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Demenzkranke Vermisste besser suchen

In dieser Woche fiel mir in den Tageszeitungen eine Meldung der Düsseldorfer Polizei auf: „Vermisstenfahndung: 71-jähriger Düsseldorfer tot aufgefunden – Derzeit keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen – Ermittlungen dauern an“

screenshot Jamin

Was war passiert? „Der 71-jährige vermisste Düsseldorfer aus Gerresheim ist tot“, schreibt die Polizei, „Mitarbeiter einer Werkstatt im Hinterhof seines Wohnhauses in Gerresheim entdeckten ihn gestern leblos in einer angrenzenden Tiefgarage. Der Vermisste wurde in einem schmalen Schacht eines stillgelegten und zugesperrten Werkzeug-Lastenaufzugs gefunden.“

Demenzkranke im Nahbereich suchen

Und genau das ist das Problem: Der Vermisste wurde tot im Nahbereich seiner Wohnung gefunden. Ich befasse mich ja schon seit Jahrzehnten mit dem Thema „Vermisste Menschen“ und weiß: Immer wieder sterben an Demenz erkrankte Menschen, weil nicht gründlich genug im Nahbereich ihrer Wohnung gesucht wurde.

Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Vermisstenfall aus den 1990er Jahren: Da wurde ein an Demenz erkrankter Senior vermisst, der zuletzt im Bonner Loch, einem Verkehrsknotenpunkt, gesehen wurde. Seine Leiche wurde Monate später in einem Nebenraum dieses Bonner Loch gefunden.

Nicht nur auf Suchhund verlassen

Jetzt ist es also dem 71-jährigen Gerresheimer passiert? Und ich frage mich nun, warum er nicht schon sofort nach dem Verschwinden gefunden wurde? Die Polizei berichtete: „Der Vermisste verließ in der Nacht zu Donnerstag (16. Januar) seine Wohnung im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim in Schlafkleidung mit unbekanntem Ziel. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.“

Weiter heißt es im Polizeibericht der Rheinischen Post: „Ein Suchhund führte die Polizei bis zur U-Bahnhaltstelle der U73 an der Benderstraße, Haltestelle „Von-Gahlen-Straße“, in Fahrtrichtung Innenstadt / Uni. An der Haltestelle verlor sich seine Spur.“

Toter Gerresheimer lag im Aufzugschacht

Ich schließe daraus, dass im Nahbereich der Wohnung des Vermissten nicht richtig gesucht wurde. Bei kleinen Kindern ist es üblich, dass Polizisten bei einer Vermisstenanzeige in der Wohnung, im Keller und im Nahbereich suchen. Man hat schon vermisste Kleinkinder schlafend in der Waschmaschine gefunden.

Demenzkranke bedürfen einer besonderen Sorgfaltspflicht nicht nur der Angehörigen und der Pflegepersonen, sondern – im Vermisstenfall – auch der Polizeibeamten. Die Suche im Nahbereich einer vermissten, an Demenz erkrankten Person muß vor allem für die Polizei selbstverständlich werden. 

Demenzkranke sterben sogar im Nahbereich

Nur so können wir Todesfälle wie den in Gerresheim verhindern. Eigentlich sollte die Polizei das wissen. Denn immer wieder sterben Vermisste im Nahbereich. Ein Beispiel: In der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek wurde ein an Demenz erkrankter Patient im Juli 2019 erst zwei Wochen später tot in einem Kellerverschlag der Klinik gefunden.

Nach Angaben der Polizei handelte es sich sogar um einen ehemaligen Kommissar, der auf der Davidwache an der Reeperbahn gearbeitet hatte. Der 76-Jährige hatte offenbar die Krankenhausstation verlassen wollen und verirrte sich dabei in ein Treppenhaus. Hier war er durch eine in der Wand eingelassene Stahltür in eine kleine Kammer geklettert und hatte nicht mehr aus dem Raum herausgefunden.

Polizei und Stadt Düsseldorf müssen lernen

Es wird Zeit, dass sich die Verantwortlichen der Stadt Düsseldorf und die Polizei mit dem Thema „Verschwinden von Demenzkranken“ intensiver befassen. Die Zahl der an Demenz Erkrankten steigt immer stärker an – und dementsprechend häufiger verschwinden sie auch spurlos.

Der Malteserorden beispielsweise hat sich intensiv mit dem Thema Demenz befasst. In einer speziellen Broschürehat man sich auch mit dem Verschwinden von Kranken befasst. Darin heißt es für die Suche nach ihnen u.a.: „…Rasch und systematisch handeln: alle Räume inkl. Keller, Garten und nähere Umgebung absuchen…“ Möglicherweise könnte der 71-Jährige Gerresheimer noch leben, wenn man „richtig“ gesucht hätte.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

Peter Jamin

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Peter Jamin
Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Milo Moire: Peter Palm
  • Peter Jamin im Maintower Kriminalreport mit Moderator Robert Hübner: Hessischer Rundfunk / Screenshot by Peter Jamin
  • jamin_corona_video_bundesregierung_anton_lehmann: Screenshot by Peter Jamin / Bundesregierung
  • jamin_corona: Peter Jamin / Peter Jamin
  • jamin_terror: Screenshot by Peter Jamin / Facebook-Video von Unbekannt
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