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EuroCis – ein bisschen auch zum Gruseln

Unser Autor hat beim Presserundgang der Fachmesse EuroCis das Gruseln wieder entdeckt. So wie früher im düsteren Tann.

Unser Autor hat beim Presserundgang der Fachmesse EuroCis das Gruseln wieder entdeckt. So wie früher im düsteren Tann.

Als ich vor rund 40 Jahren durch einen nächtlichen und damit dunklen Wald spazierte, überkam mich manchmal das Gefühl, beobachtet zu werden.

Beim Rauschen der Baumkronen und dem Rascheln im Unterholz sträubten sich meine Nackenhaare – jener Rest an Höhlenmensch meldete sich, der noch in uns steckt. Vor Tausenden von Jahren konnte das unbestimmte Geräusch schließlich den Angriff eines Säbelzahntigers bedeuten. Säbelzahntiger gibt´s nicht mehr – aber dieses beklemmende Gefühl ist immer noch da.

Heute allerdings, wenn ich einen Supermarkt oder ein Kaufhaus betrete oder im Internet unterwegs bin.

Denn ich werde beobachte, auch wenn es sich nicht so anfühlt, obwohl alles hell erleuchtet ist. Ich werde beobachtet, bewertet, gescannt, vermessen und in 0er und 1er bis auf die Doppelhelix seziert, um dann, wieder zusammengesetzt, manipuliert zu werden.

Das will ich nicht.

Wer immer noch glaubt, er habe nichts zu verbergen, hat diese schöne neue Welt – abgedroschen, aber wahr – noch nicht verstanden. Es geht nicht ums Verbergen. Es geht um nichts weiter als die Freiheit des Individuums, um diesen sonderbaren altmodischen Begriff der Selbstbestimmung.

Informationelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht, dass wir, dazu gehöre ich auch, wissentlich oder unwissentlich aushöhlen und untergraben. Informationelle Selbstbestimmung heißt, dass ich die Hoheit über meine Daten habe und selbst entscheiden kann, wem ich was preisgebe.

Das bedeutet aber auch, dass meine Daten über mir unbekannte Kanäle nicht in einem Pool zusammengeführt werden und vor allen Dingen ausgewertet werden dürfen. Die EuroCIS verdeutlicht die Abkehr davon auf eine simple, fast lapidare Art.

Wie eine Seifenblase zerplatzte der Traum von Selbstbestimmung mit der Einführung des Smartphones und des Internets für jedermann.

Heute Abend werde ich mein Smartphone ausschalten. Ich werde in den nächtlichen Wald gehen und mich sicher und unbeobachtet fühlen. Säbelzahntiger gibt´s eben nicht mehr.

 

Manfred Fammler

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