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Crash 2020 – wie lange hält der Bullenmarkt?

Anleger können zum Jahreswechsel die Sektkorken knallen lassen. Das Börsenjahr 2019 hätte nicht besser ausfallen können: Neue Allzeithochs an der Wall Street und neue Jahreshochs beim deutschen Börsenleitindex Dax. Die Moskauer Börse bleibt top mit einer klaren Outperformance und einem Plus von über 40 Prozent. Und wie geht es weiter im nächsten Jahr der „Ratte“? Der Börsenexperte Andreas Männicke gibt seine Einschätzung.

Anleger können zum Jahreswechsel die Sektkorken knallen lassen. Das Börsenjahr 2019 hätte nicht besser ausfallen können: Neue Allzeithochs an der Wall Street und neue Jahreshochs beim deutschen Börsenleitindex Dax. Die Moskauer Börse bleibt top mit einer klaren Outperformance und einem Plus von über 40 Prozent. Und wie geht es weiter im nächsten Jahr der „Ratte“? Der Börsenexperte Andreas Männicke gibt seine Einschätzung.

Jubelstimmung an der Wall Street und der Moskauer Börse

Der Dow-Jones-Index (DJI) erreichte am 27. Dezember 2019 ein neues Allzeithoch mit erstmals 28.700 Indexpunkten und der Nasdaq Composite Index stieg auf über 9.000 Indexpunkte. Dies bedeutet ein Plus von 23,8 Prozent in einem Jahr beim DJI und sogar 36,9 Prozent beim Technologie-Index in den USA.

Der deutsche Börsenleitindex Dax erfreute die Anleger ebenfalls mit einem Plus von 28,5 Prozent in einem Jahr bei einem Indexstand von 13.304 Zählern. Das ist nicht mehr weit vom Allzeithoch von 13.600 Indexpunkten entfernt. Der zum 31. Januar 2020 wohl sicher stattfindende Brexit hat seinen Schrecken an den Weltbörsen verloren. Im Gegenteil: Das Britische Pfund stieg auf ein neues Jahreshoch von 0,85 GBP/EUR.

Moskauer Börse bleibt top

Noch viel besser schnitt der russische Aktienmarkt ab: Der Russian Trading Index (RTS) stieg in einem Jahr in US-Dollar sogar um 46,6 Prozent, wobei sich zu den Kursgewinnen auch hohe Währungsgewinne von über 10 Prozent gesellten. Insofern waren auch russische Rubelanleihen eine sehr attraktive Geldanlange mit Renditen von weit über 15 Prozent ungerechnet in Euro. Die gute Performance am russischen Aktien- und Anleihenmarkt war auch dem hohen Ölpreis zu verdanken. Nach den angekündigten Förderkürzungen des internationalen Öl-Kartells Opec um 500.000 Barrel am Tag stieg der Brentölpreis in den letzten Wochen um mehr als 10 Prozent von 60 auf 68 US-Dollar/Barrel Der WTI-Ölpreis stieg sogar um über 30 Prozent in diesem Jahr auf zuletzt 61 US-Dollar/Barrel.

Lukoil mit neuen Allzeithoch

Der russische Öl-Konzern Lukoil erreichte daher auch ein neues Allzeithoch mit knapp 90 Euro und der Gaskonzern Gazprom stieg in diesem Jahr um über 80 Prozent auf 7,40 Euro, da er zuvor die Dividende um 30 Prozent anhob. Der russische Aktienmarkt bleibt trotz der starken Kurssteigerungen der am niedrigsten bewertete Aktienmarkt der Welt mit den höchsten Dividendenrenditen der Welt.

US-Sanktionen gegen Russland wegen des Baus der nordischen Pipeline belasten

Auch die neuen Sanktionen der USA gegen den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 konnten den Rubel und die Moskauer Börse nicht destabilisieren. Die USA wollen damit nur bezwecken, dass sie ihr wesentlich teureres Flüssiggas nach Europa verschiffen und verkaufen können. Aber auch Polen hat schon angekündigt, dass es fortan kein Gas mehr von Gazprom erhalten wolle. Gazprom will nun die letzten 300 Kilometer in Eigenregie fertig bauen. Das wird allerdings die Kosten erhöhen und die Fertigstellung verzögern.

Die neuen US-Sanktionen gehören in die Kategorie „kalter Krieg“ zwischen den USA und Russland. Russland will sich daher immer mehr eine Festung aufbauen, auch im Internet. Der ukrainische Gaskonzern Naftogaz erhielt nun 2,9 Milliarden US-Dollar von Gazprom. Die Ukraine will aber auch fortan 2 Milliarden US-Dollar für die Transitgebühren bekommen, während Russland die Ukraine möglichst umgehen will.

Normandie-Gespräche im März 2020 bedeutsam für die Ukraine und für Russland

Wichtig für die Ukraine und Russland sind die nächsten Normandie-Gespräche im März 2020 und die Fortsetzung des „Minsk-II-Prozesses“. Man darf gespannt sein, ob es dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi gelingt, der Donbas-Region einen Sonderstatus zu geben und freie Wahlen im nächsten Jahr in der Ostukraine stattfinden zu lassen. Gelingt dies, könnte die Europäische Union (EU) sogar erstmals geneigt sein, die Sanktionen schrittweise abzumildern. Dafür muss die Ukraine aber auch wieder Zugriff über die Grenze zu Russland bekommen und schwere Waffen müssten abgezogen werden sowie das strittige Gebiet entlang der Demarkationslinie von Minen geräumt werden.

Macron fordert eine strategische Partnerschaft mit Russland

Die letzten Normandie-Gespräche in Paris brachten zwar noch keinen Durchbruch, aber doch eine weitere Annäherung und Gesprächsbereitschaft. Das ist besser, als nur die Waffen sprechen zu lassen. Der französische Präsident Emmanuel Macron fordert von der EU auch eine strategische Partnerschaft mit Russland, um Russland nicht in die Hände von China zu treiben, die jetzt schon gemeinsame Militärmanöver abhalten. Die Nordatlantische Allianz (Nato) soll die alten Feindbilder ablegen und konstruktiver mit Russland ins Gespräch kommen.

Südosteuropa glänzt mit guter Performance

Sehr positiv entwickelten sich auch einige Aktienmärkte in Osteuropa, wie vor allen die Balkanländer. So erreichte der ROTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für die Bukarester Börse in Rumänien, ein stattliches Plus von über 32 Prozent. Er schnitt damit sogar noch besser ab als der Dax.

Was machen die Notenbanken 2020?

Das nächste „Jahr der Ratte“ (nach dem chinesischen Horoskop bedeutet dies Cleverness, Raffinesse, Widerstandkraft und Zähigkeit) ist ein Wahljahr in den USA, was in der Regel immer gute Börsenjahre sind. Sehr viel wird davon abhängen, welche Erfolge US-Präsident Donald Trump bei den fortgesetzten Handelsgesprächen mit China zu verzeichnen hat. Bleiben die Zölle so hoch wie jetzt, muss jeder US-Amerikaner durchschnittlich 1.000 US-Dollar mehr im Jahr ausgeben, was die Inflation anheizen könnte. Wie darauf dann die US-Notenband Fed reagieren wird, bleibt abzuwarten. Spannend wird es auch, ob die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, die Minuszinsen noch weiter erhöhen wird. Das wäre nicht nur schlecht für alle Sparer, sondern für alle große Kapitalsammelstellen wie Pensionskassen, Versicherungen, Bausparkassen und Banken, denen das Geschäftsmodell entzogen wird. Es gibt immer wieder Gerüchte und Spekulationen, dass die Notenbanken im Ernstfall auch Aktien kaufen, wie es die Schweizer Notenbank und die japanische Notenbank schon lange machen.

Trump hat noch viele Baustellen fertigzustellen

Da im November 2020 ein neuer US-Präsident gewählt wird, wird das nächste Jahr nicht unbeeinflusst von politischen Ereignissen sein. Dabei hat Trump mehrere Herausforderungen zu meistern, wie innenpolitisch das Amtsenthebungsverfahren und außenpolitisch einige Baustellen wie die ungelösten Konflikte mit Nordkorea, Iran, Venezuela, Ukraine, China und Russland.

Kommt Deutschland 2020 in eine Rezession?

In Deutschland bleibt es abzuwarten, ob wir in eine Rezession schlittern oder nicht. Die Industrie schwächelt schon lange, vor allem der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Hierzulande könnte es auch zu einer politischen Krise kommen, wenn die SPD das Handtuch wirft und die Koalition vorzeitig auflöst. Auch in Frankreich wird die Wirtschaft durch lang anhaltende Streiks geschwächt.

Crash-Vorhersagen nehmen zu

Wenn Deutschland in eine Rezession heraufzieht, kommt es sehr darauf an, wie die EZB darauf reagieren wird. Die Banken müssen in einer solchen schwierigen Phase gestärkt und nicht geschwächt werden. Die Ertragserosion der Banken ist aber schon jetzt unübersehbar und die Eigenkapitaldecke ist sehr dünn, was nicht ganz ungefährlich ist. Insofern sollte jeder Anleger sich auch Gedanken über die Warnungen der Crash-Propheten Marc Friedrich und Mathias Weik, Markus Krall sowie Prof. Max Otte machen. Einen „Draghi-Crash“ kann es freilich nicht mehr geben, höchstens einen „Lagarde-Crash“, was auf das Gleiche herauskommt. Es gibt nicht wenige, die dann sogar Russland als relativ „sicheren Hafen“ im Fall einer neuen Bankenkrise in Europa betrachten. Die Sberbank ist schon in Staatshand und macht weiterhin hohe Gewinne in Russland.

Gold als sicherer Hafen bleibt in Deutschland gefragt – Bitcoin als Outperformer

Gold und Kryptowährungen dürften auch von den Unsicherheiten am ohnehin relativ hoch bewerteten US-Aktienmarkt profitieren. Gold stieg in US-Dollar um 18 Prozent auf 1.511 USD/Unze und 20 Prozent in Euro auf 1352 EUR/Unze. In Euro machte der Goldpreis schon ein neues Allzeithoch, in US-Dollar freilich noch nicht. Vor allen in Deutschland bleibt Gold als „sicherer Hafen“ sehr gefragt. Die Nachfrage nach Gold ist bei Degussa stark gestiegen.

Der Silberpreis enttäuschte hingegen in diesem Jahr, da er „nur“ um 15,4 Prozent auf 17,75 USD/Unze anstieg. Dagegen konnte Palladium um 51,9 Prozent in einem Jahr auch wegen des „Dieselgate“ zulegen und Nickel um 34 Prozent. Beides war gut für den größten Palladiumproduzenten der Welt NorNickel in Russland, der auch ein neues Allzeithoch erreichte. Auch der Bitcoin stieg in einem Jahr um 90 Prozent und war damit 2019 eine der besten Geldanlagen der Welt. Freilich war der Bitcoin-Kurs dieses Jahr schon bei fast 11.000 Euro und nun nur noch bei etwa 6.500 Euro. Er bleibt damit sehr volatil und somit für den Handel ungeeignet.

 

Andreas Männicke

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Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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