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Etikettenschwindel: Aus „Kolumne“ wurde „Blog“

Alle lesen Blogs – über Mode, Kino, Liebe oder Hunde. Unser Kolumnist Peter Jamin schreibt heute darüber, warum er seine Kolumne „Auf einen Cappuccino“ auch Blog nennen könnte.

Michael Seelbach

Gelegentlich darf sich ein Kolumnist ja auch mit dem befassen, was seinen Beruf ausmacht. Schließlich ist er Autor einer Textsorte, die ihm gewisse Freizügigkeiten und persönliche Betrachtungsweisen einräumt.

Blog von Amateuren

Berechtigung dazu hat er zudem, wenn er nachweist, dass die Leser*innen einem Etikettenschwindel auf den Leim gehen: Die so hochgelobten „Blogs“ von heute sind im Grunde nichts weiter als die „Kolumnen“ von gestern.

Der Begriff „Blog“ hat anfangs in der Welt des Amateurjournalismus und der Privatveröffentlichungen im Internet Karriere gemacht. Doch bald wurde er von immer mehr Journalisten in professionellen Medien übernommen. Etwa indem Spiegel-Online einen „Pisten-Blog“ oder einen „Pharma-Blog“ veröffentlichte.

Journalistische Tradition

Beide, Blog wie Kolumne, sind sogenannte Textsorten – wie auch der Kommentar, die Meldung oder die Reportage jeweils eine spezielle Art von journalistischen Texten sind. Die Kolumne blickt auf eine lange journalistische und literarische Tradition zurück.

Kolumnen sind – so die wissenschaftliche Interpretation – regelmäßige Folgen von Kommentaren eines meist bekannten Redakteurs oder Gastpublizisten und haben durch ihr regelmäßiges Erscheinen die Aufgabe die Leser-Medium-Bindung zu verstärken.

Kolumnen sind eigenständig

Die Medien machen meist durch einen Hinweis deutlich, dass sie sich mit dem Inhalt der Kolumne nicht unbedingt identifizieren. Vielmehr stellen sie dem Autor nur den Raum zur Veröffentlichung seiner Meinung zur Verfügung.

Entsprechend ist es üblich, dass die Texte eines Kolumnisten unverändert gedruckt, also nicht von der Redaktion bearbeitet oder gravierend verändert werden. Ihr Stil lässt die individuelle Schreibweise des Verfassers zur Geltung kommen, ist oft pointiert und auch polemisch.

Blog meist persönlich

Blogs oder Weblogs dagegen sind ebenfalls mit persönlichen Kommentaren gefärbte Kommentare, die allerdings meist von Privatpersonen und weniger von gelernten Journalisten über Hobbys, Familie oder Interessengebiete geschrieben oder als Video aufbereitet werden.

Die Blogs als Begriff lösten mit der Zeit mehr und mehr vor allem in den professionellen digitalen Medien die Kolumnen ab. Letztlich kommt es aber – gleich ob Blog oder Kolumne – darauf an, was drin steht. Wie spannend die Themen sind. Wie Gedanken und Analysen formuliert, Meinungen und Denkansätze komponiert werden.

Blog eine neue Textsorte

Eine Kolumne sollte den Leser*innen Spaß bereiten, sie unterhalten. Gleichzeitig sollte man – wie bei allen Texten mit Anspruch – noch etwas Wissenswertes und Sinnvolles aus ihnen mitnehmen. Und sei es auch nur aus ihnen zu lernen, dass es in der modernen Medienwelt neue Textsorten wie den Blog gibt, der ein enger Verwandter der Kolumne ist.

Es gibt heute nur viel, viel mehr Blogs als Kolumnen gestern. Das liegt am Transportmittel der Blogs, dem Internet. Es ist allerdings schwierig gute Blogs zu finden. In der Masse der Belanglosigkeiten gehen gute Blogs heute leicht unter.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                          Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

 

Peter Jamin

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Peter Jamin
Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Milo Moire: Peter Palm
  • Peter Jamin im Maintower Kriminalreport mit Moderator Robert Hübner: Hessischer Rundfunk / Screenshot by Peter Jamin
  • jamin_corona_video_bundesregierung_anton_lehmann: Screenshot by Peter Jamin / Bundesregierung
  • jamin_corona: Peter Jamin / Peter Jamin
  • jamin_terror: Screenshot by Peter Jamin / Facebook-Video von Unbekannt
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