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Mobilität als Messethema: Leichter, schneller, ökologischer

Dass Kunststoff mehr ist als Plastikmüll in den Weltmeeren oder die überflüssige Minitüte am Supermarkt-Obststand – auch das möchten die Aussteller auf der „K“, der weltweit größten Messe für Kunststoff und Kautschuk, in Düsseldorf unter Beweis stellen.

ctillmann / Messe Düsseldorf

Einige schreiben sich Circual Economy auf die Fahne andere versuchen dem schlechten Image mit Designstudien entgegenzusteuern.

So hat sich die Firma Covestro dem Innenraum eines möglichen zukünftigen Autos angenommen, im Grunde eine Schaltzentrale auf vier Rädern oder ein Konferenzraum für vier Personen, vollgesteckt mit Elektronik und eben edlem „Plastik“. Neuartige Sitzkonzepte, Oberflächen mit einer verbesserter Haptik, Möglichkeiten der Videokonferenz – die Spielwiese der Möglichkeiten ist mannigfaltig und beginnen bei Sensoren für das autonome Fahren, aber sie enden noch lange nicht bei 5G-Antennen.

Sollte es also jemals zum autonomen Fahren kommen, wäre dieses multifunktionale Vehikel eine echte Alternative zum langweiligen geradeaus starren im inner- oder außerstädtischen Stau.

Zum Thema Energiespeicher: Die Batterie versteckt sich unter dem Boden. Jochen Hardt von Covestro: „Die Industrie ist für den Wandel bereit.“ Nur das Kunstwort „veganes Leder“ hält diesem Wandel irgendwie nicht stand.

Mobilität besitzt eine große Anziehungskraft. Leichtere Werkstoffe führen zu weniger Gewicht und damit zu einer größeren Reichweite, ganz gleich ob unter der Haube ein Diesel tuckert oder ein Elektroantrieb schnurrt.

BASF stellt auf der Messe eine Kooperation mit dem Caravanhersteller Hymer vor, ein interessantes Vehikel, dass bereits auf der letzten Caravan ausgestellt war, jedoch unter ferner liefen und weitgehend von der Öffentlichkeit verborgen ein Schattendasein fristete. Auf der Kunststoffmesse erhält dieser Konzeptvan dagegen auf dem BASF-Stand ungeteilte Aufmerksamkeit.

Groß und exponiert thront dort der Wagen, klar auf dem Caravan Salon ging´s für Hymer ums Verkaufen, nicht ums „konzeptionieren“. Bei „Vision Venture“, so der klangvolle Name, setzen die beiden Fachgiganten auf über 20 Hochleistungskunststoffe im Interieur, die das Fahrzeug leichter und robuster, aber bei jeglichem Komfort machen.

Blickfang dieser rollenden „Studie“ ist allerdings das Dachzelt. Es bläst sich innerhalb von einer Minute auf und es entsteht durch die Beschichtung aus Elastollan eine leichte, wasser- und winddichte Schlaffläche auf dem Vandach. Doch auch die Innenausstattung macht einiges her. Es werden zum Beispiel Kunststoffe mit Naturmaterialien wie Hanf und Schiefer kombiniert.

Recycling ist kein neues Schlagwort. Doch wie sein großer Bruder „Plastik“ kann an dem Image und an der Realität kräftig poliert werden. Das Hauptproblem bleibt einfach die Trennung der verschiedensten Kunststoffkomponenten. Bei dem Sneaker oder Laufschuh von Covestro gibt´s diese Problematik nicht: ein Schuh, kein Materialmix. Der Schuh besteht ausschließlich aus Thermoplastischem Polyurethan (TPU).

Ein Leichtgewicht unter den E-Rennern

Dass Studenten auch anders können, als ihre Runden über einen Campus zu drehen, zeigen Studenten der Technischen Hochschule Köln. In Kooperation mit dem Unternehmen Lanxess bauen die Jung- und Nachwuchsingenieure einen E-Renner, mit dem sie an der Studenten-Rennserie für E-Auto teilnehmen.

Dabei geht es freilich um Gewichtsreduktion bei maximaler Stabilität und Sicherheit. Da kamen die endlosfaserverstärkten thermoplastischen Composites der Marke Tepex dynalite gerade recht. Damit gelang es erstmals, den E-Renner mit unter 200 kg Gewicht auf die Rennstrecke zu schicken.

Der Begriff „Circual Economy“ erlebt auf der diesjährigen einen Verbalboom. Das „second life“ des Kunststoffs, die Wiederverwertbarkeit ist somit ein großes Thema – wie all die Jahre zuvor auch. Doch wird endlich etwas getan? Rührt sich in der Branche endlich das Gewissen? Wächst die Erkenntnis und die Technik, verschiedenste Materialen – auch aus einem Mix – zu recyclen?

Fischernetze erleben als Beispiel ein zweites Leben als Frisbeescheibe. Hört sich auf den ersten Blick nicht spektakulär an, ist es aber. Denn dieses Projekt ist ein Zukunftsbeispiel und stellt eine Herausforderung für die Aufgaben der Industrie dar. Das Besondere ist das Zusammenspiel und -wirken verschiedenster Stufen und Unternehmen, durch das „recylen“ erst möglich wird. Das fängt beim Einsammeln der Netze in Chile an. Führt über das Trennen und Waschen der verschiedensten Plastikstoffe hin zur Herstellung einer Frisbeescheibe.

Maschinen produzieren und zeigen ihre Fertigkeit – dafür ist eine Messe wie die K da. Und das ist auch gut so. Eine Leistungsschau gerade in Düsseldorf soll die Fähigkeiten einer Branche dokumentieren, sie soll inspirieren und freilich auch zu guten Geschäften anregen. Aber sie sollte ebenso die gesamtgesellschaftliche Verantwortung anerkennen, diskutieren und Änderungen einleiten. Fakt bleibt jedoch: ohne Kunststoff und Kautschuk steht die Erde still.

 

Manfred Fammler

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