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Die Deutsche Bahn

Vor der Sommerpause pendelte ich wieder die Strecke Düsseldorf-Berlin. Seitdem bilde ich mir vermehrt graues Kopfhaar und die Ausbreitung einer Zornesfalte auf meiner Stirn ein. Bahnfahren ist wie ins All reisen, nur umgekehrt: man altert schneller.

Rainer Sturm / pixelio.de

Ja, liebe Leserinnen und Leser: ich bin ein ungeduldiger Mensch. Und, ja, in der Regel bin ich auch fünf Minuten vor der eigentlichen Uhrzeit bei einem Termin, um die Lage auszumachen. Über die Jahre habe ich mir antrainiert nicht ständig davon auszugehen, dass andere Menschen auch so sind. Dass mich ein Monat mit der Deutschen Bahn gefühlt fünf Jahre hat altern lassen, das hätte ich vorab aber nicht gedacht.

Gezwungenermaßen steige ich morgens in die Bahn. Da Montag ist und sich am Wochenanfang traditionell wenig in meinem Kühlschrank finden lässt, beschließe ich, im ICE nach Berlin zu frühstücken. Abgesehen davon scheint es noch früh, um Nahrung aufzunehmen. Die überteuerten Bahnhofspreise und zweimal die Schlummertaste, um sich im Bett nochmal rumdrehen zu können, tragen ihr übriges zu meiner Gesamtsituation bei.

Kein Essen, kein Trinken…

Ruhig nehme ich Platz, lausche dem Podcast über meine Kopfhörer und warte auf das Türsignal, das den Zug endlich losfahren lässt. Nur mit geringer Verspätung fährt der Inter-City-Express dann auch schon los. Kaum dass um die 500 Personen in einer Stahlröhre gefangen sind, ertönt auch die Durchsage, dass das Essen in Köln leider nicht geliefert wurde und es bis Hannover weder Getränke noch Essen an Bord geben wird.

…und auch kein WLAN

Zusätzlich wird durchgesagt, dass das WLAN leider nicht verfügbar ist. Ein Grund wird dafür nicht genannt. Die Banane in meiner Handtasche wird nun der wertvollste Gegenstand und innerlich rechne ich aus, in welchen Zeitabständen ich diese verzehren darf, um die knapp drei Stunden bis Hannover durchzuhalten. Neidisch gucke ich auf das belegte Putenbrötchen meines Sitznachbarn, dessen Remoulade ihm aufs Hemd zu tropfen droht.

Senk ju for träveling wis Deutsche Bahn!

Eine Woche später auf derselben Strecke hat der Zug 44 Minuten Verspätung – aufgrund von Witterungsbedingungen (es gab ein geringfügiges Gewitter in der Nacht). Zusätzlich komme ich von meiner Wohnung nicht mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, da angeblich das Schienennetz zusammengebrochen ist (auch aufgrund des Gewitters).

Alle reden vom Wetter…

Leicht in Hetze meinen Zug zu verpassen, kann ich nicht umhin mich zu fragen, warum das Schienennetz in anderen Ländern mit schlechtem Wetter (so gesehen in Wien, Zürich, aber auch Glasgow, Edinburgh und London oder in Südtirol  – sogar bei Schnee) einwandfrei funktioniert.

Als der Zug dann endlich kommt, sind zu allem Überfluss noch die elektronischen Reservierungs- und Waggonschilder ausgefallen. Bevor noch mehr Zorn in mir aufbraust, beschließe ich zu resignieren und mich stattdessen lieber über all die Nadelstreifen-Anzugträger zu amüsieren, die völlig hilflos im Zug umherirren, nur, weil die Reservierungsschilder ausgefallen sind. Man möchte kaum glauben, dass sie Firmen leiten, Mitarbeiter einstellen und vielleicht sogar über beträchtliche Summen Geld bestimmen, aber jetzt völlig überfordert sind, weil sie ihr Erste-Klasse-Schild nicht finden können. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Kein feiner Zug: Ein neuer Zug…

Letztlich findet jeder einen Platz und die Fahrt kann weitergehen. Leider nicht lange, denn in Duisburg gibt es eine Durchsage, dass der Zug defekt sei und alle aussteigen müssen. Mir ist es in dem Moment egal, da die Situation so ausweglos ist, dass Aufregen nichts bringt. Beruhigt denke ich daran, dass ich am Duisburger Hauptbahnhof endlich etwas zu essen kaufen kann.

Alle 500 Passagiere steigen also aus und warten auf den nächsten, überfüllten ICE. Dessen Reservierungs- und Waggonschilder funktionieren zwar, helfen aber nicht bei der Tatsache, dass alle Sitzplatzreservierungen aus dem vorherigen ICE nichtig sind. Die Geschäftsleute und ich haben keine Sitzplätze und der Zug ist vollkommen ausgebucht.

Da ich noch kein ICE-Profi bin, eile ich zu spät zum Bordrestaurant, um mich dort bei einem einzigen Kaffee vier Stunden lang hinzusetzen. Mit mir im Waggon sind erprobte Bahnfahrer, die die alternative Sitzplatzreservierung perfektioniert haben: Während einer von ihnen zum Tisch eilt, seine Jacke auf die gegenüberliegende Sitzbank legt und sich eilig auf der anderen breit macht, bringen die anderen die Koffer in eine der Gepäckablagen, um sich dann mit den Worten „Mensch, da ham wa ja Glück gehabt, wa?“ niederzulassen.

Am Ende finde ich mich im Übergang von einem Abteilwagen zum nächsten auf dem Boden sitzend wieder. Wo ist der Nutzen seine Ökobilanz einzuhalten, wenn man aufgrund der Umstände bei der Deutschen Bahn dafür gestresst, verspätet und fünf Jahre älter an seinem Zielort ankommt?

 

Carolin Kirchhoff

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