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Ein Herz für die Spender

Wie sich die Zahl der Organspenden erhöhen lässt – Offener Brief an den Bundesgesundheitsminister:

Wie sich die Zahl der Organspenden erhöhen lässt - Offener Brief an den Bundesgesundheitsminister:

„Sehr geehrter Bundesgesundheitsminister, lieber Herr Spahn,

auch wenn Sie aktuell mit der Quarantäne der mit dem Coronavirus infizierten Rückkehrer aus Wuhan beschäftigt sind, möchte ich zu einer anderen gesundheitspolitischen Frage Stellung nehmen, in der wir einen Schritt vorankommen sollten. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) beklagt, dass Deutschland mit einer bundesdurchschnittlichen Spenderrate von 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich sei. Die Idee nach dem Vorbild vieler europäischer Staaten, dass jeder automatisch Spender wird, wenn er nicht widerspricht, scheiterte – sehr zu Ihrem Leidwesen – vor Kurzem im Bundestag.

Die Organspende ist in Deutschland als Gemeinschaftsaufgabe definiert und die DSO hat sich auf ihre Fahnen geschrieben, die Kultur der Organspende in Deutschland zu fördern und Organspender stärker wertzuschätzen. Nehmen wir letzteres einmal wörtlich. Keinem potenziellen Spender behagt der Gedanke an sein unfreiwilliges Ableben, was nur menschlich ist. Käme ich z. B. bei einem Fahrradunfall in Düsseldorf ums Leben, eine Wahrscheinlichkeit, die dank der hiesigen Verkehrspolitik und der zunehmenden Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer um ein Vielfaches höher ist als dass ich mich mit dem Coronavirus infiziere, würde ich gerne meine Herzklappe, meine Nieren, meine Bauchspeicheldrüse, meine Leber, meine Lunge und mein Herz spenden. Auf meine verkrümmte Hornhaut wird vermutlich niemand warten. Spenden würde ich dies unter genau zwei Voraussetzungen: 1.) Alle am Prozess der Organtransplantation Beteiligten arbeiten im Dienste des Menschen und nicht an der Gewinnmaximierung des Gesundheitsmarktes. 2.) Meine Angehörigen oder die, die ich in meinem Organspendenausweis als Begünstigte angebe, sollen finanzielle Unterstützung durch die DSO erfahren.

Alle müssen etwas abgeben

Was wäre zu tun? Ermuntern Sie die DSO, einen Spendenfonds für Spender und deren Angehörige einzurichten. In diesen müssten z. B. Ärzte und Krankenhäuser einen Teil ihres Honorars und ihrer Vergütung einzahlen. Eine Herztransplantation ist nach den Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups; DRG) mit rund 120.000 Euro (berechnet für NRW nach dem Landesbasisfallwert) einer der teuersten Eingriffe. Müssten von dieser Fallpauschale 20 Prozent abgeführt werden, kämen alleine durch die 324 Herzen, die in 2019 transplantiert wurden, über 7,5 Millionen Euro zusammen. Ebenfalls verpflichtend einzahlen müssten die Pharmakonzerne, die an jeder Transplantation bis ans Lebensende des Empfängers durch die Gabe von Immunsuppressiva verdienen. Auch Spenden von Empfängern und deren Familien sind willkommen. Reicht das immer noch nicht, könnte noch bei einer von diesen unzähligen Fernsehgalas bei ARD oder ZDF für diesen Zweck gesammelt werden. Bürgerschaftliches Engagement käme sicher noch hinzu.

Welche Summen den Angehörigen zukommen würden, könnte eine Kommission der DSO entscheiden. Dass die Organe von der DSO an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) übermittelt werden und womöglich in einem anderen Land an einen Empfänger gehen, spielt keine Rolle. Was zählt, ist das Herkunftsland des Spenders, in diesem Fall also Deutschland.

Wie soll das konkret aussehen? Denkbar wären festgelegte Summen für Körperteile angelehnt an die Tarife von Versicherungen. Nun werden Kritiker rufen, dass dies einem Handel mit Organen gleichkäme. Das träfe m. E. nur auf zwei Ausnahmen zu: 1.) Ein überschuldeter Altruist nimmt sich das Leben, um seinen Erben ein Auskommen zu ermöglichen. Ob Organe von Selbstmördern überhaupt infrage kommen, kann ich medizinisch nicht beurteilen. 2.) Ein Begünstigter wird zum Mörder, um an die Spendensumme zu kommen, auch hier sind die Organe vermutlich nicht mehr intakt, bis die Polizei eintrifft. Außerdem würde dies voraussetzen, dass die Erben von dem Organspendeausweis wissen. In solchen Familien passiert auch sonst bestimmt wenig Gutes.

Bin ich deswegen ein schlechterer Spender, wenn ich als Spender eine Absicherung für meine Hinterbliebenen möchte? Ich denke, ein solcher Umgang mit dem Spender und seinen Angehörigen wird viele Menschen dazu bringen, ganz freiwillig und selbstbestimmt zum Organspender zu werden. Sie könnten, lieber Herr Spahn, auf diese Weise viele Herzen gewinnen, die der Empfänger, die der Menschen und die der Spender.“

 

Susan Tuchel

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