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Warum ist die Kö so schön?

Für business-on traf sich Susan Tuchel mit Markus Lehrmann, dem Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

Architektenkammer NRW

Städtebaulich gelungen empfinden die meisten Menschen Paris und auch die Königsallee – beide sind aus einem Guss. Was früher das Amt von Hof-, Garten- und Stadtbaumeistern war, übernehmen heute Stadtplanung, Städtebau und Architekten. Für die Förderung der Baukultur in NRW ist die Architektenkammer mitverantwortlich.

Business-on.de: Nach Herzenslust planen und bauen, das funktioniert heute nicht mehr wie zu Zeiten des nicht unumstrittenen Architekten Friedrich Tamms. Der war nämlich nicht nur beratender Architekt beim Bau der Reichsautobahn und in Albert Speers Planungsstab für die Reichshauptstadt Berlin tätig. Er funktionierte mit der Berliner Allee Düsseldorf zu einer autogerechten Stadt um, baute den Tausendfüßler und entwarf die Schrägseilbrückenfamilie, die die beiden Rheinseiten verbindet. Das waren städtebaulich große Würfe. Wie sieht das heute aus?

  • Markus Lehrmann: Über das, was heute gebaut wird, entscheiden die Parlamente. Auch wenn Tamms umstritten war: Städten tut eine einheitliche Planung eher gut. Es fehlt uns heute der Stadtbaumeister. Architekten und Stadtplaner haben die Aufgabe dazu beizutragen, dass sich die Bewohner wohl fühlen. Es geht um die Schaffung urbaner Quartiere: mit vielfältigen Nutzungen und sozial durchmischt. Das schafft Identifikation und Heimat.

Business-on.de: Düsseldorf platzt aus allen Nähten. 2030 sollen fast 80 Prozent aller Deutschen in Städten leben. Wie geht die Architektenkammer mit dem demografischen Wandel und den Herausforderungen um?

  • Markus Lehrmann: Zum Beispiel durch Wissenstransfer: Die Architektenkammer NRW mit ihren 31.000 Mitgliedern hat 2014 die Aktionsplattform „NRWlebt.“ ins Leben gerufen. In sieben Veranstaltungen, die im ganzen Land stattfanden, haben wir mit den Akteuren aus Politik und Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Planungsbranche diskutiert. So konnten wir Best Practice-Beispiele zu „Leben ohne Schranken“, „Mobil Leben“, „Grüner Leben“, „Leben in neuer Heimat“, „Anders Leben in der Stadt“ und „Landleben“ vorstellen. Die Abschlussveranstaltung findet übrigens am 3. Mai in Düsseldorf statt.

Business-on.de: Wie sensibilisieren Sie die Bürger für die Architektur ihrer Heimat?

  • Markus Lehrmann: Mit Hilfe unserer dynamischen Datenbank baukunst-nrw, die auch als App heruntergeladen werden kann. In der App finden sich über 1.500 Bauwerke, die auf besondere Werke der Architektur und Ingenieurbaukunst aufmerksam machen. Wir verzeichnen monatlich 60.000 Besuche. Aktuell arbeiten wir daran, dass Joggingstrecken nach den Bauwerken ausgerichtet werden können.

Business-on.de: Wie wird sich Düsseldorf Ihrer Ansicht nach baulich verändern?

  • Markus Lehrmann: Düsseldorf wird dichter, horizontal und vertikal. Das muss kein Nachteil sein, wenn Hochhäuser an den richtigen Stellen gebaut und Brachflächen verantwortungsvoll reaktiviert werden. Eine besondere Bedeutung haben Baulücken und untergenutzte Grundstücke. Das haben wir bereits vor Jahren durch die Aktion „1.000 Baulücken in NRW“ nachgewiesen.

Business-on.de: Warum ist innerstädtisches Bauland so wichtig?

  • Markus Lehrmann: Es ist ökonomischer, auf bereits erschlossenen Grundstücken zu bauen als auf der grünen Wiese. Deren Erschließung ist bis zum 25fachen teurer. Ein Großteil dieser Kosten trägt die öffentliche Hand. Das ist unverantwortlich, solange Baulücken, Brachen und untergenutzte Grundstücke innerhalb der Städte vorhanden sind. Wir müssen diese Flächen mobilisieren. Ein Instrument kann eine reformierte Grundsteuer sein, die bebaute Grundstücke entlastet und unbebaute Grundstücke belastet.

Tipp: Bis zum 18. Januar ist im Düsseldorfer Haus der Architekten, Zollhof 1 die Ausstellung zum Fotowettbewerb „Nicht ganz dicht! Besser zusammenleben im geförderten Wohnungsbau“ zu sehen.

 

Susan Tuchel

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