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Der Konsument unter dem Mikroskop

Faszinierend und erschreckend zugleich: Die Euroshop 2017 gewährt einen Blick in die Zukunft des Konsumenten und verrät Tricks, die schon ein wenig Gänsehaut verursachen.

Messe Düsseldorf

Da ist ein leichterer Einkaufswagen mit besseren Rollen, der dem Käufer noch Platz für weitere Produkte vorgaukelt, noch einer der kleinsten. Letztendlich wird das Virtuelle Realität.

Wie kann die Branche noch mehr absetzen? Wie kann der Kunde noch individueller angesprochen werden? Dies sind zwei Kernfragen, um die sich neben dem Einzelhändler schon lange diverse andere Branchen als Zuträger von Informationen und Daten bemühen. Auf der Euroshop versuchen nun rund 2.350 Aussteller aus 61 Ländern in 18 Messehallen ihre Vorstellungen davon zu präsentieren und zu verkaufen.

Der verstärkte Einsatz der Marktforschung, das Auswerten der Laufwege, der Verkaufsorientierung, der Beziehung von Wochentagen zum Einkaufsverhalten und vieles mehr bestimmen schon heute die Ansprachen des Kunden, ohne das er es merken soll. Doch das soll noch genauer und individueller geschehen.

Am Beispiel eines Minisupermarktes präsentiert die deutsche Softwareschmiede SAP seine Vorstellungen. In Kooperation mit Allgeier Enterprise wird folgendes Szenario dargestellt: Über die Überwachungskamera wird das Alter, das Geschlecht und die Stimmung des Kunden über dessen Mimik und Haltung beim Betreten des Marktes analysiert. Während er dann durch die Regalreihen seinen leichten Hightech-Einkaufswagen schiebt, werden auf diversen digitalen Displays, an denen er vorbeikommt, basierend auf der Eingangsanalyse individuell abgestimmte Produkte beworben. In dem Fall der Erstanalyse – besipeilsweise schlechte Laune – vielleicht Schokolade oder sogar ein lustiger Werbeclip, was seine Stimmung aufhellt und ihn konsumfreundlicher stimmt.

Diese Entwicklung basiert auf einer Echtzeitanalyse des Kunden, ein System, dass SAP vor einigen Jahren entwickelt hat. Ob letztendlich der Kunde samt seines Einkaufes abgespeichert und beim nächsten Betreten zugeordnet wird oder besser wiedererkannt werden darf, denn das „kann“ ist keine Frage, bestimmt dagegen die Politik.

Da erfreut es den Laien schon etwas, wenn das System Hunde manchmal als Kinder und Kinder als Hunde erkennt.

Produktkauf und Kaufempfehlung rücken ebenfalls verstärkt in den Fokus. Auch hier ein Beispiel aus dem Alltag. Beim Abwiegen des Käses an der Theke erscheint auf dem Display, das dem Kunden zugedreht ist, eine weitere auf das Produkt abgestimmte Empfehlung oder auf dem Bonausdruck ein QR-Code für ein Rezept samt Einkaufsliste.

Ein weiterer Trend ist der vermehrte Blick des Einzelhandels auf die Ausgangssituation. Während alles daran gesetzt wird, den Kunden länger in der Erlebniswelt Kaufhaus oder Supermarkt zu halten, soll er an der Kasse schneller abgefertigt werden. Eine Möglichkeit ist die Selbstbedienungskasse, wie sie schon bekannt ist, in Kombination mit einer Ausgangsschleuse, die das Verlassen des Marktes in Kombination von Ware und Kassenbon ermöglicht, um Diebstählen vorzubeugen.

Da nimmt es sich schon archaisch an, wenn plötzlich ein „einfacher“ Rollengrill der Firma Aichinger als Messeinnovation angepriesen wird. Wobei einige Bäckereien dessen Vorzüge bereits erkannt haben.

Jedoch gilt: Unternehmen, die sich heute noch auf den Verkauf von Schaufensterpuppen bei der Warenpräsentation ausgerichtet haben – und mögen sie noch so exclusiv sein – sollten ihren Nachruf bereits vorbereitet in der Schublade liegen haben und ihren Grabstein bei einem 3-Drucker – ebenfalls auf der Euroshop vertreten – in Auftrag geben.

 

Manfred Fammler

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