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Medien & Kommunikation

Dem Verbrechen auf der Spur

Tatort Bildschirm: Gibt es zu viel Alkohol und Leichen im Fernsehen?

Olaf Klostermann

Eine Bundesbeauftragte für Suchtgefahren hat beklagt, dass im Fernsehen zu viel Alkohol konsumiert werde. Das hätte einen schlechten Einfluss auf Jugend und Gesellschaft, auch wenn sich aktuell weniger Jugendliche ins Koma saufen. Solche Warnungen zu verbreiten, das ist die Aufgabe von Beauftragten, wenn man so will, ihr Auftrag.

Noch gibt es keine Mord- und Gewaltverhütungsbeauftragten außerhalb des Jugendschutzes, die die Programme nach einer verträglichen Anzahl dieser Delikte überprüfen. Warum eigentlich nicht? Vielleicht, weil Morde im Fernsehen immer aufgeklärt werden, Trinker aber unablässig trinken?

Der Blick hinter die Kulissen

Neulich gelang es mir erstmals, eine Karte für die außerordentlich beliebte Forensische Nacht im Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität zu ergattern. Aus den zahlreichen amerikanischen und deutschen Serien und vor allem von Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Universität Münster) wissen wir schließlich, welch wichtige Hinweise fast jede Kommissarin und jeder Kommissar den in der kriminalistischen Unterwelt wirkenden Rechtsmedizinern (manchmal ist es auch ein Gefängnisarzt) verdankt.

Bei der Forensischen Nacht im November nahmen Düsseldorfer Rechtsmediziner und Kommissare die Arbeit jenseits des Atlantiks ins Visier und untersuchten amerikanische Fernsehserien wie CSI, Crossing Jordan, Dexter und iZombie – Serien, in denen coole Ermittler und Rechtsmediziner oft gleich mehrere Tötungsdelikte im Episodentakt aufklären.

Prof. Dr. med. Stefanie Ritz-Timme, Leiterin des Instituts für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Düsseldorf, und ihre Kollegin Dr. med. Britta Gahr, überführten ihre amerikanischen „Kollegen“ anhand einiger Filmsequenzen im Handumdrehen: Glauben Sie auf keinen Fall, dass jemand mit bloßem Auge erkennen kann, ob sich DNA an einem Wattestäbchen befindet. Und kein Rechtmediziner würde im Schädel nach einem Projektil graben. Dafür würde man hierzulande erst einmal den Schädel eröffnen, erklärte Ritz-Timme.

Ein Herz hat ein jeder

Anders zumute wurde mir allerdings, als ich bei der „echten“ Arbeit der Rechtsmedizinerin zuschauen durfte. Das jedoch nicht ohne die gutgemeinte Warnung, bei zarter Besaitung der Seele „die Äuglein zu schließen“. Ich schlug die Warnung in den Wind und sah, wie in einem Video ein Herz nach allen Regeln der Kunst untersucht, präpariert und in kleine Scheiben geschnitten wurde.

Tagelang ging mir das gelblich gefärbte, offenbar verfettete Herz nicht aus dem Sinn. Was ist diesem Zentralorgan und Seelenplatz bzw. seinem Besitzer widerfahren?

Da fielen mir die spätmittelalterlichen Erzählungen vom gegessenen Herzen wieder ein. Hier legt der eifersüchtige Vater bzw. Ehemann der Tochter bzw. Ehefrau das Herz ihres Geliebten zur Speise vor. So etwas Wohlschmeckendes habe sie noch nie verspeist, erklärt diese dann auf Nachfrage. Als sie vom Mord am Geliebten und der Beschaffenheit der Speise erfährt, wählt sie vor den Augen des Eifernden den Tod. Für die moderne Rechtsmedizin wäre ein solches Herz eine echte Herausforderung.

 

Susan Tuchel

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