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Michael Verhoeven mit Käutner-Preis geehrt

Nach der Verleihung des Helmut-Käutner-Preises im Düsseldorfer Rathaus: (v.l.) Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger, Preisträger Michael Verhoeven, Senta Berger, Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller und Laudator, Autor und Lektor Mario Krebs.

Würdigungen und Preisverleihungen folgen einem konkreten Plan. Musik, Grußworte, Laudatio, Dankesrede und wieder Musik. So auch bei der heutigen Auszeichnung mit dem Helmut-Käutner-Preis für den Regisseur und Schauspieler Michael Verhoeven für sein Lebenswerk. Und trotzdem entstehen manchmal kleine emotionale Blüten, die sich weigern, dem Protokoll zu folgen. Heute brach dem Geehrten überwältigt von der Erinnerung die Stimme, als er über den Namensgeber des Preises sprach. „Er besaß die Weisheit eines Jongleurs“, so Verhoeven über Käutner.

Es war ein bewegender Moment, als der „Humanist und Provokateur Verhoeven“, so der Festredner Mario Krebs über das Leben und Wirken des 83-jährigen Filmemachers, als Verhoeven selbst Erinnerungen über den Düsseldorfer Käutner hervorzauberte. Schließlich hatten sich Verhoeven und der Namensstifter noch persönlich gekannt. Und so hatte die Danksagung des gebürtigen Berliners eher Züge einer Laudatio über den Filmemacher Käutner, statt wohlfeile Worte an die Düsseldorfer Honoratioren im Ratssaal zu richten, wo der Preis verliehen wurde.

Zuvor hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller die Bekanntschaft von Käutner und Verhoeven hervorgehoben, die in den Filmen „Das Haus in Montevideo“ und in den „Lausbubengeschichten“ zusammenarbeiteten. „Sie haben Helmut Käutner als Regisseur und als Menschen kennengelernt, und sicherlich war er ihnen ein Vorbild und Lehrmeister.“ Weiter rückte Keller das gesellschaftliche Engagement und den kritischen Blick Verhoevens in den Fokus. Er habe sich „auf ebenso einzigartige wie kritische Weise mit der Historie wie mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandergesetzt.“

Zu einer Reise quer durch die 83 Lebensjahre des Preisträgers setzte Laudator Mario Krebs an. Er gab Einblicke in die Anfänge und erzählte von Streitereien mit Bayerns damaligem CSU-Kultusminister Alois Hundhammer. „Es begann ein Kleinkrieg zwischen Ministerium und Intendant, zwischen katholischer Rechtgläubigkeit und künstlerischer Freiheit.“ Er beschrieb Verhoeven als künstlerisch klug und persönlich integer, „wozu mitunter auch politische Schlauheit gehört.“

Zum künstlerischen Schaffen zog der Autor und Lektor Krebs einen Vergleich von Namensgeber und aktuellen Preisträger: „Man kann weder Helmut Käutner noch Michael Verhoeven einfach in eine Schublade stecken. Verhoeven überrascht immer wieder. Vielleicht ist es seine Neugier, mit der er ein Sujet angeht, mit dem niemand gerechnet hat, Ausdruck seiner tiefen Toleranz, offen zu sein auch für das Überraschende.“ So gab es zudem Einblicke in die finanzielle Situation der mit seiner Ehefrau Senta Berger gegründeten Filmfirma, in der jeder Groschen des Schauspielhonorars floss, um unabhängig zu bleiben und Filme zu machen. Nicht vergessen wurden auf dieser Zeitreisen keineswegs Verhoevens Filme wie „Mutter´s Courage“, „Das schreckliche Mädchen“ und „Die weiße Rose“ über die Geschwister Scholl. Vor 40 Jahren gedreht, doch immer noch unfassbar präsent. Verhoeven: „Man kann es nicht glauben, dass dieses Projekt verhindert werden sollte. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum.“

Und sein Einsatz gegen Vergessen und dem Umgang mit der jüdischen Bevölkerung während und nach dem dritten Reich, fand ebenfalls Raum in dem weiten Erzählbogen der Verhoevens Leben ist.

Am Ende stand der Geehrte am Rednerpult und zog erst nach einigen Sätzen seinen Manuskriptzettel aus der Jackentasche. Käutner, so sagte er, habe die Spiellaune der Darsteller gefördert. „Sie sollten es gerne machen.“ Bezeichnete ihn mit den einleitenden Worten über Weisheit und Jongleur, faltete das Notizblatt zusammen und verabschiedete sich: „Jetzt sage ich nichts mehr.“

Heute Abend ist Michael Verhoeven ab 19 Uhr in der Black Box, Schulstraße 4, im Gespräch mit Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger. Der 83-jährige Filmschaffende hat doch noch etwas zu sagen. Gut so.

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