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Handwerk: Eigenkapitalquoten bei Kfz- und Nahrungsmittel-Betrieben erodieren

Die Eigenkapitalquoten der Kfz-Betriebe schmelzen in der Corona-Krise dahin

Die Insolvenzen im Handwerk spiegeln nicht den tatsächlichen Zustand der Betriebe, denn die Corona-Krise sorgt für deutliche Einschnitte bei Liquidität und Eigenkapital: 17,9 % der Handwerker geben an, dass sich ihr Eigenkapital coronabedingt reduziert hat. Vor allem im Kfz-Gewerbe und dem Nahrungsmittelhandwerk die Eigenkapitalquote geradezu erodiert. Gerade diese beiden Bereiche sind es auch, die am häufigsten auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Vielfach müssen Inhaber auf Reserven oder privates Kapital zurückgreifen, um zahlungsfähig zu bleiben. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk durch Creditreform.

Die Corona-Krise hat die Belastungen für die Unternehmen im Handwerk spürbar erhöht. Zwar sehen sich aktuell nur 8,2 Prozent der Betriebe in einer Unternehmenskrise, allerdings liegt der Anteil der kriselnden Unternehmen im Kfz-Gewerbe (21,2 Prozent) und im Nahrungsmittelhandwerk (19,0 Prozent) mit rund einem Fünftel bereits sehr hoch. „Auch wenn sich diese Entwicklungen in den Insolvenzzahlen und Gewerbeabmeldungen bislang kaum spiegeln, sorgt die Krise doch erkennbar für Einschnitte bei der Liquidität und dem Eigenkapital. Vielfach müssen Inhaber auf Reserven oder privates Kapital zurückgreifen, um zahlungsfähig zu bleiben“, so Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

So haben 17,9 Prozent der befragten Handwerksbetriebe angegeben, dass sich ihr Eigenkapital coronabedingt reduziert hat. Im Kfz-Gewerbe nahm das Eigenkapital sogar bei jedem dritten Unternehmen (33,9 Prozent) ab. Knapp ein Zehntel der Befragten im Handwerk (8,9 Prozent) hat im Zuge der Corona-Situation seinen Eigenkapitalpuffer aufgestockt. Insbesondere das Baugewerbe hatte dafür zuletzt noch die Möglichkeiten.

Im Kfz-Gewerbe schwinden die Reserven

Dank der positiven Entwicklungen im Baugewerbe blieben die Eigenkapitalquoten im Handwerk in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt vergleichsweise stabil. Knapp ein Drittel der Befragten (32,4 Prozent) gilt als eigenkapitalschwach mit einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent. Das entspricht etwa dem Anteil aus dem Vorjahr (32,7 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die über eine hohe Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent verfügen, stieg leicht von 21,5 auf 23,6 Prozent. Bei einem Andauern der Einschränkungen wird dieser Puffer aber schnell schrumpfen.

„Die Corona-Krise hat insbesondere dem Kfz-Gewerbe und dem Nahrungsmittelhandwerk zugesetzt. In diesen Bereichen kam es zu einer regelrechten Erosion der Eigenkapitalquoten“, warnt Hantzsch weiter. Der Anteil der eigenkapitalschwachen Betriebe nahm von 27,7 auf 33,9 Prozent (Kfz-Gewerbe) beziehungsweise von 20,9 auf 33,3 Prozent (Nahrungsmittelhandwerk) zu. Beide zählten in der Vergangenheit zu den eigenkapitalstärksten Wirtschaftsgruppen im Handwerk überhaupt. Das ist nun Geschichte – die Reserven sind vielfach aufgebraucht.

Nur noch 22,9 Prozent (Kfz-Gewerbe) bzw. 30,6 Prozent (Nahrungsmittelhandwerk) der Betriebe verfügen über eine komfortable Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Im Vorjahr waren es im Kfz-Gewerbe noch 25,7 Prozent und im Nahrungsmittelhandwerk 41,9 Prozent. Hantzsch: „Vor diesem Hintergrund muss die finanzielle Talfahrt bei den Betrieben dringend aufgehalten werden, um Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und damit die Insolvenz vieler Handwerker abzuwenden.“

Bildquellen

  • Eigenkapital im Handwerk: Creditreform
  • Kfz Auto Werkstatt: Tim Reckmann / pixelio.de
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