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ProWein goes Liquid/Beer – und der deutsche Wein wird cool

„Ein Jucken spür´ ich ganz verstohlen, die Änderung kommt auf leisen Sohlen“. Dichterfürst Shakespeare mag mir die hölzerne Änderung seiner Zeilen verzeihen, doch treffen sie vorzüglich die Neuausrichtung der ProWein. Besser gesagt, der Erweiterung.

ctillmann / Messe Düsseldorf

Die Bedürfnisse der Gastronomie werden demnach zukünftig einen höheren Stellenwert auf der ProWein einnehmen. Hier zeigt die Messe Düsseldorf ein feines Näschen, reagiert schnell und konsequent. Da so viel internationales Publikum auf die Messe strömt, wird es bestimmt nicht mehr lange dauern, bis auch die ersten Düsseldorfer Hausbrauereien Einzug in die Hallen gefunden haben, um einen weltweiten Absatzmarkt zu generieren.

Das wäre für alle gut so. Nur müsste ein besserer Weg gefunden werden, der beiden Geschäftsfeldern – Wein und der umfassendere Gastronomieanspruch – gerecht wird. Vielleicht wie bei der Caravan und der TourNatur? Ansonsten wird aus Wasser kein Wein, sondern die ProWein verwässert.

Das wäre total uncool, denn „cool“ will ab jetzt der deutsche Wein werden – neben feinherb und trocken. Jedenfalls rein äußerlich. Frisch und spritzig soll er zukünftig daherkommen. Neue Flaschendesigns, modernere Etiketten sollen den Wein auch für junge Menschen interessanter werden lassen. Dafür wurde nun ein neuer Preis ausgelobt, der die Vermarktung ankurbeln soll.

Doch reichen bunte Etiketten und neue Titel dafür aus? Wenn alle versuchen, modern zu werden, werden alle uniform, das Besondere und das Eigene verschwindet oder verkrampft.

Wein steht in Konkurrenz mit anderen Getränken und ist teurer als Bier, zwangsläufig. Aber er ist immer noch halb so teuer wie mancher Cocktail, der daher kommt, als hätte Beelzebub beim Rezept Pate gestanden. Doch nicht nur das. Das Zutatenverzeichnis – was immer noch nicht auf den Flaschen aufgedruckt sein muss – kann bisweilen mit einem Medikamentenbeipackzettel konkurrieren.

Im Gegenzug verzichten immer mehr Winzer auf Pestizide und versuchen, ökologisch und vegan ihr Naturprodukt anzubauen. Ein durchaus gutes Verkaufsargument.

Sollte das nicht reichen, hier noch weitere „coole“ Vorschläge:

  • Das Rheingau zu einem Fünf-Sterne „Vino-World“ Freizeitpark ausbauen;
  • Ein paar Stromschnellen in der Ahr für die „Wine-Rafting-Tour“ einsetzen…
  • …und die Moselschleife in Geschenkpapier verpacken.
  • Zu guter Letzt Craft-Wine einführen und hoffen, dass man sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht ganz der Lächerlichkeit preisgegeben hat, wie einige „coole“ Etiketten bereits jetzt.

Achja, was kommt übrigens, wenn „cool“ nicht mehr trendy ist, tauchen wieder Kirchturmspitzen auf dem Label auf oder wird der deutsche Wein dann „geil“?

Noch eine Bemerkung zu den neuen coolen Flaschen, die mich zu einem angestaubten Witz zurückführen. In einem Kabarettprogramm wurde in einem Sketch auf der Bühne ein Getränk vorgestellt. Der Name: Nichts. Nach einem Geplänkel über nichts oder nichts Erwähnenswertes kam die Sprache auf den Preis. Das Besondere: Nichts kostete nichts, nur die Verpackung 16,50 Euro.

Was das mit der neuen Charmeoffensive des deutschen Weines zu tun hat, fragen Sie? Nichts.

 

Manfred Fammler

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