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Jamin-Kolumne: Kein Schlachtfeld für Polizist*innen

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Vor einigen Jahren habe ich ein Buch über Gewalt gegen Polizist*innen geschrieben. Der Titel lautete: „Abgeknallt“. Damals fragte ich mich, ob dieser Titel nicht viel zu hart sei.

In diesen Tagen stehen allerdings zwei Täter in Rheinland-Pfalz vor Gericht, die im Januar dieses Jahres zwei junge Polizist*innen mit mehreren Schüssen in Kopf und Körper brutal abgeknallt haben, um ihre Wilderei zu verdecken.

Buchtitel auf den Punkt

Darüber hinaus ermittelt die Polizei gegen ein Mann, der dazu aufgerufen hat dieser Tat weitere folgen zu lassen. Ich denke, dass der Buchtitel „Abgeknallt“ eigentlich den Punkt getroffen hat. Und der Inhalt des Buches hat an Aktualität nichts verloren – im Gegenteil.

Ich habe das Buch damals für den Verlag der Gewerkschaft der Polizei (GdP) geschrieben.  Es ist schon längere Zeit nicht mehr lieferbar und vermutlich nur noch über das moderne Antiquariat oder Internetanbieter wie Amazon lieferbar.

Geschichte einer Geiselnahme

In diesem erzählenden Sachbuch schreibe ich die Geschichte einer Geiselnahme. Die dramatische Gefangennahme eines Polizisten, der nach Mitternacht ahnungslos in seiner Dienststelle in Passau am Schreibtisch sitzt und Büroarbeiten erledigt.

Ein Bürger bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach seiner Frau. Während des Gesprächs wird der Polizist von dem Mann plötzlich angegriffen. Er wehrt sich, will Hilfe holen, verliert bei einem Sturz seine Waffe und wird schließlich in den Kopf geschossen.

Kampf auf Leben und Tod

Schwer verletzt kämpft der Mann ab jetzt 55 Minuten lang gegen sein eigenes Sterben und gleichzeitig für die Rettung seiner Kollegen. Ein deutsches Polizistenschicksal – kein Einzelfall.

Darum schildere ich nicht nur die Ereignisse selbst, sondern auch die Folgen für die Betroffenen: Die Reaktionen und Überlegungen des Opfers, den Strafprozess gegen den Täter, die Reaktionen von Polizeiführung und Politik wie auch die Folgen für unsere Gesellschaft, wenn Verbrechen wie diese zur Tagesordnung in Deutschland werden.

Über die wachsende Gewalt

In diesem Buch befasse ich mich mit der wachsenden Gewalt gegen Polizisten und schildere dramatische Szenen aus dem Leben von Menschen, die den Auftrag haben, dem Bürger zu helfen und die während ihres Dienstes jeden Moment damit rechnen müssen, von diesen angegriffen, verletzt oder gar erschlagen, erstochen oder erschossen zu werden.

Polizisten haben einen der gefährlichsten Berufe der Welt. Fast 300.000 Polizisten, Bundespolizisten und Vollstreckungsbeamte der Justiz arbeiten in Deutschland. In jeder Sekunde ihres Jobs kann es passieren, dass die Welt für sie plötzlich Kopf steht.

Opfer eines Massenangriffs

Sie schlichten einen Ehestreit – und werden angegriffen. Sie trennen Streithähne bei einer Hochzeit – und werden Opfer eines Massenangriffs. In meinem Buch habe ich darüber geschrieben, in welcher Situation sich die Polizei in diesen Zeiten befindet. Welcher Gewalt sie ausgesetzt ist. Wie sie sich dagegen wehren kann. Und welche Gefahren das für die Gesellschaft birgt. Eigentlich müsste ich dieses Buch jetzt noch einmal schreiben oder eine überarbeitete Fassung erneut veröffentlichen. Denn die Zeiten sind noch viel schlimmer für die Polizei geworden.

Gewalt durch Polizisten

Ich möchte mit diesem Text natürlich nicht davon ablenken, dass es immer wieder auch Gewalt der Polizei gegen Bürger*innen gibt. Aber das ist ein anderes Thema. Wenn ich heute darüber schreibe, wie gefährlich der Polizei-Beruf ist, dann nur, weil er noch gefährlicher ist als vor einigen Jahren.

Die Statistiken beweisen zudem, dass häufiger Menschen bereit sind, mit brutaler Gewalt gegen Polizisten wie auch gegen andere Staatsbedienstete, etwa Feuerwehrleute oder Rettungssanitäter, vorzugehen. In NRW beispielsweise ist im vergangenen Jahr statistisch gesehen etwa jeder zweite Polizeibeamte Opfer von Gewalt geworden.

Der Entwicklung entgegentreten

Dieser Entwicklung in der Gesellschaft müssen wir vorbeugen beziehungsweise etwas dagegen unternehmen. Polizisten wie auch Feuerwehrleute und Rettungssanitäter helfen in der Regel den Bürger*innen in einer Notsituation.

Das müssen wir uns jeden Tag klarmachen und das sollten wir vor allen Dingen jenen erzählen, die eine abwehrende Haltung gegenüber der Polizei haben oder sie gar hassen. Wir müssen vermeiden, dass sich Polizisten in Zukunft auf der Straße wie auf einem Schlachtfeld fühlen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Abgeknallt Peter Jamin: Jamin
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