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Mit Bus-Bahn-Zug von DUS nach Köln – Weg mit den Dienstwagen für Rheinbahn-Manager

Carsharing macht Spaß – wenn man sich darauf einlässt. Aber mit Bus, Bahn oder Zug unterwegs zu sein ist nicht immer schön, meint unser Kolumnist Peter Jamin – und hat sich eine radikale Forderung für die leitenden Manager der Verkehrsbetriebe ausgedacht.

Screenshot Jamin

Carsharing ist gut. Für die Umwelt – und auch für mich, habe ich doch seit August vergangenen Jahres sehr häufig ein gutes Gewissen, weil ich nicht mehr zu den SUVverschmutzern im Straßenverkehr gehöre.

Allerdings muss man als Carsharer immer mit ein paar unangenehmen Hindernissen rechnen.

Am vergangenen Wochenende wollte ich Freunde in ihrem Garten in Köln besuchen. Die Bahn-App Navigator nannte mir zwar einige Verbindungen für Bahn-Bus-Zug von Düsseldorf nach Köln – aber keine Preise. Auch war es mir nicht möglich ein Verkehrsmittel-übergreifendes Ticket zu kaufen.

Auch die Handy-App der Rheinbahn und die VRR-App schwächeln bei solcherart Ansprüchen – wer von Stadt zu Stadt mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln des öffentlichen Personennahverkehrs fahren möchte, hat echte Probleme.

Angeblich soll es ja einen NRW-Tarif geben. In einer Pressemitteilung von Regio-Bahn.de heißt es: „Der NRW-Tarif ist der Nahverkehrstarif für NRW-weite Fahrten über die Verbundraumgrenzen hinweg. Innerhalb der Verkehrsverbünde gelten Verbundtickets. Der NRW-Tarif gilt stets von ‚Haus zu Haus’ und schließt die Benutzung aller Busse, Straßen-, Stadt- und U-Bahnen sowie von S-Bahn, RegionalBahn und RegionalExpress ein. Informationen zu Tickets, Freizeittipps und mehr zum NRW-Nahverkehr erhalten Sie unter: Nahverkehrsportal NRW.“

Mein Urteil: Nichts als leere Versprechungen unter www.nahverkehr.nrw.de. Der Ticketkauf im Internet war nicht möglich.

Ich machte also das: Handy-Ticket für die Fahrt bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof buchen, dann dort ein Ticket für den Regionalzug am Automaten kaufen und im Kölner Hauptbahnhof am Automaten ein Ticket für den Bus zu meinem Kölner Reiseziel kaufen.

Die Rückfahrt gestaltete sich glücklicherweise einfacher, da ich einen Smart von Car2Go von Köln nach Düsseldorf nehmen konnte.
Der öffentliche Personennahverkehr muss noch ordentlich nacharbeiten. Ich empfehle darum vor allem den Managern der Verkehrsbetriebe häufiger mit Bus-Bahn-Zug zu fahren – nur dann wird sich der Service bei Rheinbahn & Co verbessern.

Meine Forderung an die Aufsichtsräte der Verkehrsbetriebe und der Bahn: Alle leitenden Manager inklusive der Vorstandsmitglieder dieser Betriebe sollten grundsätzlich keinen Dienstwagen, sondern maximal ein Dienstfahrrad erhalten.

Ich hätte natürlich auch ein Taxi statt Bus-Bahn-Zug nach Köln nehmen können – das kostet dann aber etwa 90 Euro. Das sind die Summen übrigens, die Taxifahrer am Düsseldorfer Flughafen von den Passieren erwarten. Wer wie ich nur vom Flughafen nach Oberkassel für einen Gesamtpreis von etwa 30 Euro fährt, ist bei den meisten Taxifahrern nicht gern gesehen. Ich verzichte aus diesem Grund meistens am Flughafen auf ein Taxi und nehme den Bus: Für einen Zehntel des Taxipreises komme ich dann auch an mein Ziel und muss nicht das Genörgel unfreundlicher Taxifahrer ertragen. Busfahrer nörgeln nie.

Der Spiegel-Reporter Alexander Osang hat Begegnungen mit Taxifahrern der unmöglichen Art übrigens vor einige Zeit in einem Artikel sehr gut beschrieben – nämlich so:

„Ich steige am Berliner Hauptbahnhof ins Taxi, sage: ‚Guten Tag’, der Fahrer mustert mich im Rückspiegel, wartet.

‚Leider nur ’ne kurze Fahrt’, sage ich.

‚Schönen Schrank och’, sagt der Fahrer. ‚Dafür ha‘ ick jetzt ’ne Stunde jewartet oder wat.’

Vor einigen Jahren hat mich ein Berliner Taxifahrer nach einem anstrengenden transatlantischen Nachtflug mal mit drei Worten begrüßt, als ich meine Reisetasche auf seinen Rücksitz stellte. ‚Nee. Nee. Nee.’ Die nächsten sechs Worte waren: ‚Dafür is der Koffaraum da, Scheff.’

Die freundlichste Begrüßung der Taxifahrer in Hamburg, wo ich aus irgendeinem Grund immer nur Kurzfahrten antrete, geht so: ‚Ich bin ja verpflichtet, Sie zu fahren. Muss ich ja.’

Ich bin schon bei strömendem Regen durch Hamburg gelaufen. Das kurze Stück. Nur um diesen Gesprächen aus dem Weg zu gehen.“

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                          Ihr Peter Jami
n

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

Peter Jamin

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Peter Jamin
Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Milo Moire: Peter Palm
  • Peter Jamin im Maintower Kriminalreport mit Moderator Robert Hübner: Hessischer Rundfunk / Screenshot by Peter Jamin
  • jamin_corona_video_bundesregierung_anton_lehmann: Screenshot by Peter Jamin / Bundesregierung
  • jamin_corona: Peter Jamin / Peter Jamin
  • jamin_terror: Screenshot by Peter Jamin / Facebook-Video von Unbekannt
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