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Mehr Gleichbehandlung bei der Schädlingsbekämpfung – Zucker, Alkohol, Tabak, Drogen

Für drei der vier großen Süchte werden nach wie vor die Werbeflaggen hochgehalten. Egal wie viele Tote dabei auf der Strecke bleiben, meint unser Kolumnist Peter Jamin: „Politiker lassen die Bundesbürger lieber sterben, als dass sie Kinder und Jugendliche vor hinterhältiger Werbung schützen.“

Jamin

Alkohol ist schädlich, Drogen sind schädlich, Tabakrauchen ist schädlich und Zuckerkonsum sowieso – jedenfalls immer dann, wenn wir von diesen Genussmitteln zu viel konsumieren.

Allerdings traut sich Deutschlands Politik nicht, diese vier Genussmittel mit gleicher Elle zu behandeln – dabei wäre es so einfach alle vier Genussmittel mit einem einheitlichen Werbeverbot zu belegen und so vor allem auch Kinder und Jugendliche vor dem Genuss zu schützen.

Drogen wie Haschisch oder Marihuana werden verteufelt und kriminalisiert und nur mühsam finden jene Wissenschaftler Akzeptanz, die Vorteile für die Rauschpflanzen etwa in der Medizin sehen.

Der Tabakgenuss ist nur leicht eingeschränkt, seit man nicht mehr in Restaurants oder öffentlichen Gebäuden zu Zigarette oder Zigarre greifen darf. Doch obwohl jährlich rund 120.000 Bundesbürger an den Folgen des Tabakgenuss sterben, ist die Werbung dafür, die sich vor allem an die Jugend richtet, weitgehend unbeschränkt möglich.

Warnungen und Vorstöße zum Werbeverbot durch Suchtexperten lassen die Politiker durch die Bundestagsbank kalt.

Warum wohl? „Die Zigarettenlobby wie auch die Werbeindustrie sind in Berlin exzellent verdrahtet. Seit Jahren sponsern die Nikotinversorger Veranstaltungen und Feste der Parteien“, schreibt Spiegel-online.  „Allein Philip Morris hat zwischen 2010 und 2015 rund 544.000 Euro für Events von CDU, CSU, SPD und FDP sowie deren parteinahe Organisationen hergegeben.“

Ich selbst habe bereits vor 30 Jahren mit dem Rauchen aufgehört – Krebs drohte, da ich mit 14 Jahren meine Raucherkarriere begonnen hatte.

Die Werbung suggerierte gestern wie heute: Rauchen ist schön, Rauchen macht frei – bis sich beim Husten der aromatisierte Rauch mit Blut mischt. Bald danach gibt’s den Tod.

Auch die Nebenwirkungen von Alkohol sind hinlänglich bekannt: Alkoholismus treibt die Menschen in Einsamkeit oder Obdachlosigkeit, zerstört Familien und letztlich den einzelnen Menschen. Jedes Jahr sterben nach manchen Berechnungen rund 15.000, nach anderen Untersuchungen rund 80.000 Bundesbürger an den Folgen. Mehr dazu hier.

Zuckergenuß kann ebenfalls tödliche Folgen haben, wenn wir nach zu viel Zucker an Übergewicht, Diabetes und andere Krankheiten leiden – für Tod durch Zucker gibt es (noch) keine Statistik.

Trotz aller negativen und sogar tödlichen Folgen, dürfen die Unternehmen weiterhin für Zuckerprodukte, Tabak- und Alkoholkonsum Werbung machen. Vor allem zielen die Werbespots, Plakate, Flyer und andere PR- und Werbemaßnahmen auf die jungen Zielgruppen, die besonders leicht zu verführen sind: Das Kapital frisst – im wahrsten Sinn des Wortes – ihre Kinder.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                              Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

Peter Jamin

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