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Unternehmensnahe Dienstleistungen: mehr Umsatz, mehr Jobs als erwartet

Die unternehmensbezogenen Dienstleister in Norddeutschland können 2015 als ein sehr gutes Jahr verbuchen und die Branche blickt positiv ins kommende Jahr. Eine der Herausforderungen werden die zu integrierenden Flüchtlinge sein. Der Branchenverband fordert eine sinnvolle Begrenzung der Flüchtlingszahlen und ein echtes Zuwanderungsgesetz.

Favorit-Media-Relations GmbH

Die unternehmensbezogenen Dienstleister in Norddeutschland können 2015 als ein sehr gutes Jahr verbuchen und die Branche blickt positiv ins kommende Jahr. Eine der Herausforderungen werden die zu integrierenden Flüchtlinge sein. Der Branchenverband fordert eine sinnvolle Begrenzung der Flüchtlingszahlen und ein echtes Zuwanderungsgesetz.

Der Umsatz der Dienstleister, die Unternehmen als Kunden haben, ist 2015 um 3,3 Prozent gestiegen und die Betriebe konnten erneut rund 33.500 Arbeitsplätze schaffen. Das sind Kernergebnisse der gemeinsamen Konjunkturstudie „DiNo 2015“ (Dienstleister im Norden), die Nikolaus von der Decken, Geschäftsführer Creditreform Hamburg von der Decken & Wall KG und Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbands im Beisein des AGA-Hauptgeschäftsführers Volker Tschirch am 17. Dezember 2015 in den Räumen des in Hamburg ansässigen Verbands vorgestellt haben.

„Ermutigende Zahlen in herausfordernden Zeiten“ und „Kontinuität auf hohem Niveau“ leitete Dr. Hans Fabian Kruse die Ergebnisse des Konjunkturbarometers ein. An der Befragung, die im Oktober 2015 durchgeführt wurde, hatten sich laut beiden Partnern mehr als 1.000 Betriebe aus den Bereichen Facility-Management, Finanzdienstleistungen, Informationstechnologie, Logistik, Marketing und Medien sowie Service beteiligt. Diese Dienstleister aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig Holstein bilden einen repräsentativen Durchschnitt der rund 175.700 Betriebe mit ihren 1,52 Millionen Beschäftigten in Norddeutschland. In Hamburg arbeiten 367.765 Menschen in 38.010 Betrieben, die einen Umsatz von rund 74,3 Milliarden Euro erwirtschaften.

Erfreulicher Stellenzuwachs im unternehmensbezogenen Dienstleistungssektor

Ursprünglich habe die Branche für den gesamten Norden mit einem Stellenplus von 22.600 Jobs gerechnet, tatsächlich entstanden seien 33.500 Arbeitsplätze, 48,2 Prozent mehr als prognostiziert. Davon entfielen die meisten auf das Flächenland Niedersachsen mit 16.900 Stellen, gefolgt von der Handelshochburg Hamburg mit 9.700 und Schleswig-Holstein mit knapp 2.500, führte Nikolaus von der Decken aus.

Laut Studie haben 31 Prozent der Firmen Personal aufgebaut (2014: 31 Prozent), bei 60 Prozent hat sich nichts verändert (2014: 59 Prozent) und 9 Prozent der Unternehmen haben ihre Mitarbeiterzahl verringert (2014: 10 Prozent). Besonders in den Bereichen Marketing & Medien (plus 3,6 Prozent), Informationstechnologie (plus 2,6 Prozent) und Finanzdienstleistungen (plus 2,5 Prozent) wurden neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt.

Optimistische Jobaussichten für 2016

Für 2016 rechnet die Branche mit weiteren mehr als 23.000 neuen Jobs, was eine Erhöhung um 1,4 Prozent bedeutet. „Aber auch hier kann man davon ausgehen, dass diese Zahlen wieder übertroffen werden“, so von der Decken. Für die Informationstechnologie-Branche soll das erwartete Stellenplus bei 3,1 Prozent liegen, dem folgt der Service mit 2,1 Prozent. Für andere Branche erwarten die Branchenkenner dagegen nur noch unterdurchschnittliches Wachstum. „Die Finanzdienstleister fallen mit einem geringen Plus von 0,9 Prozent fast gänzlich aus. Ein Grund könnte der weiter andauernde Niedrigzinsphase und den daraus resultierenden schwindenden Gewinnen geschuldet sein“, so von der Decken.

Insgesamt wollen im Jahr 2016 rund 19 Prozent der Unternehmen Personal aufstocken, bei 76 Prozent der Betriebe kommt es voraussichtlich zu keinen Veränderungen und nur 5 Prozent wollen Personal abbauen. Der Dienstleistungssektor biete „sichere Jobs in einem wachsenden Umfeld“, sagte Nikolaus von der Decken. Und weiter: „In Hamburg sollen laut Prognose weitere 6.400 Stellen aufgebaut werden, was den zweiten Platz nach Niedersachsen mit rund 11.400 neuen Jobs bedeutet.“ Ein nur noch geringer Stellenaufbau sei für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zu erwarten.

Herausforderung Fachkräftemangel

Laut der Studie suchen derzeit etwa 40 Prozent der Dienstleister Fachkräfte. Besonders schwierig gestaltet sich demnach die Lage in der Informationstechnologie. Dort sei mit 53 Prozent mehr als die Hälfte aller Unternehmen auf der Suche. In der Logistik liege diese Quote bei 43 Prozent. Die Suche nach geeignetem Personal dauere im Schnitt rund 11,4 Wochen. Die Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Probleme angesichts des demografischen Wandels verstärken werden, das heißt, dass die Unternehmen auf immer weniger geeignete Bewerberinnen und Bewerber für offene Stellen treffen.

Aktuell liege die Zahl der Beschäftigten über 50 Jahren in den Betrieben bei 30,3 Prozent. Gemäß den Prognosen soll sie 2020 bei 36 Prozent stehen und weiter steigen. Dagegen liege die Quote der 20- bis 30-Jährigen derzeit bei knapp 13 Prozent. Tendenz fallend, allein bis 2020 auf 11 Prozent. „Es ist an der Zeit, sich den Herausforderungen dieser Entwicklung zu stellen. Unser Bildungssystem muss auf die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst werden. Dazu gehört es auch, dass mehr junge Menschen in die duale Ausbildung gehen. Es kann nicht sein, dass es immer noch Politiker gibt, die einen universitären Abschluss als das einzig heilbringende verkünden“, sagte von der Decken. Dennoch zeigten die Zahlen, dass in den kommenden Jahren die Universitätsabschlüsse im Dienstleistungssektor ansteigen von heute 14,5 Prozent auf 15,2 Prozent im Jahr 2020. Ein ähnliches Bild ergebe sich bei den Fach- und Fachhochschulabschlüssen. Die Schätzungen gehen hier von einer Steigerung von aktuell 17,3 auf 19 Prozent im Jahr 2020 aus.

Mit Ausbildungsplätzen dem Fachkräftemangel begegnen

Ein Verlust von Fachkräften erwartet die Branche für den Bereich der Ausbildung: Jetzt liege der Anteil derer, die im eigenen oder einem anderen Unternehmen ihre Ausbildung abschließen, bei 63,5 Prozent. Diese Quote werde sich auf 62,7 Prozent im Jahr 2020 verringern. Allerdings soll auch der Anteil der Menschen, die ohne Ausbildung bei einem Dienstleister arbeiten, von aktuell 4,7 auf 3,1 Prozent sinken. Das hätte zur Folge, dass Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben werden.

Von der Decken sprach sich für die Ausbildung im eigenen Unternehmen aus. Azubis seien ein wesentlicher Teil der Zukunft. Sie auszubilden bedeute, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken. Woher die Auszubildenden auch stammten, sie müssten sich den Gegebenheiten der Unternehmen anpassen. „Bei der Creditreform Hamburg haben rund 25 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Ohne sie könnte ich mir unseren Betrieb nicht vorstellen, denn sie sind eine maßgebliche Stütze unseres Unternehmens“, so von der Decken.

Herausforderung betriebliche Integration

„Flüchtlingszahlen wie im Jahr 2015 bringen die Gesellschaft, die Politik und auch die Wirtschaft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Vor dieser Realität dürfen wir die Augen nicht verschließen, sondern sachorientiert nach Lösungen suchen“, betonte Dr. Kruse. „Was wir jetzt benötigen, ist ein handlungsfähiger und starker Staat. Wir brauchen eine effiziente staatliche Integrationspolitik im Inneren und eine nachhaltige Entwicklungspolitik im Äußeren. Ein Zeichen wäre ein Bundesministerium für Integration und Entwicklung“, sagte Kruse weiter.

Mehrheit der Dienstleister ist bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen

Laut Umfrage haben in Norddeutschland und Hamburg fast 90 Prozent der Dienstleister auf Unternehmensebene derzeit noch keinen Kontakt zu Flüchtlingen. Die Erfahrungen mit Flüchtlingen, die 10,6 Prozent der Unternehmen gemacht haben, sind demnach sehr unterschiedlich: Viele Flüchtlinge seien integrationswillig und entwickelten sich zu einer festen Größe im Betrieb. Andere zeigten sich wenig kooperativ und man habe sich wieder getrennt. Insgesamt sei der Wunsch, Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren, hoch, so Kruse.

Rund 68 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister in Norddeutschland (beziehungsweise 74 Prozent in Hamburg) können sich vorstellen, Flüchtlinge in ihrem Unternehmen aufzunehmen – ob als Praktikanten (das gaben 40 Prozent an), Auszubildende (45 Prozent) oder Festangestellte (39 Prozent). Aber es bestehe auch der Einstellungswunsch nach Auszubildenden, die von der Agentur für Arbeit unterstützt werden – rund 29 Prozent könnten sich solch ein Anstellungsverhältnis vorstellen. Hospitanten und nicht geförderte Auszubildende liegen am Ende der Liste.

Branchenverband plädiert für sinnvolle Begrenzung der Flüchtlingszahlen

Angesichts der Flüchtlingszahlen, die mittlerweile die Ein-Millionen-Marke überschritten haben, befürworten allerdings auch 64 Prozent der Befragten im Norden (66 Prozent in Hamburg) eine Begrenzung beziehungsweise Kontingentierung der Flüchtlingszahlen. Kruse verdeutlichte, dass die derzeitige Flüchtlingswelle aktuell noch gar nicht in der betrieblichen Realität der Unternehmen angekommen ist. Es sei notwendig, die Kräfte zu bündeln. „Was wir jetzt benötigen, ist ein handlungsfähiger und starker Staat. Wir brauchen eine effiziente staatliche Integrationspolitik im Inneren und eine nachhaltige Entwicklungspolitik im Äußeren. Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat und Behörden, die langfristig etwas bewegen können und wollen“, sagte Kruse. Ein Zeichen und Aufwertung der Integration wäre ein Bundesministerium für Integration und Entwicklung.

73,3 Prozent der Dienstleister im Norden vertreten die Meinung, dass Deutschland ein Zuwanderungsgesetz benötigt und der die Branche vertretende AGA Unternehmensverband spricht sich für ein echtes Zuwanderungsgesetz aus. „Im Hinblick auf den faktischen Geburtenrückgang könnte es den Erhalt einer stabilen Gesellschaft befördern. Und für die Zuwanderer würde dies Gesetz mehr Transparenz bringen. Sie können schnell abschätzen, ob sie mit ihrer Qualifikation eine Chance auf unserem Arbeitsmarkt haben“, erklärt Kruse.

Vorrangprüfung aussetzen

Grundprobleme bei der Integration der Flüchtlinge sind dem Unternehmensverband zufolge Sprachkenntnisse und der Status arbeiten zu dürfen. Derzeit dauere es bis zu mehreren Monaten bis das Asylverfahren eingeleitet werde, das dann weitere Monate in Anspruch nehme. Zudem werde im Falle einer möglichen Besetzung eines Arbeitsplatz mit einem Flüchtling über die Vorrangprüfung zunächst ermittelt, ob Inländer oder Europäer Vorrecht bei der Besetzung eines Arbeitsplatzes hätten. Der Unternehmensverband unterstreicht hier die Forderung der deutschen Arbeitgeberverbände, das Instrument der Vorrangprüfung verantwortungsvoll für drei Jahre auszusetzen.

Es sei anachronistisch, Flüchtlinge für Berufe, bei denen anders als etwa im Pflegebereich kein Mangel herrsche, viele Monate untätig warten zu lassen, anstatt diese Menschen zu beschäftigen und darüber auch besser zu integrieren. Das sei kein Ausspielen der Flüchtlinge gegenüber Arbeitssuchenden oder Hartz-IV-Empfängern. Denn viele offene Stellen ließen sich derzeit nicht besetzen, erklärte Volker Tschirch und veranschaulichte die Thematik anhnad eines Praxisbeispiels: Würde ein afghanischer Flüchtling mit internationaler Fahrlizenz und entsprechender Eignung in Hamburg eine Stelle als Lkw-Fahrer angeboten bekommen, fiele die Vorrangprüfung vorerst negativ für ihn aus. Der Grund: In Hamburg gibt es zahlreiche arbeitslos gemeldete Lkw-Fahrer. Jedoch könne keiner von ihnen angestellt werden, weil sie Vermittlungshemmnisse haben – etwa keinen Führerschein, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Alkoholprobleme. In so einem Fall verhindere die Vorrangprüfung echte Integration.

 

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