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Mit dem Schiff aus dem Stau

Die Industrie- und Handelskammern im Rheinland setzen verstärkt auf die Binnenschifffahrt, um dem drohenden Verkehrsinfarkt im Rheinland zu entgehen. Denn: NRW ist bereits jetzt das „Stau-Land Nummer eins“.

Sandra Nabbefeld / pixelio.de

„Der Güterverkehr wird im Rheinland um knapp 70 Prozent bis 2025 zunehmen“, erläuterte Dr. Dieter Porschen, Hauptge- schäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, beim Pressegespräch anlässlich der Infor- mationsveranstaltung „Schifffahrtsregion Rheinland: Mit dem Schiff aus dem Stau!“ im Hafen Neuss. „Das Binnenschiff ist dabei eine verlässliche, umweltfreundliche und kostengünstige Alternative, um Massen- und Konsumgüter sicher und pünktlich beim Kunden abzuliefern.“ Das gelte sogar für wasserferne Versand- und Empfangs- standorte. Kurt Schmitz-Temming, Projektleiter Verkehr der IHK-Initiative Rheinland, wies auf die Drehscheibenfunktion des Rheinlandes hin, die zwangsläufig zu mehr Verkehr auf Straße und Schiene führen würde: „Nordrhein-Westfalen ist auf der Straße heute bereits Stau-Land Nummer eins und auf der Schiene hat der Verteilungskampf zwischen Güterverkehr und Personennahverkehr längst begonnen. Das Schiff hat dagegen noch freie Lade-Kapazitäten auf dem Rhein.“

Fahrrinnentiefe und Hafenreserveflächen

Notwendig sei allerdings eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Meter durchgehend bis Bonn. Die zu geringe Fahrrinnentiefe habe sich beim Niedrigwasser 2011 negativ bemerkbar gemacht, so dass das Binnenschiff Marktanteile an die Bahn verloren habe. Nach Meinung der IHKs muss auch für ausreichende Hafenreserveflächen Sorge getragen sowie deren Verknüpfung mit dem Straßen- und Schienennetz gesichert werden. „Wir dürfen also bei allem Enthusiasmus für das Schiff den Straßenbau nicht vergessen. In Richtung Bund lautet unsere Forderung, die knappen Finanzmittel stärker nach dem tatsächlichen Bedarf zu verteilen und nicht danach, wer am lautesten schreit“, so Schmitz-Temming.

Freie Kapazitäten

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek betonte in diesem Zusammenhang: „Wir müssen in Zukunft mehr Güterverkehr auf die Wasserstraßen in NRW bringen, denn im Gegensatz zur Straße und Schiene gibt es hier noch freie Kapazitäten. Dazu ist es jedoch erforderlich, den Güterverkehr auf dem Wasser besser in die bestehenden Transportketten einzubinden: Bislang kennen zu wenige Verantwortliche die Anforderungen der Unternehmen, die Stärken der einzelnen Verkehrsträger und ihre vielfältigen Verknüpfungsmöglichkeiten. Schon in der Ausbildung muss hier in Zukunft angesetzt werden. Wir müssen gemeinsam mit dem Bund den Ausbau der Infrastruktur vorantreiben, wohl wissend, dass die Gelder hierfür in den nächsten Jahren eher weniger als mehr werden. Insofern rufe ich alle Akteure dazu auf, sich mit ihrer jeweiligen Kompetenz für das gemeinsame Ziel einzusetzen: Nordrhein-Westfalen für die Herausforderungen des wachsenden Güterverkehrs stark zu machen.“

Erhebliche Treibstoffersparnis

Die IHKs machen mit ihrem Hafentag in Neuss Industrie, Handel und Speditionen verstärkt auf das Schiff als Transportalternative aufmerksam. Schmitz-Temming: „Das Schiff verbraucht – umgerechnet auf Gewicht und Entfernung – ein Fünftel an Sprit, den ein Lkw für die gleiche Distanz braucht, und die Energiekosten werden weiter steigen.“ Zunehmend werde es Aufgabe der Binnenhäfen sein, die in den Nordseehäfen umgeschlagenen Güter so schnell wie möglich zu übernehmen und diese europaweit zu verteilen. Der Gütertransport über die Nordseehäfen nach Europa wird weiter zunehmen. „Die Rheinhäfen sollten sich dafür rüsten. Über 300 Hektar an zusätzlicher Fläche sind dafür notwendig“, so Schmitz-Temming. Die Häfen in Rotterdam und Antwerpen werden zur Zeit erweitert und auch die niederländischen Binnenhäfen entlang der Maas sowie die Maas selbst einschließlich Kanalsystem werden weiter ausgebaut mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Euro.

Umschlagstärkste Binnenhäfen Deutschlands

IHK-Hauptgeschäftsführer Porschen wies darauf hin, dass im Rheinland die umschlagstärksten Binnenhäfen Deutschlands beheimatet seien: „Sie dienen gleichzeitig als Güterumschlagplätze und als Industriestandorte.“ Der Hafen Duisburg und RheinCargo als Zusammenschluss der Neuss Düsseldorfer Häfen und der Hafengesellschaft Köln werden das Rheinland als unverzichtbaren Logistikstandort weiter profilieren. „Wir sind auf einem guten Weg, Flächenreserven auf der einen und Transportkapazitäten auf der anderen Seite miteinander zu verbinden und dadurch den Logistikstandort Krefeld–Neuss-Düsseldorf, aber auch den Logistikstandort Rheinland und Nordrhein-Westfalen weiter zu stärken. Mit der Gründung von RheinCargo haben wir nun auch die Brücke nach Köln geschlagen. Damit wollen wir ein noch kompetenterer Kooperationspartner der Nordseehäfen werden und zusammen mit diesen die Verteilung von Im- und Exportgütern nach Europa übernehmen.“

 

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