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Zum Aussteigen auf Zeit, auch Sabbatical genannt, gehört vor allem eine gute Planung. Was gilt es zu bedenken? Wie gelingt der Wiedereinstieg?

Zum Aussteigen auf Zeit, auch Sabbatical genannt, gehört vor allem eine gute Planung. Was gilt es zu bedenken? Wie gelingt der Wiedereinstieg?

38 Prozent aller Deutsche träumen von einem Sabbatical. Es handelt sich dabei um eine Art nicht zweckgebundenem Langzeiturlaub mit „Job-zurück-Garantie“. Die meisten wollen in dieser Auszeit langgehegte Projekte realisieren. Die Konditionen muss jeder Arbeitnehmer individuell aushandeln: Manche sparen dafür Überstunden / Urlaubstage auf einem Arbeitszeitkonto an und lassen sich diese als Freizeit auszahlen, oder sie verzichten im Voraus auf einen Teil des Gehalts, um diesen dann während der mehrmonatigen Arbeitspause zu bekommen. Eine dritte Möglichkeit ist der unbezahlte Urlaub.

Die Motive sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Manche nehmen eine solche Auszeit von drei Monaten bis im Normalfall einem Jahr (maximal zwei Jahren), beispielsweise um sich um die Pflege ihrer Angehörigen zu kümmern, andere, um ein größeres Projekt zu realisieren: eine Doktorarbeit, ein Fachbuch oder eine Forschungsarbeit zu schreiben. Bei manchen ist auch ein Punkt erreicht, an dem sie spüren, dass es im Job nicht mehr weitergeht. Auch dann kann eine Auszeit auf Zeit nutzen … Womöglich, um sich zu entspannen, weiterzubilden, einfach mal den Kopf frei zu kriegen.

„Eine Pause einlegen“

Das Wort „Sabbatical“ kommt aus dem Amerikanischen und bedeutet so viel wie „eine Pause einlegen“. Angelehnt ist der Begriff an das hebräische Wort „Sabbat“, den traditionellen Ruhetag in der jüdischen Religion. Die ersten, die diese Auszeit nutzten, um neue Energie zu tanken, waren in den 1960er Jahren US-amerikanische Professoren, die ein Freisemester in Anspruch nahmen, um sich mit neuen Inhalten zu beschäftigen. Man erhoffte sich davon, dass sie nach der frei gewählten Auszeit wieder frische Ansätze für ihre Vorlesungen und die Forschung fänden.

Ist ein Sabbatjahr auch etwas für mich? Diese Frage stellt sich dem, der sich für eine befristete Auszeit interessiert. Was will ich mit meiner freien Zeit konkret anstellen? Welche Widerstände erwarten mich, wie kann ich sie überwinden? Welches Ziel verfolge ich, woran mache ich das Erreichen fest? Zum Aussteigen auf Zeit gehört ein konkreter Plan, und am Ende auch die Überprüfung der Zielsetzung. Manche Rückkehrer erzählen davon, dass sie anfangs in ein Loch fielen – ohne den alltäglichen Trott. Dem sollte man vorbauen, indem man den eigenen „Rhythmus“ schon vorher definiert.

Kein gesetzlich geregelter Anspruch

Einen gesetzlich geregelten Anspruch auf ein Sabbatical gibt es nicht. Es ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und abhängig davon, ob diese Auszeit dem Arbeitgeber sinnvoll erscheint. Im öffentlichen Dienst, in Forschung und Wissenschaft gibt es bereits Regelungen und Vorschriften für eine längere Auszeit von Mitarbeitern, ebenso in einigen großen deutschen Konzernen. Häufig betreten Mitarbeiter mit diesem Wunsch aber Neuland. Dann kann vielleicht auch der Betriebsrat oder Rechtsanwalt, der sich mit Arbeitsrecht auskennt, helfen.

Im Teilzeit- und Befristungsgesetz ist geregelt, dass jeder Arbeitnehmer ein Recht auf flexible Arbeitszeitgestaltung hat. Voraussetzung dafür ist, dass der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt und der potenzielle Auszeitler dort schon mindestens sechs Monate arbeitet. Doch selbst dann kann der Chef den Antrag aus betrieblichen Gründen ablehnen. Nützlich ist in jedem Fall, sich vorher von Sabbatical-Rückkehrern Tipps geben zu lassen, wie sie es gemacht haben, und sich gründlich auf das Gespräch beim Chef vorzubereiten.

Vorlaufzeit von sechs Monaten einplanen

Dabei sollte man z.B. konstruktive Vorschläge für die Regelung der Vertretung bereithalten, und eine Vorlaufzeit von mindestens sechs Monaten einplanen. Auszeitwillige Arbeitnehmer brauchen aber nicht nur Überzeugungskraft und Mut für die Durchsetzung ihres Planes. Auch die finanziellen Rücklagen sollten stimmen. Ein Sabbatical ist teuer, selbst wenn man Arbeitszeit angespart hat und dann von einem Teilzeitgehalt während der Auszeit lebt. Am besten man rechnet mit spitzem Bleistift und berücksichtigt auch „sporadische Kosten“ wie Reparaturen und Neuanschaffungen.

Unnötigen Ballast kann man während des Sabbaticals über Bord werfen – muss das Auto in der Garage stehen, während man selbst in Neuseeland ist? Kann die Wohnung untervermietet werden? Kommt ein Wohnungs– bzw. Haustausch in Frage? Auch kostspielige Vereinsmitgliedschaften sollte man ruhen lassen. Welches Risiko besteht? Könnten Freundschaften zerbrechen? Droht ein Karriereknick oder eventuell nur ein kurzfristigen Imageverlust im Unternehmen, den man nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz schnell wieder beseitigen kann?

Schriftliche Abmachung regelt Dauer und Rückkehrregelung

In der – schriftlichen! – Abmachung zum Sabbatical sollten Dauer der Auszeit, Fortführung des Arbeitsvertrags und Rückkehrregelungen festgehalten werden (Vordrucke dafür gibt es u.a. in den Fachbüchern). Am besten man legt sie einem Anwalt vor Unterschrift vor. Möglich ist darüber hinaus die Regelung eines Kündigungsverzichts während der Abwesenheit. Nur, wer die Auszeit über ein Arbeitszeitkonto organisiert hat, ist während dieser Zeit auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Diejenigen, die für einige Monate unbezahlten Urlaub nehmen, müssen privat vorsorgen.

Wer sich dann auf die große Reise begibt, sollte vor Antritt auf jeden Fall zum Thema Versicherungen informieren. Und eine Auslandskrankenversicherung ist unerlässlich, am besten ein Rundum-Sorglos-Paket mit Rücktransport. Solche und viele weitere Tipps finden sich auch in Büchern wie: „Der Auszeiter“ von Carsten Alex, „Sabbaticals“ von Barbara Hess und „Sabbatical auf See“ von Leon Schulz.

Damit der Wiedereinstieg gelingt, sollte man sich für die Zeit nach der Rückkehr in den Job bewusst kleine Auszeiten einplanen – Theaterbesuche, Wochenendausflüge oder Kurzreisen. Das Wichtigste ist, die gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag step by step einfließen zu lassen. Von der Zeit „ohne“ kann man den Kollegen erzählen, aber am besten nur auf Nachfrage. Der Neidfaktor sollte nicht unterschätzt werden. Und die Wiedereingliederung gelingt am besten, wenn Kollegen wie Vorgesetzte Unterstützung bieten. Hilfreiche Links: www.teilzeit-info.de vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und www.ratgeber-aussteigen.de, privat von den Aussteiger-Profis Gabi und Christian Hajek.

 

Liane Rapp

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