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Jamin-Kolumne: Kahlschlag an der Kunstakademie

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Kunstakademie Düsseldorf

Heute hier, morgen da. Immer wieder werden in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf Bäume geopfert. Hier ein paar, dort ein paar mehr.

Wenn die Planung realisiert wird steht womöglich ein Kahlschlag der Bäume vor der Kunstakademie an – siehe Foto. Das für den Klimaschutz so wichtige Grün soll einem Erweiterungsbau weichen. Was meinen denn die Umweltschützer dazu? Bäume opfern für die Kunst?

Natur als Dekoration

Für den geplanten Erweiterungsbau der Kunstakademie wird nicht nur der freie Blick auf das historische Gebäude geopfert. Es werden auch nicht nur Bäume gefällt und Rasen und Buschwerk vernichtet und eine fette Betonlandschaft geschaffen werden. Es wird auch zwei Deko-Bäume geben: Für zwei Bäume sollen  – einem Alibi für Naturschutz gleich – innerhalb des geplanten Erweiterungsbau der Kunstakademie schmale Nischen reserviert werden.

Für mich ist das nicht mehr als Dekoration. Denn Bäume benötigen Raum und Luft und Licht, um sich zu entwickeln. Sie wollen wild wachsen. Doch wenn sie von drei Seiten mit Beton ummantelt und ab einer bestimmten Größe sicherlich auch regelmäßig beschnitten werden, fehlt es ihnen an guten Lebens- und Umweltbedingungen.

BUND reagierte nicht

Fraglich ist auch, ob es sich bei den beiden Nischen-Bäumen um bereits auf dem Gelände wachsende Bäume handelt?! Denn bei den vorhandenen Bäumen wachsen die Wurzeln sicherlich nicht senkrecht in den Boden. Für das Fundament des Erweiterungsbaus müssten die Wurzeln der Bäume, die man möglicherweise erhalten will, rundum gekappt werden.

Das wird kein Baum überleben. Die geplanten Deko-Bäume dürfen sich im Übrigen auch nicht natürlich ausbreiten, denn sonst stören sie das Kunstbau- und schädigen das Bauwerk. Aber was sagen nun die Naturschützer? Meine Anfrage beim BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, wurde nicht beantwortet.

Noch einige Fragezeichen

Ich fragte auch bei der Kreisgruppe Düsseldorf der Grünen, was sie denn vom Kahlschlag für die Kunstakademie halten. „Auch bei uns gibt es zu den vorgelegten Planungen zur Erweiterung der Kunstakademie noch einige Fragezeichen“, antwortete mir Pressesprecherin Bianca Bernhard. „Auch wir sind noch nicht final davon überzeugt, dass es sich hier um die beste Lösung für die Stadt, die Kunstakademie und die Bäume handelt.“

Vor diesem Hintergrund werden die Grünen im Düsseldorfer Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung am 3. November eine Anfrage einbringen, die sich mit dem vorgestellten Entwurf von Akademierektor und Architekt Petzinka auseinandersetzt und den Prozess kritisch hinterfragt.

Bäume berücksichtigt

Grundsätzlich begrüßen die Grünen allerdings „die Tatsache, dass sich bei dem vorgelegten Entwurf – im Gegensatz zu vielen anderen Planungsvorhaben in der Stadt –  zumindest mit einem Teil des Baumbestandes auseinandergesetzt wurde und dieser in die Planung integriert wurde“.

In der Stellungnahme der Grünen-Partei heißt es weiter: „Inwieweit der Baumbestand so langfristig gesichert werden kann und ob die Bäume ausreichend Platz haben, muss im weiteren Verfahren definitiv noch geprüft werden.“

Um jeden Baum kämpfen

Immerhin soll die Kunstakademie ja Teil des Stadtprojekts „Blaugrüner Ring“ werden. Ziel des Projektes ist es, „aus den innerstädtischen Grün- und Uferzonen mit Rhein und Parkanlagen sowie den dortigen Museen und Kulturinstitutionen eine einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft entstehen zu lassen“.

Wenn man schon nicht den Klimaschutz und -wandel im Blick hat, lohnt es sich doch in jedem Fall für dieses Prestigeobjekt um jeden Baum zu kämpfen.

So bist Du gut informiert: Hier geht‘s zu meiner 1. Kolumne zum Erweiterungsbau („Ein Hühnerstall für die Kunstakademie“), hier geht‘s zur 2. Kolumne zum Erweiterungsbau der Düsseldorfer Kunstakademie („Denkmalschützer mit schwachen Argumenten“).

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Kunstakademie Düsseldorf: Jamin
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