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ÖPNV interessiert Düsseldorfs Politiker nicht wirklich

Ist Düsseldorfs Politikern der ÖPNV, der Öffentliche Personennahverkehr, wirklich wichtig? Oder ist ihnen Fahrbereitschaft, Ausstattung und Lifestyle von Straßenbahnen und Bussen in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf nicht mehr als lästiges Übel? Es gibt viel Pflicht, um die man sich notgedrungen kümmern muss. Und wenig Kür, mit der man mit ganzer Kraft glänzen will.

Peter Jamin / Peter Jamin

Jeden Tag sind Hunderttausende Düsseldorfer*innen und Pendler*innen vom perfekten Funktionieren des ÖPNV abhängig. Sonst kommen sie zu spät zu Arbeit oder erleben den Horror bei Drängelsituationen in überfüllten Fahrzeugen. Gerade letzteres kann in Zeiten von Corona sogar tödlich enden.

Die ÖPNV-Zukunft ist ungeklärt

In meinen letzten Blogs habe ich mich nun mit den ungewöhnlichen Vorgängen rund um die Neubeschaffung von 59 neuen Straßenbahnen HF6 befasst. Zuletzt hier. Ein Rheinbahn-Desaster erster Güte. Ich hatte ja gehofft, dass sich die Politiker von CDU, SPD, FDP, GRÜNE und LINKE insbesondere in Wahlkampfzeiten für ihre ÖPNV-abhängigen Wähler mit ganzer Kraft einsetzen würden. Fehlanzeige. Kleine Seitenhiebe von CDU, Grüne und SPD gegen Politikkonkurrenten – das war’s dann. Niemand ist in Düsseldorf bereit das Rheinbahn-Desaster wirklich anzupacken, aufzuklären und aufzuräumen. Die Schuldfrage: ungeklärt. Die Zukunft: ungewiss. Viele Düsseldorfers Rheinbahn-Kunden werden voraussichtlich noch lange auf die Jahrzehnte alten Schrottbahnen angewiesen sein werden.

Müde Stellungnahme zum Rheinbahn-Desaster

Den Stadtverordneten im Verkehrsausschuss wurde jetzt zum Rheinbahn-Desaster, also zu den fehlenden, supermodernen 59 Straßenbahnen, die eigentlich schon seit 2014 step by step in Düsseldorf glänzen sollten, eine müde Stellungnahme vorgelegt.

Darin stand, was alle schon wissen: „Mitte August 2020 hat die Rheinbahn die Annahme weiterer HF6 bis auf weiteres gestoppt. Grund für diese Entscheidung sind Fertigungsmängel, die im Rahmen einer Prüfung bei einem Unterlieferanten des Herstellers festgestellt worden sind.“ Zukunft ungewiss.

Kein zukunfts-klima-starkes ÖPNV-Konzept

Auch beim Schlagaustausch zwischen OB Thomas Geisel und Titelangreifer Dr. Stephan Keller auf Einladung der #RheinischenPost im Max-Haus spielte der #ÖPNV nicht wirklich eine große Rolle. Keller: Strecken verlängern, 5-Minuten-Takt, Park & Ride ausbauen.

Das alles hat OB Geisel bereits angeschoben. Es ist trotzdem kein zukunfts- und klimastarkes ÖPNV-Konzept mit Aha-Effekt in Sicht. Es gibt viel Standard – und wenig kreativen Ideen. Kein großer Wurf für den ÖPNV. Dabei ist es wichtig, dass der ÖPNV – über die Standardmaßnahmen hinaus – viel, viel attraktiver wird. Es fehlt:

DAS GROSSE DÜSSELDORFER ÖPNV-KONZEPT.

ÖPNV muss mehr sein als Bus und Bahn. Das Spitzenpaar B&B muss selbstverständlich super und darüber hinaus noch sehr viel mehr: Kaffee-to-Go und Lachsbrötchen beim Trolley-Service in Bahnen. Einbindung der Geschäftswelt an Haltestellen bei Marketing-Initiativen. Guten-Morgen-Ansagen und -News für Frühaufsteher in den Bussen. Mobiler Bankbus an Haltestellen. Service-Sprechstunden der Rheinbahn auf dem Bahnsteig.

Der ÖPNV muss ein Qualitätsprodukt werden. Es muss zum beliebten und begehrten Lifestyle-Produkt Düsseldorfs werden – in einem Satz genannt zusammen mit Kö, Schauspielhaus oder Steigenberger. Kofferträger-Service für das Trio Bus, Bahn, Zug. Diskobahn für Nachtheimkehrer aus der Altstadt, Klassikbahn für den Heimweg aus Tonhalle und Oper. Servicestationen mit Kleiderreinigung, Schuster und Einkaufsservice an ausgewählten Haltestellen – morgens beauftragen, abends abholen. Und für den Kö-U-Bahnhof: Champagner-Begrüßung und Einkaufsberatung beim fahrenden Gold- und Schmuckhändler.

Keller will die grüne Welle für Pkws

Ideen sind gefragt. Denn es sieht düster aus für den ÖPNV und somit für den Klimaschutz in Düsseldorf. Der Status: Nur 760.000 Beförderungen werktäglich mit Bus und Bahn. Dagegen fahren 300.000 Pendler werktäglich mit der Dreckschleuder „Auto“ nach Düsseldorf rein. Weitere 100.000 pendeln werktäglich von Düsseldorf mit dem Wagen raus. Dazu kommen Hunderttausende Kurzstreckenfahrer*innen, die u.a. in Düsseldorf ihre Kinder zur Schule kutschieren, Gemüse auf dem nächstgelegenen Markt einkaufen, an Oberkasseler Kneipentheken vorfahren oder mit dem Auto ein Paket zum nächsten DHL-Shop bringen.

Wenn der ÖPNV mit seinen Bahnen und Busse nicht attraktiver, stylischer Mitbewerber gegen den individuellen Pkw-Verkehr wird, haben die Dreckschleuder-Autos weiterhin freie Fahrt. CDU-Mann Keller hat bereits seine Linie beim RP-Kandidaten-Schlagaustausch vorgegeben: Er will die grüne Welle für alle Pkws in Düsseldorf einrichten. Ein kranker Plan – und: So funktioniert Klimaschutz nicht.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin

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Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

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