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Eine echt schlaue Bundesregierung in Berlin

Die Überlegung, den öffentlichen Nahverkehr in den Städten kostenfrei anzubieten, und Diesel-Pkw in den Städten zu verbieten, ergänzen sich ideal. Das jedenfalls findet unser Kolumnist Peter Jamin, der ein Gespräch an einer Bahnhaltestelle in Düsseldorf belauschte.

jamin

Emma macht sich große Sorgen, erfahre ich als heimlicher Zuhörer eines Gesprächs unter Freunden. „Ich fahre jeden Morgen mit der Straßenbahn und mit dem Bus zur Arbeit. Wenn jetzt alle Leute damit kostenlos fahren dürfen, komme ich vielleicht nicht mehr mit, weil kein Platz ist.“

Die Idee der Berliner Regierung, den öffentlichen Personennahverkehr in den großen Städten kostenfrei für die Benutzer zu machen, kommt an den deutschen Haltestellen von Bus und Bahn nicht überall gut an.

Schneesturm im Wartehäuschen

Der Sturm malte eine bizarre Landschaft aus Schnee und Eis auf die Seitenscheiben des Wartehäuschens. Bei genauer Betrachtung war der Glasschutz überflüssig. Oberhalb und unterhalb wie auch neben den Scheiben waren große Luftschlitze, durch die der feuchteisige Wind ungehindert auf die Menschen einstürmen konnte.

Emma und Thorsten drückten ihre Körper eng aneinander, obwohl sie kein Liebespaar waren. Die beiden sahen die neidischen Blicke der anderen wartenden Fahrgäste, die es Ihnen gern nachgemacht hätten. In ungemütlichen Zeiten rücken die Menschen gerne zusammen, um sich gegenseitig zu stützen.

Meuterei des Bürgertums

Während Thorsten und Emma bibbernd vor Kälte auf den nächsten Bus warten, droht eine Meuterei des bisher angepassten Bürgertums.

„Vielleicht läßt du dich einfach ein paar Monate krankschreiben, bis die Rheinbahn neue Busse und Bahnen geliefert bekommt und sich der Nahverkehr wieder normalisiert hat“, schlägt Thorsten vor.

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„Ich könnte mich auch gleich arbeitslos melden“, meint Emma, „wenn ich in Zukunft immer zu spät komme, weil die meisten Busse überfüllt sind und ich nur jeden dritten Bus schaffe, macht das mein Chef ohnehin nicht mit und wird mir kündigen.“

Viele Diesel werden verkauft

Nach langem Hin und Her beim Überlegen eines Notfallplans gegen den drohenden Beförderungsstau mit Bus und Bahn hat Emma dann eine sehr praktische und vor allem realisierbare Idee, wie sie dem Risiko auf dem Weg zur Arbeit nicht mitgenommen zu werden, begegnen kann: „Ich bin sicher, dass dann viele Leute nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren werden. Die verkaufen dann ihren Wagen, um Geld zu sparen.“

Thorsten pflichtet ihr bei. „Vor allem viele Diesel werden auf den Markt kommen. Die Leute wollen die Kisten ohnehin loswerden wegen der drohenden Fahrverbote in den Städten.“

Keine Verkehrsstaus mehr

Emma denkt an ihren Geldbeutel und praktisch: „Dann kaufe ich mir einen billigen Diesel und fahre in Zukunft mit dem Auto zur Arbeit. Dann friere ich auch nicht immer so im Winter wie hier an der Haltestelle.“

„Eine gute Idee“, meint auch Thorsten. „Außerdem werden die Straßen dann auch frei sein. Wenn in Zukunft die meisten Berufstätigen mit Bahn und Bus fahren, gibt es morgens keine Verkehrsstaus mehr in der Innenstadt.“

Emma freut sich auf eine Karriere als Autofahrerin und Thorsten über die guten Ideen. Und viele Diesel-Pkw-Besitzer werden sich mit ihnen freuen. Denn sie werden ihre ungeliebten Autos nun doch noch zu einem halbwegs vernünftigen Preis los.

Dank Bundesregierung sozial

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So etwas nennt sich eben soziale Marktwirtschaft. Sozial, weil die Leute, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen und sich im Winter an den kalten Haltestellen drängeln und Hände und Beine abfrieren, bald in gut beheizen Autos zur Arbeit fahren. Und Marktwirtschaft, weil die Diesel-Besitzer ihre Wagen und damit ihre Angst vor einem Totalverlust nach dem VW-Diesel-Gate doch noch zu einem guten Preis loswerden.

Wir haben doch eine echt schlaue Bundesregierung in Berlin.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                                  Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

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