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Rezessionsängste in der NRW-Wirtschaft nehmen zu

NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima Juli 2022

Wegen hoher Energiepreise und drohender Gasknappheit hat sich die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft im Juli deutlich verschlechtert. Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise vor zwei Jahren gefallen. Dem Konjunkturindikator zufolge erwarten sämtliche Branchen in den nächsten Monaten erheblich schlechtere Geschäfte.

Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist im Juli um 8,1 Saldenpunkte auf -5,2 Punkte und damit in den negativen Bereich gesunken. Die Stimmung in der NRW-Wirtschaft war damit so schlecht wie seit Juli 2020 nicht mehr. Am stärksten war das Minus bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Aber auch die aktuelle Geschäftslage trübte sich jüngst das erste Mal seit Jahresbeginn wieder merklich ein, ist jedoch noch als gut zu beurteilen.

„Die nordrhein-westfälischen Unternehmen machen sich derzeit ernste Sorgen um die Konjunktur – und es sind gleich mehrere Faktoren, die sie simultan belasten“, so Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. „Dazu zählen mögliche Engpässe in der Energieversorgung genauso wie die hohe Inflation, sinkende Konsumfreude und anhaltende Lieferprobleme. Von diesen Entwicklungen hängt es ab, wie es mit der Konjunktur weitergeht und ob sogar eine Rezession im zweiten Halbjahr möglich erscheint.“

Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK

Bauhauptgewerbe: Deutlich weniger Aufträge

Im Bauhauptgewerbe hat sich das Klima am stärksten eingetrübt. Die Geschäftslage fiel auf den niedrigsten Stand seit Februar 2017. Auch hinsichtlich ihrer Erwartungen waren die Baufirmen nochmals pessimistischer. Hintergrund ist ein Einbruch der Aufträge, was die Bautätigkeit künftig hemmen dürfte. Bei den Baupreisen wiederum dürfte der Zenit wohl überschritten sein. So nahm der Anteil der Baufirmen, die weitere Steigerungen erwarten, erneut ab. Auch die Materialknappheit auf den Baustellen entspannte sich im Juli etwas.

Dienstleistungen: Postpandemische Euphorie verflogen

Auch im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima im Juli erheblich verschlechtert. Vor allem die Erwartungen brachen ein. Die aktuelle Lage bewerteten die Dienstleister zwar ebenfalls schlechter, jedoch liegt der Indikator weiterhin auf hohem Niveau. Den stärksten Einbruch musste das Gastgewerbe hinnehmen, wo die postpandemische Euphorie weitestgehend verflogen ist. Aber auch in der Logistik trübte sich das Geschäftsklima merklich ein. Dies könnte teilweise auch auf das Niedrigwasser im Rhein zurückzuführen sein, das bereits die Binnenschifffahrt beeinträchtigt.

Industrie: Auftragsbestand gesunken

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima nur leicht eingetrübt. Sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartung verschlechterten sich. Im Zuge einer geringeren Nachfrage sank der Auftragsbestand in der Industrie auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren. Besonders schwierig ist die Situation in der Ernährungsindustrie, wo das Geschäftsklima auf ein neues Allzeittief sank. Der Mangel an Vorprodukten hat sich zuletzt etwas entspannt. Gleichwohl berichten weiterhin 64% (Vorquartal: 76%) der befragten Firmen von Lieferschwierigkeiten.

Handel: Umsätze bleiben hinter Erwartungen zurück

Im Handel in Nordrhein-Westfalen ist der Indikator erneut deutlich gesunken. Sowohl die Groß- als auch die Einzelhändler waren weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Erstmals seit über einem Jahr wurden zudem die Lager wieder aufgefüllt, da die Umsätze hinter den Erwartungen zurückblieben. Anders als im Bauhauptgewerbe und in der Industrie, ließ der Preisdruck im Handel jüngst kaum nach.

Bildquellen

  • nrwbank_eckhard_forst: Christian Lord Otto / NRW.BANK
  • NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima Juli 2022: NRW.BANK
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