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Jamin-Kolumne: Verkehrsstaus sind Terror – Anmeldestopp für Neuwagen

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Verkehrsstau-Terror währen der "Größten Kirmes am Rhein" in Düsseldorf-Oberkassel

Den Klimaschützern der „Letzten Generation“ wird vorgeworfen, dass sie bei ihren Aktionen Menschenleben gefährden. Indem sie sich auf die Straße kleben, würden Sie Verkehrsstaus erzeugen, durch die Menschen zu Tode kommen könnten. Etwa weil ein Rettungswagen mit einem Schwerverletzten nicht rechtzeitig ein Krankenhaus erreicht.

Dazu einige Zitate, die diese Vorwürfe belegen: „Diese Leute sind extremistisch, egoistisch und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Menschenleben“, klagt der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Der FDP-Politiker Gerhard Papke nennt sie auf Twitter eine „durchgeknallte Bande“. Für den CSU-Politiker Alexander Dobrindt sind sie „Klima-Chaoten“ und eine „Klima-RAF“ – also Terroristen.

Bevölkerung in Geiselhaft

CDU und AfD in Berlin fordern – wie Dobrindt – härtere Strafen für Blockierer. Berlins Innen­senatorin Iris Spranger (SPD) meint: „Es gibt keine Rechtfertigung dafür, das Leben anderer zu gefährden. (…) Diese Blockierer und Blockiererinnen nehmen die Bevölkerung bewusst in Geiselhaft und die Gefahren in Kauf.“

„Wer durch Protestaktionen die Rettung von Menschenleben gefährdet, diskreditiert nicht nur die hehren Ziele, für die er/sie kämpft, sondern verspielt damit auch Glaubwürdigkeit“, twitterte der Grünen-Co-Vorsitzende Omid Nouripour.

Staus gefährden Menschenleben

CDU-Generalsekretär Mario Czaja wetterte auf Twitter: „Weil Klimaschwurbler von LetzteGeneration in Berlin auf der Straße klebten, kamen Rettungskräfte erst spät zu einer schwerverletzten Radfahrerin. Diese Proteste sind nicht nur ein Ärgernis für Autofahrer, sie gefährden Menschenleben.“

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, spricht davon, dass es Zeit sei, „sich mal vom Märchen des harmlosen Protests“ zu verabschieden: „Wer Verkehrswege blockiert, riskiert und behindert die Handlungs­fähigkeit der inneren Sicherheit und nimmt auch bewusst in Kauf, dass Menschen in Not länger auf Hilfe von Polizei und Feuerwehr warten müssen.“

Terror durch Kirmes-Stau

Wenn ich dieser Logik folge, sind also Verkehrsstaus und die verursachenden Straßenblockierer wie etwa die „Letzte Generation“ eine ungeheuer gefährliche Sache. Ja, das Verursachen von Verkehrstaus ist geradezu ein terroristischer Akt. Das bedeutet, dass man in Deutschland unbedingt Verkehrsstaus mit allen Mitteln verhindern muss, um Menschenleben zu retten. Nur wie könnte das geschehen?

Was soll man beispielsweise in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf mit der „Größten Kirmes am Rhein“ und ihren 4 Millionen Besucher*innen machen. Dort gibt es in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf-Oberkassel jedes Jahr zehn Tage lang jeden Abend kilometerlange Autostaus. Echter Kirmes-Stau-Terror verursacht durch @StSebastianusSchützen, von denen vermutlich viele sogar einen Waffenschein besitzen!

850.000 KM Stau-Terror

Sind die Veranstalter, die St. Sebastianus-Schützen, also Stau-Terroristen? Ich habe in diesem Jahr selbst beobachtet wie ein Rettungswagen auf der Luegallee, jener Hauptverkehrsader, die zur Rheinkirmes führt, im Kirmes-Stau stand. Nichts ging mehr.

Laut Staubilanz des ADAC gab es 2021 in NRW 215.500 Staus, auf Deutschlands Straßen insgesamt 685.000 Staus. Die Dauer der Verkehrsstörungen summierte sich auf 346.500 Stunden, die Gesamtlänge betrug 850.000 Kilometer. Die durch diesen Stau-Terror verursachten Toten werden allerdings weder von Behörden noch vom ADAC gezählt.

Rettungskräfte täglich im Stau

Jeden Tag stehen Hunderttausende Autofahrer*innen in Verkehrsstaus auf Deutschlands Straßen. Aus unterschiedlichen Gründen: Da ist etwa ein Unfall. Dort stimmt die Ampelschaltung nicht. Da fahren Autofahrer zu schnell oder zu langsam. Dort ist eine Großveranstaltung oder an einer Baustelle findet ein Lkw-Manöver statt.

Ein Insider berichtete dazu auf Twitter: „TAGTÄGLICH stecken wir Rettungskräfte im Stau fest. Jeden einzelnen verdammten Einsatz!!! Die Gründe sind mit WEITEM Abstand folgende: Falschparker*innen, Zweite-Reihe-Parker*innen, Baustellen, Fehlende Rettungsgassen. Generell viel zu viele Autos auf viel zu wenig Platz.“

Zweite-Reihe-Terroristen verhaften

Was kann man nun gegen den Terror tun? Es wird wohl kaum helfen alle Zweite-Reihe-Parker oder Baustellenfahrer, die Staus verursachen, wg. Terror auf der Straße verhaften. Es wird auch keine Terror-Verordnung der Regierung helfen, dass zukünftig Verkehrsstaus bei Androhung harter Strafen verboten sind. Daran hält sich kein Autofahrer.

Meines Ermessens gibt es nur eine Lösung: Es dürfen nur noch weniger Autos auf Deutschland Straßen fahren. Das bedeutet: Wir benötigen dringend einen Anmeldestopp für neue Autos. Wir müssen so lange auf die Neuanmeldungen von Autos verzichten, bis es in Deutschland keine Verkehrsstaus mehr gibt.

Neuwagen-Stop gegen Staus

Sicherlich ist das nicht im Sinne der Auto-Nation Deutschland, ihrer Autoindustrie und ihrer Autofahrer*innen. Doch wenn wir die vielen Menschenleben retten möchten, die vermutlich tagtäglich durch Verkehrsstau-Terror ums Leben kommen, dann müssen wir konsequent sein. Also: Eine große Koalition im Bundestag gegen die Verkehrsstaus!

Ein Neuwagen-Stopp für ganz Deutschland. Das ist die Lösung, wenn wir die Argumente der Kritiker gegen die „Letzte Generation“ ernst nehmen. Ein sehr willkommener Nebeneffekt der Maßnahme: Wenn wir Deutschlands Wagenpark um die Hälfte verringern, schaffen wir auch viel gute Luft gegen die Klimakatastrophe. Der Verkehr ist ja Hauptverursacher des Klimawandels. Aber ob die Wähler*innen dabei mitmachen?

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Kirmes_Düsseldorf_Stau_Oberkassel: Facebook
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