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Narren-Freiheit benötigt Mut

Der Düsseldorfer Heine-Kreis, dem auch unser Kolumnist Peter Jamin angehört, hat in dieser Woche seine „Auszeichnung für Zivilcourage“ an den Künstler, Karnevals-Satitiker und Wagenbauer Jacques Tilly verliehen. Er hat es verdient.

Pressearchiv Jacques Tilly

Gerade erst macht er weltweit mit seinem Brexit-Wagen Karriere, der erst im Düsseldorfer Karnevalszug die Massen begeisterte und dann in London die Brexit-Gegner.

Zivilcourage bewiesen

Jacques Tilly war sich nicht ganz sicher, ob das schon ausreicht, einen Zivilcourage-Preis zu erhalten. Das sagte er jedenfalls bei der Preisverleihung im Düsseldorfer Rathaus.

Tillys bescheidenen Einwänden widersprachen die Redner während der Preisverleihung.

Große Kunst und Satire

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel merkte an, dass der Wagenbauer „große Kunst und große Satire“ biete. Satire sei ein „nicht ungefährliches Geschäft“, stellte Geisel fest und verwies auf die Hass-Mails, die Tilly regelmäßig nach den Karnevalsumzügen bekommen hat: „Es gehört Zivilcourage dazu, sich mit den Feinden der Freiheit auseinanderzusetzen.“

Mut für Narretei

„Die ‚Auszeichnung für Zivilcourage“ möchte Menschen bestärken eine weltoffene, humanistische Haltung unentwegt zu zeigen“, stellte der Vorsitzende des Heine-Kreises, Dr. Andreas Turnsek, in seiner Eröffnungsrede mit Blick auf Tilly fest, „gerade dann, wenn es unbequem wird“. Er stehe mit seinen waghalsigen und wortwitzigen Botschaften für diese Zivilcourage.

Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Heine-Instituts, brachte es in ihrer Laudatio mit einem kurzen Satz auf den Punkt: „Narrenfreiheit benötigt Mut.“

Große Namen ausgezeichnet

Ich selbst gehörte einige Jahre der Jury an, die die Kandidaten für die „Auszeichnung für Zivilcourage“ mitbestimmt haben.
Musiker Peter Maffay, Politiker Wolfgang Bosbach, TV-Journalistin Dr. Antonia Rados, Schauspielerin Iris Berben, Theologe Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Küng, Schriftsteller Dr. H.c. Ralph Giordano und der Schriftsteller Prof. Dr. h.c. mult. Walter Kempowski hießen die Preisträger.

Mut zur Gesellschaftskritik

Ich finde auch, dass Jacques Tilly den Preis, eine Bronzeskulptur des Künstlers und Heine-Freundes Jörg Immendorff, verdient hat. Tilly hat es mit den Jahren geschafft, den Karneval und die Karnevalwagen aus dem seichten Fahrwasser herauszulenken hin auf eine vielbeachtete und geachtete, gesellschaftskritische Ebene.

Das erfordert Mut. Bewegt sich der Karneval doch viel zu oft in einem bierseligen Umfeld, wo der Spaß an der Freud’ allein im Mittelpunkt steht.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

Peter Jamin

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Peter Jamin
Peter Jamin

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

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