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Analoges Lesen: Wieder voll im Trend

Diesen Monat in der Bahn bemerke ich einen schönen Umstand: Um mich herum lesen die Leute in echten Büchern, die aus Papier gefertigt wurden. Ein schöner Anblick – und so viel leiser als das übliche Telekommunikationschaos.

Diesen Monat in der Bahn bemerke ich einen schönen Umstand: Um mich herum lesen die Leute in echten Büchern, die aus Papier gefertigt wurden. Ein schöner Anblick – und so viel leiser als das übliche Telekommunikationschaos.

Als ich unter der Woche gegen 19.30 Uhr in die Bahn steige, ist es tatsächlich still. Obwohl der Waggon gut gefüllt ist, telefoniert dieses Mal niemand. Ich warte ein paar Sekunden ab, da das trügerische Schweigen meist nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Aber nichts passiert. Kein kreischendes Baby, keine Jugendlichen, die lauthals diskutieren. Noch nicht einmal ein missmutiger (meist älterer) Herr, der über die heutige Zeit schimpft.

Fast schon verwundert blicke ich mich um und sehe, dass die Leute tatsächlich mit Lesen beschäftigt sind. Sie lachen jetzt wahrscheinlich, schließlich lesen Sie selbst gerade diese Kolumne. Die breite Masse allerdings liest nicht. Es wird gestreamt, geliked, geteilt, gepostet und gefollowed – qualitativ hochwertiger Inhalt dabei jedoch selten verbreitet.

Vielleicht bin ich deswegen so erstaunt, dass zwei Personen in der Bahn ein echtes Buch aus Papier lesen und eine dritte immerhin eine Tageszeitung, auf deren letzter Seite keine nackte Frau abgebildet ist.

Ich weiß nicht woran es lag, dass es in der Bahn so still gewesen ist, aber ich freue mich, dass die Fahrgäste in Ruhe ihr Buch lesen konnten. Lesen liegt offensichtlich wieder voll im Trend, so entdecke ich kurze Zeit später im Park einen Literaturautomaten. Ganz recht: er sieht aus wie ein Zigarettenautomat und funktioniert auch so. Für 2 Euro kann man sich ein Buch ziehen. Eine tolle Idee!

Woher kommt die plötzliche Literaturbegeisterung? Liegt es vielleicht daran, dass immer mehr Menschen in ihrer Freizeit tatsächlich „abschalten“ und sich erholen wollen und dass das Internet dafür manchmal zu schnelllebig ist? Ich bin ein starker Befürworter der Digitalisierung, allerdings konsumieren die meisten Menschen die falschen Formate und drehen sich dadurch im Kreis.

Vielleicht führt genau das dazu, dass sie sich wieder auf bewährte Dinge zurückbesinnen, um mit der Informationsflut nicht überfordert zu sein.

Zu finden ist der Literaturautomat aktuell im Düsseldorfer Zoo-Park, Brehmplatz, 40239 Düsseldorf. Weitere Infos vom Veranstalter zakk gibt es hier.

 

Carolin Kirchhoff

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