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Jamin-Kolumne: Vermisste in der Flutkatastrophe

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

In den vergangenen Tagen erlebte Deutschland eine der größten Flutkatastrophen seit langem. Mit voraussichtlich mehr als 150 Toten und der verheerenden Zerstörung von Wohngebäuden und städtischer Infrastruktur einher ging eine außergewöhnlich große Solidarität der Bürger*innen.

In vielen Städten und Gemeinden sammelten engagierte Menschen alles, was in der Not gebraucht wird. Von Decken und Handtücher bis zu Kleidung und Kinderspielzeug. Auch in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf-Oberkassel fanden sich unter @lupoduesseldorf solche Helfer*innen – in einem Friseursalon.

Wenig Infos über Vermisste

Doch wann immer Wasserfluten mit zerstörerischer Kraft wüten, gibt es auch vermisste Menschen. Für sie fanden sowohl Medien wie auch das Unglück kommentierende Politiker und Behördenmitarbeiter wenig Worte.

Ich finde das verständlich. Doch ich möchte an dieser Stelle unbedingt darauf eingehen. Schließlich befasse ich mich seit rund 30 Jahren mit dem Thema und kenne mich aus mit der Situation vor allem der Angehörigen von Vermissten.

Zeitweise 1300 Vermisste gemeldet

Niemand kann sich eigentlich vorstellen, was es bedeutet in einer Flutkatastrophe nicht nur sein Heim zu verlieren, sondern auch noch einen geliebten Menschen aus den Augen zu verlieren Das aber ist in den vergangenen Tagen zahlreich passiert. Zeitweise war von mehr als 1300 Vermissten die Rede. Wie es üblich ist wandten sich die Angehörigen zunächst an die Polizei und ließen die Vermissten dort registrieren. Doch da die Polizei in den betroffenen Orten nicht genug Personal zur Verfügung hatte, konnte nicht nach den Verschwundenen gesucht werden.

Vermisst-Homepage einrichten

Auch waren zeitweise keine Telefon- und Handygespräche in den Katastrophengebieten möglich. So konnten sich Menschen nicht gegenseitig anrufen und mitteilen, dass es ihnen gut geht. Die Verzweiflung unter den Betroffenen war natürlich groß. Diese Flutkatastrophe zeigte mir einmal mehr, dass wir eine NATIONALE-VERMISST-INTERNETSEITE in Deutschland benötigen.

Auf einer solchen Homepage hätten sowohl wichtige Nachrichten der Behörden wie auch private Informationen von Vermissten und ihren Angehörigen ausgetauscht werden können. Ich fordere eine solche Internetseite schon seit Jahren und werde mich jetzt noch einmal verstärkt für die Einrichtung bei der Bundesregierung u.a. Institutionen einsetzen.

Talk über ermordete Leonie

Eigentlich wollte ich in dieser Woche über zwei andere Themen schreiben, die ebenfalls die Vermissten betreffen: Anfang der Woche war ich in Emden, wo die Stadtverwaltung in Zukunft mit meiner Unterstützung Angehörige von Vermissten beraten wird. Ein Pilotprojekt für Deutschland.

Und am Donnerstag war ich in der österreichischen Talkshow „Hangar-7“ in Salzburg. Es ging um den Tod der 13-Jährigen Leonie aus einem Ort in der Nähe von Wien. Das Mädchen war erst vermisst gemeldet worden. Dann stellte sich heraus: Vier junge afghanische Flüchtlinge hatten das Kind getötet. In der nächsten Kolumne mehr dazu.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Flutkatastrophe: Jamin
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