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Loslassen fällt schwer

Die Nachfolge-Regelung ist für die meisten Unternehmer ein angsteinflößendes Projekt. Deshalb hat die IHK Mittlerer Niederrhein gemeinsam mit der Unternehmensberatung BDU und dem Niederrhein Institut für Regional- und Strukturforschung eine Studie durchgeführt.

IHK Mittlerer Niederrhein / IHK Mittlerer Niederrhein

Die IHK Mittlerer Niederrhein, die Krefelder Unternehmensberatung ButzConsult GmbH (BDU) und das Niederrhein Institut für Regional- und Strukturforschung der Hochschule Niederrhein hatten den Coach und Berater Stefan Hagen als Impulsredner und Moderator zur Vorstellung ihrer regionalen Studie „Erfolgsfaktor Nachfolge“ nach Mönchengladbach eingeladen. Hagen, bekannt durch die Fernsehserie „Hagen hilft“, sagt zur Nachfolgeproblematik: „Es ist sehr wichtig für Unternehmer, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen. Und trotzdem wird das Thema gerne vor sich hergeschoben, weil der Mut fehlt, sich selbst überflüssig zu machen.“ Wie viele Unternehmen am Niederrhein haben die Nachfolgefrage noch nicht geregelt? Welche Anforderungen stellen die Unternehmen an einen potenziellen Nachfolger? Wie wollen die Firmen den Führungswechsel organisieren? Diese und viele weitere Fragen zur Regelung der Unternehmensnachfolge sind nun erstmals von den drei Projektpartnern aus Wissenschaft, Wirtschaftspolitik und Privatwirtschaft beleuchtet worden. „Wir analysieren mit dieser Studie erstmalig regionale Besonderheiten und Trends, decken Hindernisse und spezielle Probleme auf und zeigen Lösungsansätze“, erklärt Wolfgang Koger, Referent bei der IHK Mittlerer Niederrhein. 2.133 Handelsregisterunternehmen aus dem Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein wurden befragt. 218 Unternehmer im Alter ab 55 Jahren beteiligten sich. „Bei diesem sensiblen Thema ist eine Rücklaufquote von gut 10 Prozent durchaus zufriedenstellend“, sagt der Nachfolgeberater und Mitinitiator der Studie Stefan Butz.

Viele Unternehmer haben akute Nachfolgeprobleme

Für die drei Partner steht fest: Es besteht Handlungsbedarf. Prof. Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein: „Viele Unternehmer am Niederrhein haben ein akutes Nachfolgeproblem. Bei einem Drittel der Fälle, in denen eine Regelung in absehbarer Zeit notwendig wird, ist die Nachfolge nicht geklärt.“ Die familieninterne Nachfolge stellt laut Studie am Niederrhein mit rund 44 Prozent die bevorzugte Lösung dar. „Dennoch müssen für mehr als die Hälfte der Unternehmen alternative Lösungen gefunden werden“, betont Stefan Butz. Leider planten die Firmeninhaber für den Nachfolgeprozess tendenziell zu wenig Zeit ein. Koger: „Die Dauer bis zur Übergabe wird oft unterschätzt – dabei sollte die frühzeitige Planung oberste Priorität haben.“ Zudem vertrauten viele Unternehmer bei der Beratung zum Thema ihrem Steuerberater. „Die Unternehmensnachfolge ist aber ein interdisziplinäres Thema, das strategisch angegangen werden muss. Es sind betriebswirtschaftliche, bewertungstechnische, steuerliche, rechtliche und zwischenmenschliche Fragen zu klären. Dies muss von Experten ganzheitlich unterstützt werden“, erläutert Butz.

Arbeitsplätze sichern, Wirtschaftskraft erhalten

Drei wesentliche Anforderungen an ihren Nachfolger sind den Senior-Unternehmern besonders wichtig: Branchenerfahrung, unternehmerisches Denken sowie die persönliche Eignung. „Leider tun sich viele Firmeninhaber schwer, loszulassen und bereits frühzeitig Wissen an ihre Nachfolger zu übertragen“, berichtet Prof. Hamm. „Hier sind Institutionen wie Kammern und Verbände, aber auch Hochschulen und Beratungsunternehmen gefragt, die den Senior-Chefs zur Seite stehen und Wege für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung aufzeigen.“ Erfolgreiche Unternehmensübergaben sind für die wirtschaftliche Entwicklung der Region von großer Bedeutung – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. „Durch einen klug und einvernehmlich geregelten Übergang werden Arbeitsplätze gesichert, und Wirtschaftskraft wird erhalten“, sagt Wolfgang Koger. „Werden Unternehmen aufgrund einer fehlenden Nachfolge geschlossen, können Neugründungen den Arbeitsplatzverlust nicht ausgleichen. Es gilt die Faustregel: 15 Existenzgründungen sind nötig, um eine versäumte Nachfolgeregelung zu kompensieren.“

Die Studie steht als PDF-Datei unter www.mittlerer-niederrhein.ihk.de zum Download zur Verfügung. In das Fenster „Dokumentsuche“ die Nr. 1526 eingeben.

 

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