit. Mit Krieg, Mensch gegen Mensch‘ hat das nichts zu tun.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
Ihr Peter Jamin

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Peter Jamin
Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

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