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Wahlblockade der Seniorenratswahl

Karneval ist vorbei. Jetzt wird es wieder ernst: Die Seniorenratswahl in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf steht an, schreibt unser Kolumnist Peter Jamin. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, stellt schnell fest, wie lieblos das Thema in Düsseldorf abgewickelt wird. Dabei sind immerhin 145.000 Düsseldorfer*innen betroffen.

Screen shot: Jamin

Da wären zum Beispiel die Kandidaten für den künftigen Seniorenrat. Bei einer Kommunalwahl werden die Düsseldorfer mit Plakaten, Broschüren und anderen Informationsmaterialien über die Ratskandidat*innen geradezu zugeschüttet. Bei der Seniorenratswahl erfährt man über die Kandidaten – fast nichts.

Keine Infos über Kandidaten

Es gibt auf der Homepage der Stadt Düsseldorf unter dem Stichwort Seniorenratswahl keine Infoseite mit persönlichen Darstellungen und Fotos der Kandidat*innen. In der Kontaktliste der Kandidat*innen gibt es nur die Postadressen, aber keine E-Mailadressen oder Telefonnummern geschweige denn deren eventuell vorhandenen Homepage-Adressen. Gute Kommunikation sieht anders aus.

Auf ein paar öffentlichen Veranstaltungen stellen sich die Kandidaten vor. Im Bezirk 4 kamen die Kandidat*innen beispielsweise am 20. Februar ins Rathaus Oberkassel. Die Wahlunterlagen zum Seniorenrat wurden jedoch erst zum 1. März verschickt. Viele Bürger*nnen erfuhren erst dadurch von der Seniorenratswahl. Sich über die vier Kandidaten für diesen Bezirk zu informieren, war offiziell nicht mehr möglich.

Namen sind Nachrichten

Für mich ist das eine echte Wahlblockade durch die Stadtverwaltung wie auch durch die regierenden Parteien SPD, Grüne und FDP. Wenn den Bürgern nur ein paar Namen zum Fraß vorgeworfen werden, ist das miese Politik. Da kann man genau so gut die Kandidaten auswürfeln. Oder würden Sie einen Oberbürgermeister-Kandidaten wählen, von dem Sie nicht mehr als den Namen wissen, Herr OB Geisel?

Namen sind Nachrichten, wissen Journalisten. Ohne weitere Informationen zur Person, den Vorlieben, Hobbys, Beruf, soziales und gesellschaftliches Engagement und Familienleben sind Namen allerdings nur Schall und Rauch.

Warum gibt’s keine Infos?

Ich habe nachgefragt. Bei Gisela Theuringer, amtierende und einzige Kandidatin im Bezirk 4, zu der im Düsseldorf-Internet eine E-Mail-Adresse zu erfahren war. Sie rief mich sogar persönlich an und informierte mich darüber, dass es noch zwei weitere, allerdings nicht öffentlich gemachte Termine für die Vorstellung der Kandidaten gebe. Bei der AWO und im Haus Lörick.

Das Amt für Soziales stellte nach meiner Anfrage per Mail fest: „Die bisher durch die Bezirksverwaltungsstellen geplanten und durchgeführten Vorstellungsrunden wurden vor der Versendung der Wahlunterlagen durchgeführt, damit Sie die Möglichkeit haben, sich vorab über die Kandidatinnen und Kandidaten zu informieren. Dies wurde sowohl auf der Internetseite der Stadt, als auch in der Presse publiziert.“

Kandidaten selbst verantwortlich

Die Kandidierenden seien für ihre Wahlwerbung selbst verantwortlich. In einigen Bezirken würden Kandidat*innen Flyer verteilen, um über sich zu informieren. Sind unsere Kommunikationsexperten* in der Stadtverwaltung tatsächlich so blind, dass sie nicht wissen, dass man Senioren-Kandidaten – wie anderen Kandidaten in der Kommunalpolitik auch – durch entsprechende Kommunikation vor allem auch im Internet unterstützen muss?!

(* Auch hier empfehlen wir der Konsequenz wegen ein Gender-Sternchen. Die Red.)

Die meisten „zentren plus“ legten nach Auskunft des Sozialamtes diese Flyer aus, viele Kandidierende seien auch dort vor Ort um sich vorzustellen. Erwartet das Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung und das Sozialamt etwa, dass sich 145.000 Senioren in die „Zentren plus“ begeben? Die meisten wissen nicht einmal, was das für Orte sind.

Mieser Job der Verwaltung

Für mich ist die mangelhafte Präsentation der Kandidat*innen eine miserable Behandlung des Seniorenrats durch die Stadtverwaltung. Die reiche Stadt Düsseldorf läßt die Kommunalvertretung der Senioren am langen Arm verhungern. Mir stellt sich auch die Frage, ob eine Seniorenratswahl bei dieser miserablen Vorstellung der Kandidaten überhaupt rechtsgültig ist?!

Die ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder des Seniorenrats ist lobenswert. Auch der persönliche Einsatz jeder einzelnen Kandidatin. Aber der Job muss ernster genommen, der Einfluß vergrößert werden. Das beginnt mit der Vorstellung der Kandidaten und endet noch lange nicht bei einem Sitzungsgeld für die Senioren, die ihren Job im Moment völlig kostenlos machen.

Beißt endlich zu Senioren!

Es sind große Aufgaben in Zukunft zu stemmen – Mangel an Altenheimplätzen, Kontrolle der Heimpflege, individuelle Beratungen, Alters-Armut, Generationenkonflikte und vieles mehr.

Noch ist der Seniorenrat – ein zahnloser Tiger. Ich sage nur: Beißt kräftig zu Senioren und laßt euch nicht alles gefallen!

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                              Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

 

Peter Jamin

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