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Jamin-Kolumne: Wie das Buch mißachtet wird

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Es ist ja schon seit längerem zu beobachten: Das Buch spielt in Tageszeitungen, Radio und Fernsehen keine große Rolle mehr. Sicher, die „große“ Literatur, Bestseller und Bücher von Bohlen & Bushido finden noch Beachtung. Doch für die Bücher normaler Schriftsteller findet kaum noch jemand passende Worte.

Der NDR versenkte vor Weihnachten sein „Bücherjournal“. Ab März kippt der WDR die tägliche Buchrezension in der Sendung „Mosaik“ von WDR3. Und laut Süddeutscher Zeitung stehen weitere vier Literatursendungen und -rubriken im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Disposition.

Offener Brief an den WDR

Literaturkritiker veröffentlichten nun einen offenen Brief an den WDR: „Es werden im Jahr um die 250 Bücher weniger besprochen. Viele Verlage werden mit ihren Büchern im ‚Kulturradio‘ WDR3 gar nicht mehr vorkommen.“ Die Literaturkritiker fordern: „Die Entscheidung, die Sendeplätze für Literatur und Sachbücher zu reduzieren und die tägliche Rezension zu streichen, muss entweder zurückgenommen werden oder es muss ein schlüssiges Konzept vorgelegt werden, wie weiterhin gewährleistet wird, die Vielfalt der Literatur und ihrer Rezeption abzubilden.“

Klappern gehört zum Job

Ich bin sicher, dass die Autor*innen des offenen Briefes keinen Erfolg haben werden. Wer die Macht hat, hat das Sagen. In den Machtzentralen des deutschen Kulturlebens haben Buch und -Autoren nur noch wenige Fürsprecher. Ich selbst habe mich schon lange darauf eingestellt, dass das Klappern für meine Bücher nicht nur zum Job gehört, sondern auch mit vielen Fehlschlägen verbunden ist. Mein aktuelles, mein für mich wohl wichtigstes Buch „Ohne jede Spur. Wahre Geschichten von vermissten Menschen“ aus dem Rowohlt-Verlag wurde beispielsweise vom WDR nicht beachtet.

„Volle Kanne“ ohne Buch

Die ZDF-Fernsehsendung „Volle Kanne“ lud mich zwar zu einer Sendung ein, um mit mir als Experten über mein Spezialthema „Vermisste Menschen“ zu sprechen. Mein neues Buch, zum Thema passend, wollte man aber nicht einmal mit dem Buchtitel erwähnen. Ich verzichtete.

Die mit rund 100.000 Auflage allein in Düsseldorf größte Tageszeitung, die Rheinische Post, schaffte es im Lokalteil immerhin zu einem Einspalter zu meiner Lesung anlässlich der Düsseldorfer Literaturtage. Eine echte Buchbesprechung war das nicht.

Großes Interview in der WZ

Auch die Lokalausgaben von NRZ, Bild und Express in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf haben „Ohne jede Spur“ ignoriert. Dankbar bin ich der Westdeutschen Zeitung (WZ) für ein großes Interview von @MichaelGeorgMüller mit dem Titel „Peter Jamin: Der Chronist der verschwundenen Menschen„. Mit viel Engagement als PR-Manager in eigener Sache habe ich es dann aber in Medien wie Spiegel, HörZu, Bild-Deutschland bis hin zu Ostfriesenzeitung und Mitteldeutscher Zeitung geschafft. Meine Website ohnejedespur.de gibt einen guten Überblick. Auch über das vielstimmige und kritische Interesse der Buchblogger, die mehr und mehr die ignoranten Feuilletonisten der Vorfacebook-Ära ersetzen werden, findet sich dort einiges.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befaßt er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Peter Jamin Ohne jede Spur: Peter Jamin
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