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Interviews

Nebenkosten sind alles andere als nebensächlich

Für business-on traf sich Susan Tuchel mit Johann Werner Fliescher, Vorstand Haus und Grund Düsseldorf.

Haus und Grund

Seit 122 Jahren gibt es den Verein Haus und Grund Düsseldorf. Rund 17.000 private Immobilieneigentümer haben sich dort zusammengeschlossen, um ihr Eigentum zu wahren und sich gegenseitig zu unterstützen. Zu den Mitgliedern gehören Selbstnutzer, Vermieter, Wohnungseigentümer sowie Personen, die planen eine Immobilie zu kaufen oder zu bauen und Beratung benötigen.

business-on: Welche Leistungen bieten Sie an?

Werner Fliescher: Mit unserem Beratungsangebot decken wir alle Fragen von Immobilieneigentümern ab. Herzstück ist unsere Rechtsabteilung, in der neun Juristen und Wohnungswirte Rechtsfragen rund um die Immobilie beantworten und auch den Schriftverkehr für unsere Mitglieder führen. Zum Team gehört auch ein ehemaliger Notar, der insbesondere erbrechtliche Fragen bei Immobilien beantwortet. Zudem gehören Versicherungsberatung sowie Bauberatung durch einen Architekten und einen vereidigten Bausachverständigen zu unserem Angebot. Neben der Energieberatung durch die Verbraucherzentrale bieten wir Seminare zu aktuellen Rechtsfragen sowie kostenfreie Informationsveranstaltungen zu wichtigen Immobilienthemen an – übrigens nicht nur für unsere Mitglieder, sondern für alle Interessierten.

business-on: Welche Vorteile haben die Mitglieder?

Werner Fliescher: Sie bekommen eine gute Beratung und das für einen Jahresbeitrag ab 57 Euro. In dieser Mitgliedschaft sind neben unserer monatlichen Mitgliederzeitung persönliche Beratungen und kostenlose oder preisreduzierte Downloads und Vordrucke, wie etwa Mietverträge, enthalten. Zudem erhalten Mitglieder beispielsweise eine Rechtsschutzversicherung für deutlich unter 56 Euro pro vermieteter Wohnung bei einem unserer Kooperationspartner. Großes Sparpotenzial besteht auch durch die Versicherungsberatung bei Wohngebäudeversicherungen.

business-on: Welche Herausforderungen gibt es für Eigentümer aktuell?

Werner Fliescher: Der Druck auf Eigentümer wächst. Die Höhe der Mieten steht im öffentlichen Fokus. Die Anforderungen an die Immobilie im Hinblick auf Komfort und Energieverbrauch wachsen ständig. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten. Über ein Drittel der monatlich gezahlten Miete sind mittlerweile Nebenkosten (Energiekosten, Gebühren und Steuern, usw.), die der Vermieter nicht beeinflussen kann. Die Diskussion um hohe Mieten lenkt davon ab, dass seit Jahren die Nebenkosten trotz sinkender Energiepreise deutlich stärker steigen als die Inflation, während sich die Höhe der Nettomieten im Rahmen der Inflation bewegt. Deswegen fordern wir einen sachlichen Blick auf die Mieten und keine „Emotionalisierung“ von Mietern und Eigentümern, denn diese hilft nicht dabei, die Probleme in den Wohnungsmärkten zu lösen. Was gegen den Wohnungsmangel in Städten helfen würde, wären der Neubau von Wohnungen sowie eine bessere Verkehrsanbindung zu entspannten Wohnungsmärkten.

business-on: Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Zukunftsthemen?

Werner Fliescher: Das Problem der Verkehrsinfrastruktur in den Städten, aber auch für die Pendler in den Ballungsräumen, braucht gerade bei bevorstehenden Dieselfahrverboten dringend eine Lösung. Düsseldorf hat fast 300.000 Einpendler täglich, für die in der Stadt selbst aufgrund der Flächenknappheit der notwendige Wohnraum nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Wir benötigen also nachhaltige und innovative Konzepte, um die Verkehrsprobleme aus ökologischer Sicht zu lösen. Eine gute Verkehrsinfrastruktur hilft Wohnungsmärkte zu vernetzen und belastete Wohnungsmärkte unmittelbar zu entlasten. Zusammen mit der IHK und anderen Experten im Immobiliensektor ist Haus und Grund Düsseldorf an der Erarbeitung eines Konzepts für die Innenstadt Düsseldorfs im Jahre 2030 beteiligt.

business-on: Ein Wort zur Energiewende?

Werner Fliescher: Die Forderung nach einem klimaneutralen Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 dürfte nicht dazu beitragen, die Mieten zu senken, weil vielfältige Investitionen in den Gebäudebestand notwendig sind. Auch hier sind innovative und intelligente Konzepte gefragt, um Eigentümer und Mieter mit der Energiewende nicht zu überfordern.

 

Susan Tuchel

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