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Psychische Belastungen sind für viele Beschäftigte alltäglich – zu wenig Betriebe fördern die Gesundheit

Hamburger Unternehmen legen nur ungenügend das Augenmerk auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten. Viele Erwerbstätige arbeiten häufig unter seelischen und körperlichen Belastungen. Das geht aus dem Bericht „Arbeit und Gesundheit in Hamburg“ hervor, den Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz im November 2013 vorgelegt hat.

Hamburger Unternehmen legen nur ungenügend das Augenmerk auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten. Viele Erwerbstätige arbeiten häufig unter seelischen und körperlichen Belastungen. Das geht aus dem Bericht „Arbeit und Gesundheit in Hamburg“ hervor, den Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz im November 2013 vorgelegt hat.

Es sei eine zentrale Herausforderung für den Arbeitsschutz der Zukunft, dass psychische Belastungen im Arbeitsalltag erkannt und reduziert werden – so lautet ein Fazit des Berichts „Arbeit und Gesundheit in Hamburg“, den die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) veröffentlicht hat. Der Bericht liefere umfangreiche Daten und Fakten zum Thema betriebliche Gesundheit und biete Akteuren des Arbeitsschutzes eine Grundlage für ihre Arbeit. Auch eine Befragung, die Hamburger Arbeitsschutzpartner durchgeführt haben, zeige Handlungsbedarf zum Schutz vor psychischen Belastungen in den Betrieben, heißt es seitens der BGV.

Die von einem Marktforschungsinstitut durchgeführte Befragung fand im Jahr 2011 statt. Etwa 1.200 Erwerbstätige im Alter von 20 bis 59 Jahren in Hamburg gaben telefonisch Auskunft zu ihrer Gesundheit, ihren Arbeitsbedingungen, ihrer Arbeitszufriedenheit und ihren Arbeitsbelastungen.

Großteil der Befragten hat eine gute Gesundheit und ist weitgehend zufrieden mit der Arbeit

Laut der Erhebung stufen 86 Prozent ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Auf Erwerbstätige mit hohem Sozialstatus trifft dies häufiger zu; auch sind sie seltener chronisch krank als Befragte mit niedrigem Sozialstatus. Mehrheitlich sind die Befragten mit vielen Aspekten ihrer Arbeit zufrieden – zum Beispiel mit der Unterstützung durch ihre Kolleginnen und Kollegen. Bei den Arbeitsbelastungen spielt die psychische Belastung eine bedeutende Rolle, vor allem Zeit- und Termindruck sowie Störungen und Unterbrechungen.

Störungen, Überforderung und Druck führen zu gesundheitlichen Einschränkungen

Der Erhebung zufolge leisten mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen regelmäßig Überstunden, für knapp jeden Zweiten steht Wochenendarbeit an und jeweils etwa jeder Fünfte arbeitet in einem flexiblen Arbeitszeitverhältnis oder leistet Schicht- und Nachtarbeit. Sieben Prozent der Befragten haben Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden pro Woche.

Dabei arbeitet nahezu jeder vierte Befragte häufig unter Belastungen am Arbeitsplatz. Dazu zählen Faktoren aus der Arbeitsumgebung wie Lärm, eine ungünstige Körperhaltung. 15 Prozent der Befragten heben oder tragen oft schwere Lasten. Für knapp die Hälfte aller Befragten kommen psychische Belastungen vor allem durch häufige Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit sowie Termin- und Zeitdruck eine große Bedeutung zu. Jüngere geben häufiger als ältere Beschäftigte eine hohe körperliche und psychische Belastung an. Sie sind auch von ungünstiger Arbeitszeit – wie etwa von Nacht- oder Wochenendarbeit – überproportional häufig betroffen. Solche Probleme, Überforderung, Leistungsdruck wie auch Ärger mit oder über Vorgesetzte bzw. Kunden wirken sich häufig negativ auf das seelische Befinden aus.

Die Befragten führen jede zweite Gesundheitsbeschwerde auf die Arbeit zurück. Vielfach handelt es sich um Müdigkeit und Erschöpfung, Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen, Kopfschmerzen sowie innere Unruhe und Schlafstörungen. Unzufriedene Beschäftigte beklagen sich dabei häufiger über einen schlechten Gesundheitszustand als zufriedene.

Nur gut 40 Prozent der Befragten mit hohen Arbeitsbelastungen glauben, ihre Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben zu können; diese Einschätzung teilen mehr als doppelt so viele, die diesen Belastungen nicht ausgesetzt sind.

Weitere Ergebnisse des Berichts „Arbeit und Gesundheit in Hamburg“, auf dessen Grundlage der Hamburger Pakt für Prävention sein Rahmenprogramm zur mittleren Lebensphase entwickelt und vereinbart hat, im Überblick:

  • Besonders wichtig für eine hohe Arbeitszufriedenheit ist die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen, ein hohes Maß an Selbständigkeit und Verantwortung sowie die Möglichkeiten, eigene Fähigkeiten bei der Arbeit einzusetzen.
  • Jeder dritte Hamburger Erwerbstätige ist mit seinen Aufstiegschancen, jeder vierte mit seinen Weiterbildungsmöglichkeiten unzufrieden.
  • Auch gibt es offensichtlich in der Führungskultur Verbesserungspotenzial: Zwischen 20 und 25 Prozent der Befragten sind mit der Unterstützung durch Vorgesetzte, dem Führungsverhalten und der Anerkennung ihrer geleisteten Arbeit unzufrieden.

Schutz und Wohlbefinden am Arbeitsplatz

„Die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt müssen so gestaltet werden, dass die Gesundheit der Beschäftigten geschützt und ihr Wohlbefinden gefördert wird. Durch die Befragungsergebnisse gewinnen wir konkrete Einblicke in die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Hamburg“, sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks.

Psychische Belastungen bei der Arbeit gehörten inzwischen zu den wesentlichen Ursachen für Gesundheitsgefährdungen in der Arbeitswelt und seien als wichtiges Handlungsfeld in den Betrieben angekommen, so die Behörde. Das zeige auch eine Befragung Hamburger Arbeitsschutzpartner: Der Unternehmensverband Nord, der Industrieverband Hamburg, die Handwerkskammer Hamburg und der Deutsche Gewerkschaftsbund wollten wissen, welchen Bedarf an Beratung und Unterstützung betriebliche Akteure für ihr Unternehmen formulieren und welche externen Angebote sie für geeignet halten, die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten zu fördern. Mit Unterstützung des Amtes für Arbeitsschutz der BGV, des Landesverbands Nordwest der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und dem Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV wurden 433 Unternehmensleitungen, Beschäftigte aus Personalabteilungen, Betriebs- und Personalräte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte befragt.

Betriebliche Gesundheitsförderung als Managementaufgabe

85 Prozent der Betriebs- und Personalräte, 78 Prozent der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte sowie 44 Prozent der Unternehmensleitungen und Befragten aus Personalabteilungen formulierten in dieser Befragung einen hohen Bedarf für eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, heißt es. Unter den externen Angeboten, die psychische Gesundheit zu fördern, stehen bei den betrieblichen Akteuren eine Anlaufstelle für psychisch belastete Beschäftigte zur Vorbeugung gesundheitlicher Probleme sowie eine Anlaufstelle für Führungskräfte oben auf dem Wunschzettel. Auch dem Coaching und Training von Führungskräften, um die psychische Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern, wird ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Doch nur wenige Betriebe hätten eine verbindliche Strategie, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Gefährdungen durch psychische Belastungen zu schützen. Deshalb setze sich Hamburg für eine bundesweite Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch psychische Belastung bei der Arbeit ein. Diese Verordnung soll den betrieblichen Umgang mit arbeitsbedingter psychischer Belastung konkretisieren und verbindlich regeln. Der Entwurf hat den Bundesrat passiert und ist der Bundesregierung zugeleitet worden.

 

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